Writers Block. Sonntag, 3. April 2011

An diesem ehrlichen Sonntag ist’s nun vorbei mit den Ausreden: TT kultiviert eine Schreibblockade. Und so sehr sich die Verfasserin gewünscht hätte, der Sache Herrin zu werden, bevor sie allzu offensichtlich wird, es will ihr nicht gelingen.
Nun wird man sagen, die Weltlage mache ihr zu schaffen. Das Wetter. Die Physis. Die Kunst. Und die Seminararbeit! Wie sehr sie die in Anspruch nimmt. Dazu ein überbordendes Privatleben. Und so viele Triebe, mon dieu, dass von einem ordentlichen Gehege lang schon keine Rede mehr sein kann – von der Liebe, der einen und der anderen (die mir mehr Textfenster leer fegt, als Sie sich vorstellen können, geschätzte Leser:innen) ganz zu schweigen.
Das mögen Gründe sein, gute aber nicht, denn all diese Einflüsse sind der Verfasserin dieser Zeilen nicht neu, und im Normalfall bringen sie ihre Finger mächtig in Bewegung. An was es wohl liegen mag, dass die nun auf der Tastaturin liegen, als wollten sie dort fest wachsen? Muss sie erst ein Rätsel lösen, bevor – ? Ein Labyrinth durchqueren? Einen Drachen besiegen? Ach, K****! Noch fast vier Wochen! So lang will ich nicht textlos dahindämmern!
Falls jemand Rat weiß, eine Pille hat, oder mich per Fernhypnose wieder freischalten kann – ich zahle bar : )

17:06
Süße, um Nachsicht heischende Maus bittet um Geduld wegen akutem Schreibblock.
Nachsichtiger Schreibblock heischt putzige Maus um Geduld bitte (akut).
Passable Nachsicht hat der Schreibblock mit der Sätze fuchtelnden Maus, bitte Geduld!
Diminuierte Maus schreibt trotz akutem Schreibblock in Tabu schonender Nachsicht.
Oder so.

31 Gedanken zu „Writers Block. Sonntag, 3. April 2011

  1. Arme Madame Phyllis! Eine einzige Möglichkeit sähe ich, wie Ihnen zu helfen wäre. Senden Sie mir sieben Tage lang täglich eine Normseite auf der Sie einen guten Grund nennen und ausführen, weshalb Sie von dieser BlockADE befreit sein wollen. Ich weiß nämlich einen Stall in welchem ein geflügeltes Roß steht. Gäbe ich dem sieben Tage lang täglich Ihre schöne, frisch ausgedruckte Begründung zu fressen, so erhöbe es nach sieben Tagen das stolze Haupt, flöge Ihnen zu wie ein Hauch, und ZACK, flösse es Ihnen nur so aus der Tastatur. Kaum dass Sie bei Nacht die Sätze halten könnten. Also, überlegen Sie es sich.

    • Sieben Tage scheinen mir ein angemessener Zeitraum, dem BLOCK beizukommen … allerdings nur, wenn ich nachts mein Haupt auf den Bauch des geflügelten Rosses betten könnte…
      Merci für Ihr Mitgefühl, meine Teure : )

  2. Freuen Sie sich, eine Schreibblockade bedeutet, für eine andere Sache nicht blockiert zu sein. Eisessen beispielsweise. Man müsste halt jetzt wissen, was genau auf der anderen Seite des Schreibens liegt. Probieren Sie das mal aus, vielleicht liege ich richtig. *wischt Vanilleeis von der Tastatur* Mich tät’s jedenfalls hochinteressieren.

    • @Katja Thomas Keiner wie Ihrer, den ich eben las: Mirek. Und davor Bartleby – über den schrieb ich, glaub‘ ich, auch schon mal. Bin ein großer Fan von „I prefer not to“…

  3. Trösten Sie sich, liebe Phyllis! Manch ein Schreibmensch hat mit ebensolchen Problemen zu kämpfen gehabt, nicht nur wochen-, monate-, oder jahrelang, bei einigen ging es fast in die Jahrzehnte, etwa bei Johnson, Koeppen oder Beckett. Andere, deren Absonderungen verzichtbar gewesen wären, schreiben seit Jahrzehnten das immer selbe Buch. Es ist eben ungerecht, Lösungen und Patentrezepte sind nicht in Sicht. Aber es gibt Ansätze: Haben Sie schon mal probiert, philosophische Texte handschriftlich abzuschreiben? Mit dem Füllfederhalter und schön sauber. Kann Kant sein, muß aber nicht. Davon wird man nach ein paar Seiten so wütend, daß man ganz schnell wieder Eigenes schreiben will, ja m u s s. [Falls das klappt: meine Kontonummer bekommen Sie dann ohne Umschweife!]

    • @Norbert W. Schlinkert Ahnte ich, wie viele praxisnahe und wohlfeile Ratschläge hier eingehen würden an diesem verschlafenen Sonn-Nachmittag? Nö.
      Nun ist zwar mein Füllfederhalter eingetrocknet (Schmach) und mein Kant im Umzugskarton (Schande), aber ansonsten steht der Umsetzung Ihres Vorschlags rein gar nichts im Wege. Barzahlung erfolgt, das Wort gebietet’s, bei Erfolg, aber dann prompt!

    • Kant ist im Umzugskarton gar nicht schlecht aufgehoben, da besteht doch wenigstens Hoffnung auf Bewegung. Mit dem Füllfederhalter ist es allerdings wirklich eine Schande – wie wollen Sie denn handschriftliche Belobigungsschreiben verfassen ohne angemessenes Schreibgerät? Also Füller in Form bringen oder einen neuen erwerben! Vielleicht schreiben Sie dann ja sogleich, da Kant nicht faßbar ist, ein schönes Essay über die natürliche und zugleich sprachliche Verbundenheit von Blockschokolade und Schreibblokade. In Schönschrift!

  4. @ Künstlertastaturin, das Problem der sogenannten Schreibblockade besteht einzig und allein aus dem Glauben an sie. Tatsächlich gibt es keine Schreibblockaden. Es gibt Zeiten, da läuft es einfacher und andere, da geht’s gehemmter zu. Einfacher läuft‘s meist, wenn man drin ist, wenn man sich lange Zeit mit seinen Stoffen und Figuren beschäftigt hat und kaum noch etwas anderes tut. Fängt man nach einer Zeit der Abstinenz wieder an, ist es erstmal mühseliger. Das gehört zur Sache, man ist eben noch nicht drin. Es gibt nur eine einzige Art hineinzukommen – und das ist eine gute, keine schlechte Nachricht -, wie im Schwimmbecken: rein springen. Es gibt keine andere Art. Also nicht lamentieren, nicht überlegen, wo der Rettungsring sein könnte oder ob‘s nass ist, sondern einfach springen.
    Aléa

    • Juhu, da sprechen 25 Jahre Schreiberfahrung! Nun, auch ich als 78 jähriger darf etwas dazu sagen, nehmen sie eine Schachtel Reval und werfen sie die aus dem Fenster, das ist ungefähr dasselbe was meine Vorgängerin versprochen hat

    • @Aléa Torik Ich widerspreche! Ich glaube nicht an sie, die Blockaden, die glauben an mich! Anhängliches Pack. Schreibabstinenz gibt’s trotzdem nicht – ich lebe ja vom Schreiben. Dem angewandten. Ich schreibe redaktionelle Texte und Konzepte und alles, was noch zusätzlich anfällt: die Tastatur bleibt also in Betrieb. Nur das Umschalten vom sachdienlichen zum freien Text: da hapert’s momentan. Reinspringen, da haben Sie völlig recht, hilft. Nur muss ich da erstmal wieder den Sack Flöhe, der vorgibt, mein Gehirn zu sein, in Fasson bringen.

      Und nicht so streng sein, Aléa… ich lamentiere doch nicht, und selbst wenn … ; )

    • @Der Wasserhahn Frau Torik mag jung sein, aber sie weiß, wovon sie spricht. (Obwohl sie wahrscheinlich Reval nicht mehr kennt – gibt’s die überhaupt noch??)

    • Liebe Phyllis, Sie haben Recht, das war streng. Ich bin oft mit mir selbst so. Aber in diesem Fall diente die Strenge lediglich dem einen Ziel: davon abzulenken, dass ich keine Rechnung beigelegt hatte, wegen der sofortigen Heilung.

      @ Wasserhahn, dass sie sich auf mich beziehen wollen, dass sich die Jahreszahlen auf mich beziehen sollten oder das Wort Reval (ich dachte das sei Maskulinum von Rivalin) habe ich gar nicht verstanden.

      So, der Tag wird beendet, gute Nacht allerseits

    • @Aléa Torik Langsam bin ich umrundet von Menschen, die streng zu sich und anderen sind, doch warum ausgerechnet mit mir? Ich glaube doch immer noch, dass ich unbestrafbar werde, wenn ich die Augen zu mache…

    • Das ist nur der Zeitgeist, der weht mit Strenge und Disziplin! Inspiration einfach mal so zählt nicht, da muß immer ein Plan her. Doch wer weiß, schon morgen weht ein anderer Wind, und den nehmen die Strengen dann nicht ernst, weil sie ihn für ein laues Lüftchen halten. (Doch er weht in genau die richtige Richtung!)

    • Champagner nehmen die Damen huldvoll an, Häppchen müssen nicht sein, Erdbeeren sind willkommen. Für die Bereitstellung allerdings fühlt sich TT nicht zuständig, Sponsoren möchten sich doch bitte direkt an Herrn Schlinkert wenden
      : )

  5. Versuchen Sie doch einmal den schlechtesten Satz ever zu schreiben 😉 „The writer was in despair. For a year and a half, he had been trying to write a script that he owed to a studio, and had been unable to produce anything. Finally, he started seeing a therapist. The therapist, Barry Michels, told him to close his eyes and focus on the things he was grateful for. The first time he did this, in the therapist’s office, there was a long silence. “What about your dog?” Michels asked. “O.K. I’m grateful for my dog,” the writer said after a while. “The sun?” “Fine, the sun,” the writer said. “I’m grateful for sun. Sometimes.”

    Michels also told the writer to get an egg timer. Following Michels’s instructions, every day he set it for one minute, knelt in front of his computer in a posture of prayer, and begged the universe to help him write the worst sentence ever written. When the timer dinged, he would start typing. He told Michels that the exercise was stupid, pointless, and embarrassing, and it didn’t work. Michels told him to keep doing it.

    A few weeks later, the writer was startled from his sleep by a voice: it sounded like a woman talking at a dinner party. He went to his computer, which was on a folding table in a corner of the room, and began to write a scene. Six weeks later, he had a hundred-and-sixty-five-page script. Six months after that, the script was shot, and when the movie came out the writer won an Academy Award.“

    ot – meinten Sie vielleicht DIESEN Film?

  6. Pepys schreibt einfach auf, was er gegessen, mit wem er getrunken, wen er übervorteilt und wen er gevögelt hat, so lang Sie also noch essen, trinken, übervorteilen und vögeln, sehe ich da kein Problem. Ausserdem, wenn nichts mehr geht, geht immer noch ne Ballade, Vorhang auf, Balladenball!

  7. Phyllis, lieben Sie oder, wenn nötig, leiden Sie. Dann werden Sie auch wieder schreiben. Sobald es Zeit dafür ist. 🙂 LG tinius. Und, ach ja : Lieben Sie !

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