TTag, 18. September 2010. Drei Gespräche.

Welch schöne Woche. Man darf ja eigentlich nicht: unter den eigenen Ansprüchen bleiben. Nur im Grippewahn ist alles erlaubt, auch das neben sich stehen. Das Brett vorm Kopf. Eine Auszeit.
Gestern eine Vertraute: kann ich demnächst mal ins Atelier kommen? Ich möchte eine der neuen Zeichnungen haben. Ich: nein, Dir verkauf’ ich keine. Sie: ich hatte mir das so gedacht: im Austausch für die Zeichnung bekommst Du eine Woche an einem Strand Deiner Wahl.
„Urlaub?“ (Ich.)
Sie: nein. Menschen wie Du machen keinen Urlaub, sie nehmen eine Auszeit.

Ein anderes Gespräch.
Man liest Ihre Texte lieber als meine, schreibt er. Das einfache an ihnen. Das private.
Stimmt nicht, schreibe ich zurück, Sie haben mehr Leser als ich, sie kommentieren bei Ihnen nur nicht unbefangen, die Hemmschwelle ist höher. Man will sich nicht angreifbar machen. Bei mir auf TT stellt sich die Frage erst gar nicht.
Er: … ?
Je virtuoser der Text, desto größer die Hemmung, affektiv zu reagieren, schreibe ich. Ich repräsentiere nicht. Meine Aussagen zielen nicht auf Allgemeingültigkeit ab; das macht die Aneignung leichter. Mit dem, was ich zeige, können sich viele identifizieren. An Ihnen arbeitet man sich eher ab.
Er: Stimmt.

Eine dritte Stimme:
„In meinem Alter zieht man sich nicht mehr aus. Man legt ab.“
Das ist die mit dem meisten Humor.

15:29
rring:
“Soll ich ihn ausschneiden und rahmen?”
“Was denn??”
“Den Artikel, der heute über Dich in der FAZ steht. Frankfurter Gesichter.”
“Wie ist er denn? Lies vor, lies vor!!”

13 Gedanken zu „TTag, 18. September 2010. Drei Gespräche.

  1. @ausziehen vs. ablegen Die Unterschiede in der Verwendung hängen vielleicht auch noch von der Sprecherperspektive ab.
    “Wollen Sie nicht ablegen?” aus dem Mund eines Gegenübers (sagen wir mal:) ‘klingt’ doch irgendwie anders als “Wollen Sie sich nicht ausziehen?” 🙂

    • Diese Formulierungen regen wirklich zum Nachdenken an. Besonders (selbst-)reflexiv gebraucht:
      sich ausziehen – sich ablegen (da sind es plötzlich gar keine Synonyme mehr)

      Oder: im Passiv verwendet.
      sich ausziehen lassen (kann viel Spaß machen)
      sich ablegen lassen (klingt nicht so gut, aber nur, wenn man es metaphorisch versteht; wörtlich genommen dagegen ist es für eine wie mich, die gern hoch gehoben wird, interessant: Irgendwie muss man ja wieder runter kommen :-). Es eröffnet Möglichkeiten der Differenzierung: Manche dürfen einen abstellen, wenige absetzen und ganz exklusiv ist das Ablegen.)

      Danke für die Anregung.

    • 2 alternativen

      die biker version

      – aus der wäsche springen –

      “springen sie bitte mal aus der wäsche, biker”

      biker springt aus wäsche

      die taucher version

      ” würden sie sich bitte enthüllen, frau froschmann ”

    • @melusine Sie lassen sich gerne hochheben? (Wie leicht Sie sein müssen, dies mit solcher Selbstverständlichkeit hinschreiben zu können : )
      Aber wie weit der psychologische Raum ist, der sich hinter so einer Randbemerkung auftut. Lohnt sich, darüber noch einmal gesondert zu schreiben.

    • ich kann mir das alles ehrlich gesagt selbst nicht erklären, sogesehen könnten in der tat sie mir womöglich aufklärerisch unter die arme greifen, ich leg meine arme grad mal auf die tischplatte.

      gut.

      der schritt weiter bereitet mir etwas kopfzerbrechen.

      ” beim vorspielen sich schon mal auf ein mögliches nachspiel einstimmen “

      vs

      ” sich im vorspielen deutlich auf ein nachspiel zubewegen “

      nun gut, dieses auf die frage nach intensität verweisende – noch etwas kopflastige – entscheidungsdilemma bezieht sich wohl mehr auf melusines konkretion ( “ausgezogen werden …” ) und gehört somit wahrscheinlich kaum zu ihrer ausgangsbemerkung hinsichtlich alterungsprozessualität und derer folgen.

      ein wenig tattrig grad

    • So tattrig sind Sie heute, werter lobster, dass mein Versuch, Ihren Ausführungen zu folgen, mich selbst grad’ etwas tattrig macht.
      Das ist unersprießlich.
      In Sachen Aufklärung heute selbst etwas schwach auf der Brust, nehme ich von weiteren Versuchen Abstand und harre verständlicherer Beiträge von Ihrer Seite ; )

    • die tattrigkeit zwingt mich augenblicklich ziemlich gnadenlos dazu, schnurstracks – später lasizivität antäuschend – in’s kopfkissen zu lauschen.

      bitte um verzeihung ob der sogwirkung.

  2. Liebe Phyllis, schöner Text in der FAZ! Habe ich mich sehr drüber gefreut. Bin heute ein wenig kränklich (Ansteckung übers Netz???), komme grade aus dem Erholungsschlaf. Wg. “Hochheben” – ja, ich mag das gern, so ein wenig durch die Luft gewirbelt zu werden (nicht von jedem natürlich!). (So eine Mischung aus kindlichem Kampfspiel und Romantik oder so…ach, ich bin zu groggy, um mich jetzt selbst zu analysieren.) Herzliche Grüße und noch Mal: Glückwunsch zum FAZ-Artikel!

    • @melusine (yippiee, ich dachte schon, niemand sagt was dazu : )

      Gute Besserung!
      Hab’ mich tatsächlich auch kurz gefragt (nachdem ich bei Ihnen drüben die Krankmeldung las) ob meine Grippeviren ungeahnte Fähigkeiten besitzen.

      Brauchen Sie ein Attest? Ich hab’ das gerade in eigener Sache geübt: könnte Íhnen aus dem Stand ne Krankmeldung schreiben, wenn nötig.

    • Hätt’ gern was beigetragen dazu und hab’ mir die Zeitung hier besorgt, leider vergeblich. Steht denn der Artikel in einer speziellen “Frankfurt-Beilage”? Oder sehe ich mit meiner tränenden Nase schon so schlecht? Ungeachtet dessen schließe ich mich vertrauensvoll Melusines wissenden Glückwunsch an!

    • @Hans1962 Ist die Frankfurter Ausgabe. Ich hab versucht, auf den Artikel zu verlinken, aber die FAZ online reißt manche Artikel nur an, der gesamte Beitrag ist dann nur über eine Gebühr oder für Abonnenten abrufbar.
      Ich scanne ihn in den nächsten Tagen und stelle ihn online : )

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