Einige gültige Sachen. Donnerstag, 24. Februar 2011.

Schneeregen. Dann zeichnen wir eben drinnen. Eh besser – mir fiel eben ein, ich besitze gar keines dieser einbeinigen Faltstühlchen mit Lederdreieck mehr, auf denen man so angenehm juckeln kann. Blöd auch, wenn Papier nass wird, Aquarell ist nicht mein Ding.
Bin wintermüde. Einen Finger (linke Hand) würd’ ich hergeben für ein leistungsfähigeres Gehirn, meins fühlt sich an wie ein Kartoffelbowist. Sagen Sie nichts jetzt (!) Noch nicht mal ein Schafgedicht fiel mir ein heute Morgen, es hätte ein politisches werden sollen, wahrscheinlich lag’s daran.
Würde gerne am Samstag zu Schnecks “das letz niest” – Lesungsempfehlung gehen, Tübingen aber zu weit, dafür heute Abend, ja Melusine, zu BenHuRum. Im Netz indes sind wir alle gleich weit entfernt, und kein Parkplatzproblem. Neun Uhr neunundvierzig. Der Tag ruft, doch seine Stimme ist verwässert; ich könnt’ ihn glatt überhören. Tusker schläft den Schlaf des Gerechten, der weiß noch nicht, wie nass wir heute werden.
Ich will hier weg. Kenia? Lamu? „Du kannst da jederzeit wieder hin“ sagt mein englischer Ex am Telefon, „fünfzehn Künstler waren inzwischen dort, die Bibliothek ist eingerichtet, die Computer funktionieren, Internet auch manchmal. Alles blüht gerade.“ Verlockender Gedanke. Meine Geschichte, erzählt er, wird demnächst Teil einer Publikation der Galerie („If you don’t mind?“ „Don’t be silly, I’m so pleased“).
Die Übersetzung meiner Lamu-Erzählung ins Englische war der letzte Auftrag, den mein Vater vor seinem Tod annahm; ich hüte diese handschriftlichen Seiten wie einen Schatz. Eigentlich wollte der alte Mann nur noch Hannes Wader hören. Drei Monate hat er gebraucht; in früheren Zeiten wären es drei Tage gewesen. Ich wünschte ihm so, dass er noch einmal etwas macht, worauf er stolz wäre; dieses Stolzsein war ihm, wie vieles andere, eigentlich längst entglitten. Lebenslang werde ich bedauern, ihn nicht genug gelobt zu haben, als er mir die Seiten in die Hand drückte: dankbar, aber ganz selbstverständlich nahm ich sie entgegen. Als sei er noch der Profi von früher. Ich hab’ ihn wahnsinnig geliebt. Dass er das wusste, macht diesen Patzer erträglich. Fast. Ich habe seine Hände. Männerhände. Kräftig, hoch liegende Adern, Finger und Handrücken gleich lang, nicht elegant. Seinen Siegelring mit dem dunkelgrünen Stein und den roten Punkten trägt sie tagundnacht, den anderen ihre Schwester semioticghosts, drüben in England. Wie heißt dieser Stein noch gleich. Cellini würde das wissen.
Es schneit sich ein.

10 Gedanken zu „Einige gültige Sachen. Donnerstag, 24. Februar 2011.

  1. .. und ich war – ungelogen! – drauf und dran, nach Ffm zu fahren heute abend, zu dieser eröffnung. das hätte mir sehr gefallen! seit vorhin jedoch weiss ich, dass ich leider morgen um 6.30 uhr in thermoarbeitskleidung bereitstehen werde zur rettung neugotischer kuppelornamentik. /und in lamu war ich auch schon mal. diese netz-anknüpfungen, immer wieder schön seltsam! wo gibt’s denn ihre lamu-erzählung?

  2. I was between stools….. whether to rush out to globetrotter and purchase one of those stools for you or not. The deciding factor was that its the end of the month : ( moneywise and I was too tired. Give me sun to power up my batteries and a new month and things could have been different…. just a thought for the day!

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