Lesen ist Gold. Sonntag, 20. Januar 2011.

Guten Morgen, geschätzte Leser:innen,

was für ein bezaubernder Wintertag. Da möchte man doch sämtliche Fenster aufreißen, die Wäsche draußen aufhängen, Madeleines backen, die Zeitung um sich herum im Gras ausbreiten, hüpfen, Freunde necken, die Fußnägel anpinseln und mit den Zehen wackeln, gurren, fiepen und diverse andere Geräusche in die Welt setzen, Kabeljau essen, Minutengedichte schreiben, ein Widderkaninchen besuchen, durch die Schrankwand in eine Parallelwelt rutschen und was dergleichen sonntägliche Freuden mehr sind.
Leider werde ich (bis auf’s Zeitung lesen, grrr) heute nichts dergleichen tun, bin krank und darob recht übellaunig. Wenn Sie sich also streiten wollen unter dem “Gewebeprobe” – Text, bitteschön, aber ich habe nicht die geringste Lust, da vermittelnd einzugreifen. Also hänge ich nur ein Schild an die Tür, “Beware of insults!” und verzisch’ mich mit meiner Lektüre auf’s Sofa.

Schönen Sonntag allerseits!

12:17, Nachtrag:
Ich schaff’s nicht: mich rauszuhalten, meine ich. Da wurde unter einem Originaltext und einem – wie ich fand – erholsam ruhigen und konstruktiven Kommentarbaum heute Vormittag auf einmal wieder Gift gespritzt – verzeihen Sie, aber das ist mir einfach nicht gleichgültig. Ich hab’ das entsorgt.
Ach, zum Henker, Leser:innen, ich würd’s versteh’n, wenn Sie langsam die Geduld verlören mit mir, die ich noch keinen intelligenteren Weg gefunden habe, mit solchen Ausbrüchen umzugehen.
Und jetzt zurück aufs Lager.

15:47
Danke an alle Schlichter:innen!
Worum ging’s noch gleich, bevor sich hier wieder die Gemüter erhitzten? Ich hatte ein paar Kommentare gelöscht, die mir in ihrer Polemik gegen den Strich gingen. Nun kuriert man schlechte Manieren nicht mit ebenso schlechten – deswegen bedaure ich das. Asche auf mein Haupt.
Die Kommentarfunktion vorübergehend zu deaktivieren ist eine Alternative, wenn’s hart auf hart kommt. Auch, sich darüber Gedanken zu machen, dass linkbare Kommentator:innen für die Klangqualität eines Weblogs erstrebenswerter sind als Anonyme. (Beides gab Walhalladada zu bedenken)
Andererseits … wenn ich mich daran erinnere, wie heftig es manchmal im Atelier zuging, als noch zehn von uns in einem Raum arbeiteten – holla. Da flogen die Fetzen. Damals waren wir jünger, klar. Und praktisch jeder warf jedem Parteilichkeit vor, irgendwann. Die leicht Reizbaren schnappten nach ihren Reizworten, die Supereloquenten machten sowieso immer alle anderen platt, und immer kamen jene zu kurz, die den Mund nicht aufkriegten, oder zu langsam waren.
Und das soll jetzt alles ganz anders sein, nachdem wir erwachsen sind?
Ja.
Klappt aber nicht immer.

p.s. Prise Humor schadet nicht, gell.

00:40
Kleiner Nachtrag, weil ich morgen wieder in die Manuskriptarbeit mit meiner Freundin abtauchen werde: vorhin haben einige Gäste ihre heutigen Beiträge von sich aus offline genommen. Vielleicht sind dabei auch einige Ihrer – die Sie gerade hier lesen – Kommentare verschwunden? Ich möchte nur sagen, ich war das nicht.
So. Vom Thema Löschen habe ich (Sie sicher auch) nun erstmal genug. Ich habe morgen keine Zeit, hier aufzupassen – deswegen werde ich über den morgigen Tag mal die Kommentarfunktion auf jene einschränken, die bei Twoday registriert sind.
‘Nacht, allerseits.

80 Gedanken zu „Lesen ist Gold. Sonntag, 20. Januar 2011.

  1. Eben zurück aus einem neuerlichen Schneetreibenspaziergang sehe ich, dass Sie die Kommentare, auf die Sie sich oben beziehen, gelöscht haben. Mit Verlaub, aber zeigte ich mich hier je streitlustig, dass es solche Befürchtungen und Maßnahmen rechtfertigen würde? Welch hochsensibles System scheint da durch eine bloße Anmerkung zur Gesprächshygiene angestochen? Ich beschäftige mich hauptsächlich mit schnödem Broterwerb, auch sonntags, da freiberuflich tätig. Schlechte Laune kann ich mir deshalb, auch der Kinder wegen, nicht leisten. Eine Auseinandersetzung wäre mir nicht im Traum eingefallen, schon gar nicht mit einer hochbewaffneten Armee, die ich selbst weder habe, noch will.
    Gute Besserung und ebenso einen schönen Tag in die Runde!

    • @Rinpotsche Ihr Satz war überhaupt nicht gemeint!!! Nur stand er nach der Löschung der von mir erwähnten Kommentare völlig unbegründet allein in der Landschaft, so dass er eben auch fallen musste. Es war doch nur ein einzelner Satz!
      Ich glaube, was hochsensible Reaktionen anbelangt, nehmen wir beide uns da nix ; )

      Herzliche Grüße!

    • @Rinpotsche. Ich stehe Ihnen hier gern noch einmal, nun entpersonalisiert, Rede.
      Ich hatte Texte eines Autors “sauschlecht” genannt. Sie wollten daraufhin wissen, weshalb ich nicht geschrieben hätte, sie seien meiner Meinung nach sauschlecht. Darauf gibt es zwei Antworten:
      1) Da ich das Urteil abgab, ist es ohnedies meine Meinung; schreibe ich das noch eigens hinzu, wäre das redundant. Es ist also schon formal notwendig, keine überflüssigen Bestimmungen hinzuzusetzen, und ästhetisch sowieso. Wer wollte eine Einlassung vertreten, die so lautet: meiner Meinung nach sind die Texte von XYZ meiner Meinung nach schlecht?
      2) Wäre ich nach den Gründen meines Urteils gefragt worden, hätte ich mir einzwei Texte des nicht genannten Autors vorgenommen und sie sprachlich analysiert, um diese Gründe darzustellen. S o schlecht sind viele dieser Texte nämlich nicht, daß sich das nicht lohnte. Im übrigen kommen meine Urteile aus der Erfahrung eines über dreißigjährigen Berufslebens zustande, von dem ein paar Büchlein recht erbaulich Zeugnis geben. Zu meinem – gewollten – Berufsleben gehört wie zu Ihrem, das es Sonntage nicht kennt, jedenfalls nur selten welche als solche begeht. Der Unterschied besteht darin, daß ich meine Art des Brotererbs nicht schnöde finden kann, weil ich das Privileg habe, daß Beruf und Broterwerb zu größten Teilen einig sind. Auch dieser Umstand – derjenige meiner Professionalität – fügt meinen Urteilen einiges hinzu.

    • Ich finde es keineswegs redundant, eine eigene Ansicht als solche zu unterstreichen, vielmehr ist es Ausdruck des Respekts gegenüber Kollegen, wenn man sie schon unaufgefordert kritisiert. Also, es ging mir lediglich um einen hygienischen Begriff, der mir im sprachlichen Austausch, so altmodisch das auch klingen mag, nicht fehlen sollte. Habe die Ehre!

    • @ANH 1.Ihre Manieren finde ich gelegentlich “sauschlecht”. So auch hier. Die Formulierung “ich finde” ist nicht redundant, sondern bezeugt ein Bewusstsein über den Unterschied zwischen Meinung und Fakten.
      2. Ich halte Ihre Manieren nicht generell für so schlecht, dass es die Mühe nicht lohnte, Sie einmal darauf hinzuweisen, wie sehr ein herablassender Tonfall langweilt und abstößt.

    • @Rinpotsche. Pardon, aber der von mir nicht Genannte ist ganz sicher kein Kollege von mir; dazu gehörte schon nein bißchen mehr, als er – oder sie – bislang vorgelegt hat, und zwar sowohl stilistisch als auch professionell. Sie sollten zudem verstehen, daß ich nach vielerlei Anpinkeleien als wirklich allerletztes für diese Person noch Respekt aufzubringen bereit bin.
      Aber könnten wir das, wenn schon, vielleicht in Der Dschungel diskutieren und nicht abermals mißbräuchlich hier? Die Vorlage habe ich Ihnen eben >>>> in meinem Arbeitsjournal gegeben; darauf können Sie, und wer immer sonst noch möchte, gerne einsteigen.

    • @Rinpotsche Dem möchte ich zustimmen. Nicht redundant. Als Aussage. (Nur als aus dem Zusammenhang herausgerissener Kommentar.)

      Ich liebe gute Manieren. Sie haben diesen ornamentierenden Aspekt, der Auseinandersetzungen daran hindert, sich festzufahren. Ich selbst lese und schreibe ja “für mein Empfinden” oder “in meinen Augen” lieber als “meiner Meinung nach” – doch das ist eine rein subjektive Wertung.
      Überflüssig sind diese Dopplungen nicht, auch wenn natürlich klar ist, ein Kommentar k a n n gar nichts anderes widerspiegeln als die Haltung des Verfassers.

    • @Melusine. Was ich eben an Rinpotsche schrieb, gilt auch für Sie. Hören Sie auf damit, mich mit Ihnen in Zugzwang zu bringen, Phyllis Kiehls Weblog zu mißbrauchen. Führen Sie solche Auseinandersetzungen meinetwegen in Der Dschungel.

      Und sowieso: Besser sauschlechte Manieren als sauschlechte Texte. Für eine einzige gelungene Dichtung bin ich bereit, mit welchem gesellschaftlichen Stilbruch auch immer zu bezahlen.

    • @Phyllis. Auch vorgeblich gute Manieren bringen mich nicht zu Redundanzen. Wenn ich ein Urteil fälle, so fälle ich es. Das muß ich nicht noch eigens dazuschreiben. Vielmehr würde ich, wenn ich sowas eigens dazuschriebe, mein Urteil relativieren. Daran genau ist mir nicht gelegen, sonnst hätt ich ja kein Urteil, sondern zweifelte. Wenn ich aber zweifle, dann sag ich das auch.
      Und ich wiederhole hier: Die Texte des von mir nicht Genannten sind schlecht. Jedenfalls, soweit ich sie kenne.

    • @Herbst. Missbrauch liegt mir sowas von fern, Herr ANH, und, wie gemeint, ich sehe keinen Diskussionsbedarf über Höflichkeitsformen, darüberhinaus, wie gesagt, darf ich tatsächlich heute noch eine Weile einer lukrativen Tätigkeit nachgehen. Frau Phyllis, Herr Herbst, wünsche einen berufenen Schönnachmittag!

  2. Bremsschaum Die Gewebeprobe überlegte sich, ob sie ein Luftbläschen – ein interessantes, merken Sie wohl – produzieren solle, nachdem sie von ihm, Herrn T., fertig begutachtet war. Dann aber, als sie, die Probe, von ihm, dem ES, mit einer mit vibrierenden Geschmacksknospen besetzten Zunge gegen den Gaumen, den trockenen, gedrückt wurde, erwartungsvoll, produzierte sie, die Probe, so viele Luftbläschen – interessante, merken Sie wohl – auf einmal, dass es nur so schäumte im Schlund des ES.
    Das war zuviel: Der wortfeuchte Schaum troff unbeherrschbar für ES aus dem Ordner auf den Regalboden und schwebte – nachdem er, der Schaum, todesmutig die Kante des Regalbodens überwunden hatte, welcher im Jahr 1999 in einem gewissen röhrenden Möbelhaus erstanden worden war und zwei Jahre später gewachst wurde, was lediglich dem Pflegekomfort geschuldet war, nicht der Optik – wie eine Feder leicht taumelnd zur Tischplatte hinunter. Einmal gelandet, bildete er, der Schaum – wortfeucht, Sie erinnern sich – eine perfekte, schimmerige Halbkugel dort auf der Tischplatte. Sekunde um Sekunde platzten Luftbläschen, ungezählt. Nach exakt 53,6 Sekunden war der Zauber vorbei, alle Luft entwichen. Übrig blieb Feuchte, die Worte hatten sich zersetzt zu Buchstaben.

    Brand aus! ; )

  3. Meine Güte! Zwei Tage in der Eifel Hochzeit gefeiert, und dann hier lesen. Mir fehlen die passenden Worte, Ihnen zu offenbaren, was ob dessen in mir vorgeht.
    Ich werde zunächst einmal einen Curvoisier einnehmen – habe die Ehre, Dam- und Herrschaften.

  4. Jawohl! Vertragt Euch. In der Abendröte der westlichen Kulturen sollten wir zusehen, dass wir ein bisschen mehr auf der Pfanne haben als Eitelkeiten und Gefühligkeiten. Höflicher Umgang miteinander ist das Mindeste was für mein Gefühl notwendig ist, wenn man das Wort aneinander richtet. Vertragt Euch. In der Abendröte der westlichen Kulturen sollten wir zusehen, dass wir ein bisschen mehr auf der Pfanne haben als Eitelkeiten und Gefühligkeiten. Höflicher Umgang miteinander ist das Mindeste was meiner Ansicht nach notwendig ist, wenn man das Wort aneinander richtet. Kann man sich diese minimale Höflichkeit nicht abringen ist stille Ignoranz noch das Lauterste was man hervorbringen kann.
    Wie leid ich dieses ganze Herumgehopse von Menschen bin, die mit jedem Aufbegehren und mit jeder Argumentation ja doch nur “Ich! Ich! Ich! Mama guck mal! Ich!” rufen.
    Kommen Sie doch bitte zur Vernunft Herrschaften, ich zweifle so ungern an von mir unterstellter Intelligenz in Köpfen die ich schätze.
    Die Tatsache, dass ich diesen Beitrag quasi anonym einstelle, dürfen Sie darauf zurückführen, dass ich den Einen oder die Andere der hier Angesprochenen, von adaptierten Reaktionen abhalten möchte. Machen sie aus Ihrem Herzen keine Mördergrube, aber bleiben Sie bitte sachlich uind versuchen Sie, wenigstens der gebotenen Minimalhöflichkeit Genüge zu tun.

    • Wir fragen uns auch, warum Erwachsene hier in aller Öffentlichkeit so unhöflich sind. Schämen die sich nicht, wenn schon nicht vor der Welt, dann vor ihren Kindern! Phyllis sollte Abmahnungen verschicken!

    • @Hunderudel Erwachsene? Was ich bisher so im Kreise sogenannter Erwachsener erlebt habe – und damit meine ich nicht nur den Typus sozial wie mental sichtlich schwer herausgeforderter Protagonisten unterschichtsorientierter Reality-Soaps, sondern feinsinnigste Kulturbürger erster Güteklasse (welchem Maß auch immer diese damit gütlich Genüge tun mögen) –, legt eher die Vermutung nahe, dass der normale Umgang Erwachsener miteinander darin besteht, sich im Konfliktfall gegenseitig die Schädel einzuschlagen. Nur die Felsbrocken und Keulen sehen heutzutage anders aus. Eine hübsche Verpackung – alias Höflichkeit – ändert wenig an der Intention des Erschlagens. Es macht allerdings die Gladiatorenauftritte im Zirkus deutlich unattraktiver. Stellen Sie sich vor, die hätten sich im alten Rom unter Kaisers und Pöbels Augen gebärdet wie… Diplomaten. Zeter! Mordio! Werft sie den Löwen zum Fraß vor!

    • Erwachsene sollten sich ja eben nicht nur einer antrainierten Höflichkeit befleißigen, die beim ersten Konflikt gleich zerbricht. Ich verweise nochmals auf das Decorum http://de.wikipedia.org/wiki/Decorum
      Ein Verfechter dieser tiefergehenden, verantwortungsvollen Umgangsformen, der Frühaufklärer Christian Thomasius, verwies allerdings Ende des 17. Jahrhunderts auch darauf, daß es schwer genug sei, aus der Bestie einen Menschen zu machen; daß ein Mensch zu einem Christen werde, erklärte er zur Ausnahme. Es bleibt also, da gebe ich Ihnen recht, eine Menge zu tun. Packen wir es an!

    • Aber Frau Sowieso, wieso denn? Wir meinten doch Erwachsene im besten Sinne, mit Sinn für Humor und Fairness. Oder meinten Sie es andersherum ironisch?

    • Der Gesetzgeber sollte das Betreiben von blogs generell verbieten, nicht aus Gründen einer geistigen Hygiene sondern aus Gründen des Anstands und der konsequenten Haltung sich selbst gegenüber.
      Es ist doch ganz offensichtlich, dass in der “blogwelt” an eigenen Gesetzesentwürfen gebastelt wird und sei dies noch reichlich verspielt und noch so gut wie ohne vorherige und gemeinsame Verabredetheit.
      Mögen jene angesprochenen Entwürfe auch bürgerlichen Gesetzen und Gesetzesverordnungen noch so pingelig, kleinkariert und geradezu klaustrophobisch-paranoierend ähneln, so sind sie dennoch etwas anderes, sie haben etwas Eigenständig-selbstbewussteres als vom Gesetzgeber verfasste Texte, an welche man sich eben zu halten hat und sonst Klappe.
      Guten Tag.

    • SIE ZEIGEN WORTE
      sagen
      man könnte im wort dem duft einer rose finden

      ich aber finde papier papier und papier
      nicht farbe
      nicht duft

      und ich weiß
      dass ich bündel funken
      wenn arbeiter straßenbauschienen schweißen
      und wir danebenstehen
      zwei zehnjährige buben und ich
      ein bündel funken
      mehr licht bedeutet
      als die vokabel licht
      und wenn mein bekannter gelähmt im rollstuhl
      das stückchen brot kaut das ich ihm gebe
      dann neigt die neigung seines kopfes
      die bewegung der kiefer
      mehr leben
      als alle vokabel leben zusammen

      (Halina Poswatowska)

      Jeder Makel ist eine größere Sonne, als die kranke Selbstliebe, die ja keine Selbstliebe ist, sondern Selbsthass, wer sich immer zu aufspielt, als wäre in irgendeiner Weise etwas besseres, der ist am Ende viel schlimmer dran, als jeder Gelähmte.

    • @Der Fisch Und was, wenn nicht Papier, und eine unbedingte Überzeugung der Dichterin, ihre Worte seien es wert, darauf geschrieben und in die Welt getragen zu werden, hat nun dieses Gedicht in unsere Runde gespült, Herr Fisch?

      Ich glaube, was Sie mit “kranke Selbstliebe” meinen – und ablehnen – ist Selbstüberhöhung. Das ist aber eine der vielen Möglichkeiten, künstlerisch in Gang zu kommen. Viele wunderbare Künstler:innen waren und sind egomanisch. Man kann solche Menschen meiden, man kann Selbstdarsteller meiden. Ich persönlich würde immer nach den Prozessen schauen, die jemand auslöst: wenn die interessant und mitreißend sind, kann der- oder diejenige meinetwegen so egomanisch sein, wie er/sie es braucht.

    • Denken Sie an Leute wie Warhol oder Beuys. Oder an Thomas Bernhard. Immendorf. Oder Damien Hirst. (Alles Männer, fällt mir gerade auf, aber wenn ich einen Moment nachdächte, fielen mir bestimmt auch eine Reihe Egomaninnen ein)

    • Wo Bernhard ein Egomane war, das verschließt sich mir, er hat an das geglaubt was er schreibt und er war, wenn er überhaupt etwas war, immer auf der Seite der Schwachen und da sehe ich Beuys auch und sehen Sie, da sollte ein Künstler stehen.

    • Richard Wagner. Händel. Beethoven. Breton. Powys. Karajan. Mahler. Stockhausen. Arno Schmidt. Pound. Thielemann. Joyce. – Akzeptiert ist hingegen die Kehrseite desselben Phänomens, die schon pathologische Neigung zur Selbstverkleinerung. Etwa bei Kafka und Bruckner. Oder man lese einmal die Bettelbriefe Bachs: das waren Orgien der Selbsterniedrigung. Es gehen da aber die gleichen Prozesse ab; man kann sich das gut mit dem Verhältnis Aggression zu Autoaggression klarmachen. W i e sich das schließlich äußert, hängt von Faktoren der Erfahrungen ab, die jemand gemacht/erlitten hat. Es ist aber zudem eine Frage des Temperaments und des Kampfwillens. Wobei zu den “Selbsterhöhern” – als weitere Spielart (ich finde das ein ebenso unpassendes Wort wie Egomanie) – auch die, von ihrem Erfolg gespeist, Herablasser zählen, etwa Thomas Mann und viele andere, deren Ton eine leise, aber scharfe Arroganz verströmt. Sie ist nicht ohne Grund.

    • @Fisch. Sie irren. Bernhard war ausschließlich auf der Seite seiner Literatur, und das bis ins Extrem radikal. Seine Literatur aber stand auf der Seite der Schwachen, was für die Arbeit sehr vieler der sog. Egomanen gilt. Von den wirklichen Menschen, also im Umgang, hielt Bernhard nicht viel.

      Auf der Seite der Schwachen zu stehen, schließt Egomanie nicht aus; ja im künstlerischen Prozeß kann sie genau eine Voraussetzung dafür sein, daß die Positionierung vernommen wird.

    • Warum man immer irgendwo ausschließlich sein muss, hat sich mir noch nie erschlossen.
      Also gestern waren meine Hormone so in Aufruhr, dass sie ausschließlich alles Kacke fanden, und dies auch gleich simultanübersetzen ließen, was dann ziemlich ausschließlich nicht nur mir schlechte Laune verschafft hat, gut, heute freilich sieht das alles schon wieder anders aus. Wenn man mich jetzt ausschließlich an meinen schlechtgelaunten Hormonen messen müsste, entging einem aber auch der andere Kram, der selbst mit mir mal ganz launig sein kann, und dann säß ich nun mit recht jetzt im kalten Berlin, wo man mich eigentlich auch nicht so ausschließlich liebt.

    • Ja aber genauso funktionieren sie doch Frau Sowieso, sie umkreisen doch immer bloß ein und dieselben, wahrscheinlich merken sie das nicht, deshalb bin ich da, um es ihnen zu sagen.

    • Wo muss ich denn kreisen, wenn ich bei Ihnen kreisen soll, wenn man mich einfach irgendwo aussetzt, darf man sich darüber auch nicht beschweren, vielleicht holt man mich dann gefälligst mal vom Flieger ab, tz.

    • Diese Frage stellt sich nicht, weil isie programmiert sind auf einige Seiten, dort kann der größte Unsinn stehen, sie geben diesem Unsinn in jeden Fall recht. Ich weiß, sie tun ein wenig so, als wären sie etwas besonderes, so will ein jeder sein, aber sie sind natürlich dieselbe gewöhnliche wie alle und genau das mag ich an ihnen

    • Nun lassen Sie schon….

      Heimkehr

      Es waren nur mehr ein paar Tage bis zum Heiligen Abend und ich fuhr mit dem Zug zu meinen Eltern aufs Land. Im voll besetzten Abteil saß auch ein junger Mann, dem offenbar etwas Schweres auf dem Herzen lastete. Schließlich rückte er damit heraus.

      Er sei ein entlassener Häftling und befinde sich auf dem Weg zu seiner Familie. In einem Brief hatte er seinen Angehörigen Folgendes vorgeschlagen: Sie sollten ihm ein Zeichen geben, an dem er, wenn der Zug an dem kleinen Haus kurz vor der Stadt vorbeifuhr, erkennen könne, wie sie zu ihm stünden. Hatte seine Familie ihm verziehen, so sollte sie ein weißes Band an die große Tanne vor ihrem Haus an der Zugstrecke binden. Wenn ihn aber seine Angehörigen nicht wieder daheim haben wollten, sollten sie gar nichts tun. Er werde dann im Zug bleiben und weiterfahren, weit weg, damit sie ihn nicht mehr sehen müssten.

      Als sich der Zug seiner Heimatstadt näherte, wurde seine innere Unruhe so groß, dass er es nicht über sich brachte, aus dem Fenster zu schauen. Ein anderer Fahrgast tauschte den Platz mit ihm und versprach, auf die Tanne zu achten.

      Gleich darauf legte er dem ehemaligen Häftling die Hand auf den Arm. “Da ist sie”, flüsterte er. Tränen traten ihm in die Augen. “Es ist alles in Ordnung. Der ganze Baum ist voller weißer Bänder.”

    • Da haben sie ja quasi komplett gecheckt, was läuft, aber ich wurde noch nie vom Flieger abgeholt in Berlin, so sehr mögen Sie mich eben doch nicht fürs nicht besonders sein, also, wenn sie mal ehrlich sind, so ein mögen, wenn das mit Aufwand verbunden ist, ist ja auch schnell mal lästig und das, könnt ich fast in Universum brüllen, mögen gerade Sie überhaupt nicht.

    • Ich frag mich, der Bursche, der immer wieder den Pawlow in mir weckt, sollte der nicht seine Strategie mal wechseln, sonst kriegt er doch eine sehr einseitige Sicht vom Hund, aber genau so will er es wohl, sonst tät er sich vielleicht mal was Nettes überlegen.

    • @sowieso (falls sie es schrieb). Wenn Sie mir bei der nächsten Ankunft bescheidgeben, werde ich da sein. Einfach so, gerne, und weil es mir gefällt. Ich kann Ankünfte aber nicht vorhersehen, sonst wäre ich auch ohne einen Bescheid da.
      Comprende? (Ich kann die Sie-Form nicht auf Spanisch.)

    • eine besorgnis, welche sich tief in frühkindliche erlebnis- und ereignisbereiche hinunter geschlängelt hatte, durchwirkte meine – von anderen oft als äusserst edel beschriebenen – gesichtszüge, so dass diese plötzlich – trotz meines fortgeschrittenen alters – im spiegel mir wohlgefällig zart und äusserst glatt vorkamen.
      was dies hervorgerufen hatte ist mir allerdings schon entfallen, vielleicht altersbedingt, vielleicht aber auch durch softe drogen hervorgerufen oder aber fühlte ich mich bedroht als ein jederzeit aussperrbarer anonymer und unregistrierter gast in weblogs.
      ich weiss es in der tat nicht.

    • Ui, ich hab schon Geburtstage fast punktgenau annonciert, vergeblich wie beiläufig Ankünfte in TXL in anderer Leuz Postkasten getackert, nüscht, nada, nicht mal popelige best wishes, das hätte mir doch von Anfang an eigentlich voll was zu denken geben sollen, und wenn ich auch nur Spanisch versteh, wo ich doch nur gebrochen Portugiesisch sprech, ich nehm Sie beim Wort und ich glaub sogar, dass Sie das gerne machen und ich danke dem lieben Gott für jeden Menschen, der auch mal was gerne macht und Ihnen auch.
      (Düt iss kurz vor Verbitterung, ich sach Sie das, aber, mit Recht, jetzt muss wirklich mal was passieren, sonst bleibt das Licht eben aus. Auch wenns nur die halbe Wahrheit und auch voll ungerecht ist, aber ich muss das gerade so sehen, ich hab nämlich auch das Recht es so zu sehen, denn schließlich gings mir schlecht, nee, geht, ja, eben, da sind mal anderer gefragt, also, die, die einen Freundin nennen, uff jeden, würd ich mal glattweg behaupten, so geht das nämlich mit Freundschaft, kann man in jedem ordentlich Freundschaftshandbuch nachlesen.)
      Ein fortgeschrittenes Alter ist, wenn man doch lieber nix macht, daran erkennt man eigentlich ein fortgeschrittenes Alter. Und jetzt genug geschimpft und ausgekotzt, es meint hier ja keinen einzigen.

    • herr herbst selbstverständlich schreitet das alter womöglich ( wie pikierend ! ) vielleicht schon von 11 nach 11 monate vor 12.
      hmmm, überaus ominös, das, für mich.
      was weiss denn ich.

  5. Liebe Phyllis, wenn man nur vorausahnen könnte, womit man Ihren Sack Flöhe hier auf dem Blog aufschnürt. Sie tun mir herzlich leid. Ich glaube, ich werde in Zukunft eher darauf verzichten, anonym zu kommentieren. Ja, ich würde sogar so weit gehen, mich an wallhalladadas Vorschlag/Empfehlung/Überlegung insoweit anzuhängen, als eine – evtl. vorübergehende – Abschaltung der Kommentarerlaubnis für Gäste den Flöhen hier den Spass am dümmlichen Piesacken verderben könnte. Sie verschafften sich so auch wieder die Möglichkeit, Ihr Atelier mit Menschen zu teilen, die sich über die Kostbarkeit von Zeit und Aufmerksamkeit im Klaren sind, egal welche Einzelmeinung zu aktuellen themen sie vertreten.
    Amen!
    Der Mopsdackel schlägt sich jetzt mal seitwärts in die Büsche.

    • @Mopsdackel Ach, ich ahne das durchaus… ; )

      Ja, warum nicht? Melden Sie sich einfach an. Die einfachste Lösung wäre eh, nur noch registrieren Nutzern Kommentare zu erlauben, aber wer will schon einfache Lösungen…?
      Scherz beiseite.
      Gefällt mir gut, was Sie über die Kostbarkeit von Zeit und Aufmerksamkeit schreiben. Viele von uns haben nämlich gar nicht so viel davon. Jeder Beitrag, den wir hier schreiben, jeder Kommentar auch hält uns von anderen, vielleicht wichtigeren Dingen ab … also sollte sich das irgendwie lohnen, das mit den Weblogs. Im besten Fall fühlt man sich inspiriert. Angefixt. Bekommt vielleicht Lust auf etwas, das einem lange im Kopf herumgespukt hatte, ohne bisher Gestalt anzunehmen. Entwickelt eine Idee, während man verfolgt, wie andere reden. Oder streiten.
      Mir persönlich läge wenig daran, hier im Atelier nur noch Gäste sitzen zu haben, die sich ihre Einigkeit leise und in wohlgesetzer Form immer wieder gegenseitig beteuern…

    • @ Phyllis Aber nein, die einzige von mir als wünschenswert erachtete Einigkeit und Gleichheit wäre ja in diesem Falle eine Bewusstheit über die Kostbarkeit von Lebenszeit. Und zwar als Grundhaltung, die nicht ausschließlich die Kostbarkeit der eigenen Zeit und des eigenen Bemühens im Blick hat.

  6. “Kostbarkeit von Zeit und Aufmerksamkeit” stopp “konsequente Haltung sich selbst gegenüber” stopp bitte zieh mich hier aus, ich bin ein Bra stopp die Welt teilt sich in 3 Lager, nicht nur ganz Gallenstein stopp die Gefickten, die Ungefickten und die, äh, vergessen stopp nein, halt stopp nee, stimmt schon, irgendwie. Als wenn man sich nicht permanent verschwendet, ihr macht ja alle so viel wichtigere Dinge in Dogma, so nenn ich meine nächste Ausstellung: DINGE IN DOGMA. Kostbar und Konsequent, ich mal sie vielleicht auch an, bisschen jedenfalls.

    • Wir zeigen das 2012 in der Sezession in Wien. Die ultimative Liste derer, die immer den Hechtsprung geübt haben, und den ganzen Beckenrandknutscherluschen, mit all dem Neid, den sie wechselseitig immer mal wieder aufeinander haben. Das wird besser als bei Hirschhorn, ich bin mir sicher.

  7. das verzerrt angezeigte wort ist sent. jetzt schon. Ich schlag Ihnen Bilder Ihrer selbst vor, ein Bild ist kein Spiegel, darin erkennen Sie sich alle nicht. Unterschätze nie die Eitelkeit der anderen, wo ist meine, warum hier, warum anonym, die Voyeurin lebt und spricht leise und selten. Meinen Sie ruhig, Sie meinen nicht mich, aber sich auch nicht und sicher sind Sie schon gar nicht. Vorgegebenes, Aufgewärmtes, Schöngeföntes, Fönkopfweh. Das ist ein Deal, erstens, zweitens, wir schweigen lämmerlich dazu. Verschämt Pubertierende schreiben besser als jemand glaubt, lesen „besser als wie man glaubt“, müssen auch das aushalten. Alles ist säglich, als ob wir es nicht besser wüssten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.