TTag, Freitag, 22. Oktober 2010. Moderne Tabus.

“Alles wäre leichter, wenn wir einfach zugeben dürften, dass es nie aufhört, schwer zu sein.”

11:40
Sprachs, und

15:02
Parfümöl erworben. Sie werden sicher verstehen, warum:

18:24
Das Parfüm, Himmel hilf, macht alle Flugsauger verrückt, sie kommen von nah und fern.
In mir keimt der Verdacht, “Do it!” bezieht sich nicht auf das, woran ich zuerst dachte, sondern auf das, woran ich jetzt denke. Um’s mal präzise zu sagen.

00:10
Zweitletzte Nacht in K****. Nein, sagen Sie jetzt nichts.

38 Gedanken zu „TTag, Freitag, 22. Oktober 2010. Moderne Tabus.

  1. Ich gestehe! Dass ich schwierig bin und schwer (von Begriff) und es mir schwer mache, vor allem aber den anderen und dass es nie aufhört!—
    Wow: jetzt fühle ich mich leichter (3 Kilo?). Das lege ich aber im Laufe des Tages locker wieder zu.;-)

    • Gut gemacht! Ich würde Ihnen ja sofort (und begründet) widersprechen – hab’ aber großen Respekt vor der Diskrepanz zwischen Selbst- und Außenwahrnehmung und halt’ deswegen die Klappe. ; )

    • Sie überraschen mich, kannte ich Sie bisher doch als Strickohreule, Frau Wie. Interessant. Da tut sich ja einiges : )
      Ihr heutiges Bekenntnis wird mit sofortiger Wirkung in die neue (noch einzurichtende) Rubrik “short but sharp” aufgenommen.

    • Um es knapp auszudrücken: Nach längerem Überlegen und Erwägen, nicht ohne die Vor- und Nachteile einer Zustimmung bzw. Ablehnung ausreichend beleuchtet, und mir die jeweiligen möglichen Folgen durchdringend bewusst gemacht zu haben, sehe ich mich nun in der Lage, Ihre Frage wie folgt zu beantworten:

      “Is gebongt”

    • das schwere ist stets eine zusammenfügung aus leichten ( simplen ) (einzel)teilen.

      ( je grösser die komplexität des zusammengefügten ist, desto erschwerender wirkt es sich auf den betrachter aus, das jeweils leichte der struktur im detail erkennen zu dürfen. )

      synchrorealtimereport III
      das schwere neigt dazu sich in die länge zu ziehen.
      irgendwann hängt es durch, das schwere.
      vielleicht will es einen in die tiefe ziehen, und da ist dennoch nur oberflächlichkeit.

    • flott assoziert ( ohne gewähr auf richtigkeit ) “uns” frauen würde ich mal tippen.
      nun, eine oberflächlichkeit würde ich euch ( frauen ) ja nicht generell unterstellt haben wollen !
      man braucht halt nur genauer hinzuschauen und schon löst sich alles in oberflächkeiten auf, selbst wenn von maximaler tiefe ( hier schwere ) geredet ist.

      schwer wird es vor allem, wenn man alles mit einem einzelnen ( und damit oberflächlichen ) blick erfassen will.

      @ lady angela
      … “dem ursprung nahe zu kommen ” heisst für mich hier, … um seine komplexität zu offenbaren. ( im absoluten ursprung bzw. in den absoluten ursprüngen seiner nicht weiter zerbrechbaren existenz )

      hier ( lobster’s sphere, synchrorealtimereport IV ) ist kein raster-krafft mikroskop ( z.b. )

    • und außerdem: Es war ja erst mal gar nicht von Schwere die Rede, sondern davon, dass man sich es schwer macht und es schwierig bleibt mit sich und Umwelt umzugehen: meinethalben auch mit der Oberflächlichkeit. Wobei ich den Gegensatz eigentlich dumm finde. Die Oberfläche und das Innere stehen immer in Beziehung zueinander. Es ist gerade eine Fehler westlicher Intellektualität zu denken, aufs “Äußere” käme es nicht an.

    • “das schwere neigt dazu sich in die länge zu ziehen.
      irgendwann hängt es durch, das schwere.
      vielleicht will es einen in die tiefe ziehen, und da ist dennoch nur oberflächlichkeit.”

      Sie haben es auf den Punkt getroffen.

      Vielen Dank!

  2. Ich meinte die Leser:innen mit meinem “wir”, Lobster, ich meinte uns alle. Wenn ich Frauen meine, schreib’ ich Frauen.
    Und, nein, ich glaube nicht, dass sich alles uns Schwere bei genauem Hinblicken in Oberflächlichkeit löst, als sei dies die Ursprungssubstanz, die alle anderen zersetzt. Ist mir zu diffus, die Aussage. Oder abstrakt bleibend, wenn Ihnen das lieber ist –

  3. wieso zersetzt ? konstituiert würde ich sagen.

    ich hatte gestern auf einem schweren törn mit ännie ein ähnliches gesprächsthema.
    “gibt es überhaupt noch einen künstler den du bewunderst, lobster ?” frug sie mich.
    ich sagte – “es ist im grunde nur noch ein einziger, den ich gelegentlich bewundern darf ( bei dem meine bewunderung deutlich mir selbst bewusst heraussticht )
    ich bewundere sein bescheidenes auftreten ( verquickt mit seinem überragenden können )
    können alleine macht es für mich noch nicht.”
    &
    “je höher man die fähigkeiten anderer über sich ( hinaus ) stellt, desto schwieriger wird es, diese fähigkeiten selbst zu erreichen.”
    mit dieser these schloss (s)ich das gespräch vorerst trotz heftiger verbaler gegenwehr ännies und knallte mich völlig stoned auf die mätress.
    ( wäre wohl auch nur statistisch zu verifizieren )
    ich werde diese sessions mit ännie wohl zukünftlich auf das wesentliche reduzieren, das heisst möglichst ausschliesslich auf die inhalationsebene hochkurbeln, das beschloss ich gerade.
    jedem sein persönliches verhältnis zur welt, man wird mich nicht mehr in erstarrende bewunderungsmodi zurückbewegen können, insofern ich je überhaupt dazu neigte.

    ( synchrorealtimereport V )

    p.s. – sie meinen oben sowieso eher eine erleichternde akzeptanz, ich driftete ab,
    sorry.

    • die antithese wäre es z.b. zu sagen :
      gerade das spezialistentum sorgt für wettkampfbedingungen in der kunst und damit für optimierungsprozesse.
      naja – das lässt sich so schnell nicht entkräften, allerdings kann ich das als rezipient noch nicht in der kunst erkennen, vielleicht fehlt mir der dazu nötige einblick.
      allerdings erzeugen alleine schon die vielen vielen möglichkeiten auch nur einen einzigen akkord in der musik klingen lassen zu können komplexion ( über individuelle gefühlskonfigurationen, welche auch interpretation meinen oder so )

    • Bestraft, das ist es ja, wird man nicht. Nicht für das, was jemand im Rahmen des Nichtkriminellen will oder tut. Trotzdem scheint es sträflich schwer, über das hinauszudenken, was bereits existiert – beispiellos zu denken.

    • “Das Hinabsteigen in die Tiefe macht zum Spezialisten” möchte ich in das Bild des eigenen schaurigen Kellers übersetzen, in dem ich mich zu verlieren fürchte. Wer sich hinabzusteigen traut, wird zum Spezialisten für sich selbst und damit für das Menschsein an sich, meine ich. Kunst entsteht übrigens nach meinem Empfinden nur in halbwegs erforschten Kellern und trägt, einmal sichtbar gemacht, die Einladung in sich: “FOLLOW ME!”. Solche Kunst entzieht sich jeder Maßstäblichkeit. Wer der Einladung folgen kann, steigt damit in seinen eigenen Keller und erlebt dort möglicherweise Überraschungen.
      Die Verdränger aber kämpfen. Der Wettkampf, jedoch nicht bloß auf Kunst bezogen, besteht nach meiner Lesart darin, die eigene Schwäche länger verheimlichen zu können, als alle anderen. Die bevorzugte Kampftechnik: (Ab)Wertung.

    • ich würde fast ihre schaurige version stehengelassen haben, hätte ich explizit von keller(n) geredet.
      also mein bild lässt sich sicherlich noch in die höhe stürzen und meint aber sicherlich
      dann individuelle tiefen ( wenn man will eben auch höhen ) die eine gwisse einsamkeit beim schaffen repräsentieren, man wird zum spezialisten für seine spezielle sache, insofern man diese unter anderen für andere dann wieder spezialisierbaren sachen erkennen darf.
      für die menschheit hat das für meine begriffe eben nur die konsquenz, dass ich als spezialist ihr ( neben anderen spezialisten ) etwas zu geben habe, insofern sie empfangsfreudig darauf reagiert.
      ( in teilen höchstwahrscheinlich, nicht als ganze menschheit )
      kunst ist stets versuch und ohne das versuchen gewinnt man auch keine erkenntnisse, welche wiederum spezialisten hervorbringen, oder nicht ?
      hm.
      das abwertende aus der kunst zu bekommen und gar zu einem aufwerten zu gelangen, das ist ein wirklich hehres ziel in der kunst.
      also das ziel ist es meist woran mein weltbürger sein wollendes ich ziemlich schnell seine grenzen erfährt, naja es bleibt die art der weise wie man sich herabbeugt, hat man vielleicht tatsächlich eine wi auch immer zustandengekommene teilhöhe ( plateau ) erreicht ( konstruiert, meinetwegen improvisiert – intuitiv erreicht )

      oh je, hört sich wohl jetzt hochtrabend an oder gar stussig, wills grad nicht wissen
      und poste das dann so.

    • Flatterplage Über ein Blatt mit Gedichten
      Frisch aus der Schreibmaschine
      läuft ein Insekt
      Ich weiß nicht, ob es mir Spaß gemacht hätte
      Aber das weiß ich genau ich hätte es umgebracht
      vor zehn Jahren ohne
      Zögern Was ist anders geworden
      Ich oder die Welt

      (Heiner Müller, Ende der Handschrift)

      Soviel zur Melancholie, Lobster..

    • Ahoi. Und bleiben sie weg von flachen Gewässern.
      Ihnen auch einen lieben Abend.

      (Ich kenn’ keinen einzigen Menschen außer Ihnen, der diesen Ausdruck verwendet. Wollte es auch mal ausprobieren : )

  4. Stolz oder Angst? Das erinnert mich an:
    “Mit gemeinsamer Kraft könnten wir über uns hinauswachsen.
    Doch wir sind nur damit beschäftigt, stärker zu sein als der andere.”

    (aufgelesen bei Muschel)

    Was hindert uns?

    • vielleicht dass man beim hinabsteigen in die tiefe zum spezialisten wird, hans.
      man beraubt sich dabei einer illusion von universalität zugunsten anderer spezialisten, was für manche vielleicht als eine art bestrafung empfunden wird.
      man kommt eben dann auch nicht mehr an alle ( auch sexualpartner:innen womöglich ) ran. 🙂
      der ausbruch aus omnipotenzfantasien erst ermöglicht dem menschen die wahren einblicke in die komplexität der unendlichen details.
      da gibt es nichts stärkeres mehr sondern nur noch anderes.
      ( verhindert das – als letzte konsequenz – eine selektion über idole oder wird alles
      zu ästhetik ? )
      leistung nach schablone oder auf wettkampfbasis ala sport ist etwas für die bedauernswerten zeitgenoss:innen, finde ich.
      versucht man wettkämpferisches der kunst hochzureichen und als ihr letztes plateau zu etablieren, unternimmt man man den versuch, die kunst zu eichbaren massstäblichkeiten hinunterzudefinieren.

      naja – das letzte wort ist damit wohl hier noch nicht gesprochen.

    • verlangt doch niemand, über ( womöglich handelsübliche ) utopien oder visionen hinauszudenken.
      ich denke man fällt dabei sowieso wieder in die teilekisten ( oder materialien ) zurück aus deren inhalt(lichkeit) man neue montagen ( und seis auch nur als entwürfe ) kreiert und dann eben durchaus als spezialist ( andrs geht das doch wohl gar nicht mehr bei all der komplexion, sag ich mal )
      “beispiellos denken” – ist das möglich ?
      also wenn das heissen soll “ohne plan oder aufgabenstellung”, imgrunde als “kopfloses tun” wird es halt nicht als dauerzustand dem dies tuenden menschen verfügbar sein es sei denn innerhalb eines körperlosen konfabulieren des schizzo.
      ( also auf die guattari/deleuze oder kristeva sachen bin ich jetzt aber nicht eingeschossen, soory, )

    • naja, … angenommen habe, lady phyllis, ich befinde mich soeben in einer art fliegender eile einer zugvogeligen aufbruchsgestimmtheit.
      noch ohne schwarm. 🙂
      vielleicht komm ich später zu der ( fehlenden ) distanz zurück.

    • an ihnen sollte man nur das schwärmen üben wollen, lady phyllis, insofern man sich zum schwärmer berufen fühlt ( ich tue das nicht )

      da gibt es von nietzsche so ein schönes bild vom edlen schwärmer, der die frau von weitem als ein stolzes schiff wahrnimmt und nietzsche berichtet dann :
      du edler schwärmer, vergiss nicht die hässlichen geräusche, die sich selbst bei dem stolzesten schiff nicht vermeiden lassen oder so.
      also so hatte ich mir das gemerkt und dementsprechend immer meine auswahl getroffen unter nicht unbedingt stolzen schiffen.
      muss jetzt aber mal den nun fast schon bröseligen abflug machen.

    • der alte trickser-fuchs, der alte, dazu mit seinem dritten ohr, dass sie mir das normativ jetzt stecken !

      tja wenn schiffe laufen lernen müssen, lady phyllis, dann muss am ende mächtig was zu entnehmen sein.

      diese melancholie, und dieses duftöl ist wohl gegen diese flatterkackerplage, was ?

    • tja was sagen sie – gedichte frisch aus der schreibmaschine, wie selbstbewusst schon damals jemand sein durfte als benutzer von technischen geräten.
      dabei an eine art undefloriertheit zu denken, fällt mir grad im traum nicht ein, lady phyllis.
      verbinde ich eh nicht mit melancholie, die erfahrene frau, ausser ihrer eigenen, soweit abgeladen.

      meine bezog sich ja eher auf virtuelle strandpiratentechnik, aber ich fass da nicht mehr nach.

      einen lieben abend !
      wünscht ihnen lobster, der eh bald wieder schwer am rollen sein wird wie ein schiff

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