TTag, 11. August 2010. Fragil.

Ich hab’ wirklich nicht die leiseste Ahnung, wohin die Tage fliegen – war’s nicht eben noch Juli? War ich nicht eben noch in K****?
Ich hab’ vorhin drüben bei den Gleisbauarbeiten einen Persönlichkeitstest gemacht. Raten Sie mal, mit welchem der vier Grundtypen ich die größte Übereinstimmung habe? Der Melancholie. Und kaum ist der Test gemacht, spüre ich, wie der große Rabe auf meinen Schultern seine Schwingen ausbreitet.
Probieren Sie es mal aus: kaum haben Sie die Testergebnisse, wird es auch schon … fast … wahr. So wirken Bezeichnungen, wenn man durchlässig für so etwas ist.
Vor längerer Zeit sagte ich mal zu einem englischen Geliebten: “You are very fragile.”
Nun muss dazu gesagt werden, der Mann hat Statur und Auftreten und ist alles andere als fragil, im Gegenteil: er ist autoritär, hat eine Menge Einfluss und Kleidergröße, keine Ahnung, auf jeden Fall heftig. Doch das Wort hat ihn fasziniert; er trug es tagelang mit sich herum. “I’m very fragile”, sagte er immer wieder. Nicht als Botschaft, sondern dem Klang nachlauschend. Es war ein Wort für ihn, als würde er in einen unsichtbaren Kaschmirpulli schlüpfen.

16:35
Hab’s runtergenommen. Das neue Foto aus der “Einmal geübt” – Serie. Sie können sich sicher denken warum. Bilder aus diesem Themenfeld sind riskant im Web, und ich balanciere da eh immer haarscharf an einer Grenze. Überlege sogar, ob ich die Serie nicht ganz runternehmen soll. Sie war als humorvolle erotische Provokation angelegt. Frech. Auch mal krass. Aber spielerisch in der Frage der Selbstwahrnehmung. Nun weiß man aber nie, wohin so eine Serie sich entwickelt; ich will mir da auch keine Beschränkungen auferlegen. Ob Tainted Talents dann aber weiterhin der Rahmen für deren Veröffentlichung ist? Werde nochmal gesondert darüber schreiben.

Würde mich auch interessieren, was Sie dazu denken.

35 Gedanken zu „TTag, 11. August 2010. Fragil.

  1. “Sie können sich denken, warum….” Ja und nein. Kriegen Sie ekelhafte emails, doofe Kommentare (ich habe in den letzten Stunden gearbeitet, also “brot-“gearbeitet und nicht geschaut)? Was für welche? Ich frage das jetzt nicht aus Voyeurismus, sondern weil ich wirklich konkret wissen will, was da abläuft. Ich bin bei meiner Arbeit relativ häufig mit “krassen” Sprüchen konfrontiert. Vielleicht ist es leichter – oder auch anders – darauf “face to face” zu reagieren. Einerseits … andererseits….müssten “wir” nicht eine Möglichkeit finden, hier “Antworten” (passend für dieses Medium) zu finden, statt mit Selbstzensur zu reagieren? Liebe Phyllis, ich bewundere Ihre Mut in dieser Hinsicht schon lange. Ich bin selbst viel gehemmter. Und ich weiß auch, wie nervig, zeitraubend, kraftzehrend so ein Abwehrkampf sein kann. Dennoch: Meine Unterstützung hätten Sie – um eine Strategie auszuhecken und sie durchzusetzen! Ich möchte nicht gern auf diese tolle Serie verzichten! Lassen Sie uns Kriegsrat halten!

    Herzliche Grüße
    Melusine

    • @ Melusine Nein, um das gleich zu sagen, keine ekelhaften mails. Darum geht’s nicht: es ist eher so, dass meine Freunde mich warnen. Ziemlich massiv sogar. Vor Durchgeknallten, die meine Adresse rauskriegen und mir auf der Straße auflauern könnten. Tja. Kann passieren. Kann aber sowieso passieren. Wie vorsichtig muss man sein?
      Ich mag auch keine Selbstzensur. Wenn ich damit anfange, bin ich keine Künstlerin mehr.
      Ihr Angebot kommt wie gerufen, liebe Melusine, ja, lassen Sie uns Rat halten. Kriegsrat muss es keiner werden, glücklicherweise! Melde mich wieder.

  2. ich habe keine ahnung, wieso bilder aus diesem themenfeld riskant im web sind.
    haben sie angst davor, gestalkt zu werden ?
    oder angst davor, im berufsleben dadurch auf mobbing oder eine art benachteiligt-werden zu stossen ?
    die bilder sind doch bislang durchwegs dezent.
    was mich jetzt gerade interessiert ( es fällt mir soeben ein ) wäre, wie die fotografien grossformatig “kämen” ( naja wirkten ) – also so halt ab 1 m2 aufwärts.
    wenn das gut käme, wären die bilder in der tat eher was für eine ausstellung als für ein reines blog-veröffentlichen.
    ich muss dazu sagen, dass ich kleinformatige bilder nicht mag – genauso wie ich kleine räume oder kleine geister nicht mag, z.b.
    sorry werd schon wieder ulkig –
    also die frage war ja, wieso hier ihres erachtens etwas risikoreiches im spiel wäre – anbetracht ja der nett vorhandenen dezenz.

    • Mein Berufsleben ist so gebaut, dass ich auch in der Lohnarbeit als Künstlerin wahrgenommen werde: ich hätte da nie den Impuls, Teile meiner Produktion und Persönlichkeit zu verbergen.

      Muss gerade etwas anderes zu Ende schreiben. Später mehr.

    • @lobsiemaus Ich hab’ keine Angst davor, gestalkt zu werden. Jedenfalls nicht ausgelöst von etwas, das ich hier auf TT publiziere. Da ist für mein Empfinden jede dunkle Straße gefährlicher.
      Nein, es war einfach so, dass mich heute eine sehr gute Freundin anrief und sagte, dieses spezielle Bild geht zu weit, es ist gut, aber die gespreizten Beine, Du hast da nur noch dieses Spielzeug-Ding zwischen Dir und dem Betrachter. Du weißt nicht, was für Leute da alles drauf abfahren, und wie, Du kannst das nicht kontrollieren. Sei vorsichtiger.
      Okay, dachte ich, ich nehm’s erstmal runter und denke darüber nach. Kann auch gut sein, dass ich’s wieder einstelle. Ich finde die Serie wichtig.

    • Vorläufiger Beitrag zur Ikonographie von “Einmal geübt, schon gekonnt” 😉 Ich verstehe die Freundin: “Du hast da nur noch dieses Spielzeug-Ding zwischen Dir und dem Betrachter.” (Den 2. Teil dagegen nicht: Kontrollieren kann man Wirkung eh nicht. Die Leute legen sich alles aus, wie sie´s wollen.) Aber es stimmt nicht. Auch der erste Teil nicht. Denn es ist das BILD, nicht Sie, mit dem der Betrachter “kommuniziert”. Ein Bild. Von Ihnen. Darin liegt ein Problem. Der ganzen Reihe. Aber ein spannendes. Künstlerisch spannendes. Sind das “Selbstporträts”? Meine Deutung läuft dem zuwider: Ich sehe es eher so, dass Sie sich selbst als Modell “nutzen”. Auch dafür gibt es in der Kunstgeschichte Vorbilder: “Rembrandt als…” Mancher stellte sich selbst im Hintergrund einer Historienszene dar. Sie setzen sich (oder Körperteile von sich) in Bildkompositionen ein. So “gelesen” sind das keine Selbstinszenierungen. Ich habe hier auch selten einen Beitrag gelesen, der die Fotos so versteht. (Obgleich es gelegentlich vorkam.) In der Tat ist der Betrachter ja in seiner Deutung frei. Dennoch glaube ich, dass Ihre Darstellungsform nichts mit Selbstporträts zu tun hat. Aber mit diesem Missverständnis (oder dessen Möglichkeit) im Kontext des Blogs spielt. Und das ist interessant. —Betrachtet man die Bilder einzeln oder als Serie oder als Teil des Blogs?

      Langer Rede kurzer Sinn: Machen Sie mit der Serie weiter. Unbedingt.

    • @melusine Danke. Für Ihren Blick, die Ermutigung, aber auch die kontextuelle Einordnung. Ich hab’ das zu Beginn der Serie vergleichbar formuliert, freue mich aber sehr, dass es diesmal von Ihnen kommt. Werde die Tage versuchen, nochmal neu darüber zu schreiben.
      Dass ich die Serie weitermache, steht außer Frage! Titel und “Material” schaffen ein Terrain, mit dem ich noch lang’ nicht fertig bin.

    • also lady phyllis – ich wollte damit sicherlich nicht zum ausdruck gebracht haben dass mich interakive bloggeschehnisse dazu veranlasst haben, dezenz mit kleingeistigkeit gleichsetzt haben zu wollen.
      obwohl ja an der frage durchaus etwas dran sein könnte.
      ( ich glaube, ja genau, an die tatsache, dass ich gerade nicht genau weiss, ob mich hans nicht soeben auf eine pikante idee brachte, und zwar die idee, genau diese frage eben nicht gestellt zu haben ohne ihm dabei ein kompliment ausgesprochen zu haben – insiderkenntnisse werden zu dieser abgeklärten haltung gegenüber psychopathentum geführt haben )
      eine für mich situativ-momentane im positiven sinn geradezu niederschmetternde erkenntnis, irgendwie.

  3. Liebe Phyllis! Ich fand dieses Bild heute sehr toll, aber es war tatsächlich so, daß ich ein wenig zusammenzuckte, weil es schon sehr nahe an einer Grenze war, wo es vielleicht missverstanden werden könnte, vor allem, wenn man es aus dem Rahmen der wunderbaren Geübt-Gekonnt-Reihe rausnehmen würde. Es passt wunderbar dazu, finde ich , ausserdem hat es mich ganz persönlich sehr positiv aufgeregt, und das, obwohl man nichts wirklich “sieht” , sich aber alles vorstellen kann. Ich fand auch diesen Farbkontrast und überhaupt dieses bunte Dingsda in ihrer Faust sehr vielschichtig und spannend. Nun bin ich keine Künstlerin, sondern nur Ihr angetanes Publikum, aber gerade deßhalb wollte ich Ihnen auch meine Stimme dazu geben. So praktisch aus dem Volk. 😉
    Herzliche Grüsse von Momoseven

    • @momoseven, ff Ihre Reaktion hat mir viel bedeutet gestern. “Ich bin zwar keine Künstlerin”, schreiben Sie – ja mei, umso besser! : ) Ich hab’ ja keine Kollegen gefragt, sondern die Gäste dieses Weblogs.
      Was Sie zu diesem speziellen Foto schreiben, die Ambivalenz – das war genau, wie es mir auch ging, als ich es mir ausdachte und realisierte. Deswegen fand ich’s spannend, inhaltlich, farblich, aber vor allem wegen dieser vermaledeiten Faust. Das Ding ist ja – für mich – kein bißchen aufreizend. Eher wie ein Traum, von dem man nicht weiß, obs ein angenehmer oder ein Alp ist.
      Und Sie haben völlig recht, finde ich: das Bild ist innerhalb der Reihe absolut schlüssig. Was passiert, wenn man es aus dem Kontext nähme, fragen Sie sich … hm … solche Überlegungen sind immer tückisch, weil man im Netz nie verhindern kann, das so etwas passiert. In der Beziehung ist die Arbeit mit Galeristen klarer: ein solches Foto wäre dann professionell gerahmt oder aufgezogen.
      Anyway – danke nochmal für Ihre Zeilen.

  4. Darf ich auf einen ganz bestimmten Aspekt aufmerksam machen?
    Als Sie, liebe Phyllis, das Bild einstellten mit eben jenem Untertitel, verhielt sich Ihr inneres “Alarmsystem” ruhig, nicht wahr? Als Sie alarmierte Rückmeldung bekamen, insbesondere von jener Freundin, ging da wirklich IHR Alarm los? Oder war es nicht vielmehr eine Resonanz infolge der Ihnen übermittelten “Angstfrequenzen”? Ihr Alarmsystem schwieg zu Beginn völlig zurecht.

    Bevor Sie wegen des Bildes einen körperlichen Angriff auf Ihre Integrität befürchten müssten, hätten sich zuvor einige Vergewaltigungen an anderen Orten ereignet. Solche Männer funktionieren etwas einfacher, als es Ihre Freundin vermutet (no offense intended). Die projizieren einen Impuls auf die nächste günstig erscheinende “Gelegenheit”. Vorher laden sie (diese Männer) sich jedoch nicht mit Spannung auf, indem sie e i n Bild betrachten. Auf Ihrem Blog.
    Nee. Die “Konkurrenz” ist überwältigend ; )

    Zum Bild selbst ist mir in der ersten Sekunde aufgefallen, dass ich ein Motiv wiedererkenne: die Blume. Insofern wage ich anzunehmen, dass jenes Bild die Weiterentwicklung eines durchgezogenen Gedankens repräsentiert. Der Grad an “Gewagtheit” liegt nach meine Eindruck aber keinen Strich über dem Ihrer anderen Veröffentlichungen. Einzig der “feste” Griff tat mir beinahe körperlich weh. Aber das ist eine andere Geschichte ; )

    • hans an so eine geschichte dachte ich heute auch.
      y streckte mir beim knutschen derart ihre zunge zu meinem gaumen hin, dass ich immer dachte dieses phallische tun ist nichts anderes als körperbeherrschung.
      bewusst eingesetzte strategie eines ordnungsliebenden menschen.
      der harte griff ans geschlecht ( nicht gemächt ) inklusive.
      es gibt keine geschlechterdifferenz, es gibt wohl eher so eine art wiedergeburt.

    • meine schönste knutscherei hatte ich mit der frau die wie ein model aussah, ihren vw käfer
      selbst soweit modifizierte, dass wenigstens ein mensch kauernd aber doch schon fast ausgestreckt darauf platznehmen könnte.
      sie rauchte gerne dope und ihr po war so weich wie daunenfedern obgleich sie kaum was wog.
      sie überlegte immer ob sie paar tausend märker damals vom playboy mitnehmen sollte.
      ihr hund hiess zorro, sie nannte sich gerne zora.
      naja – um das ganze was abzuschwächen, also meinen duktus halt.

    • @scheinanne weil ich mich die ganze zeit mit blogschlampen zu umgeben suche, mache ichg keine musik mehr.
      akzeptiert.
      so als these.

    • naja ich bin halt der guterzogene der immer kann, das monster.
      die etiketten steuern versucht ist, diese kleine blättchen der im pertinenz, diese verwegenen bläschen auf den ristchen, auf den höhen.
      genau der der hat ausgespielt, für die näxte spielzeit, miss scheinane

    • du stehst doch nicht mehr zur verfügung oder, also verfügung frei oder so.
      oder als künstlerin soz
      du bist vielleicht alt geworden und siehst nicht gleich mehr gut aus und da willst du eine art verlorengegangenes schönes dasein überdie raf evozieren wollen ?
      +über tore tote nicht exisrent6 gewesene mischeettikenten

    • hey so eine kleine melusine verfrühsücke ich, ads ist meine gewichtsklasse, ja,
      braune augen dazu und so gut wie schwarze haare iis sagst du, iss ok

  5. The Fine Line Einmal geübt…Must be a fine line for you and in the circles you move artistry is one thing, provocation too, but sometimes the pictures seem to wobble on the so called fine line. As a serious photographer one is faced with the question of nude photography, where is the border between nudism and pornography? Where is the border between provocation and pornography?

    I comment your pictures on their merit, with humor with the eye of someone who has been shooting since over thirty years. One can imagine the mail content and the views. In fotocommunity.de ,insert a picture of a building, a brilliant picture of a building counts the clicks maybe 75 in a couple of days maybe one comment.
    Some weeks back I inserted a photo of a tree. Yes a tree with a hole in it, the hole surrounded with green moss under the title of “unshaven hole”, inside of two hours the photo was clicked on 700X & 26 comments, how sick is that?

    With a shake of my head I took the photo offline it too was a provocation, but I prefer quality work even when the mass internet audience does not always appreciate what that is. You asked what we think, this is what I think. You know what you have to do, the risks you run to your reputation in the various positions you are engaged in, is the risk worth while? Like I said the fine line is just that you got to keep your balance ‘cos if you fall off the other side you don’t know how hurt you will be.

    xd.

    • ich glaube ich liebe die talents vor der melusine und vor der torik, glaub ich vielleicht.
      um einer mögluichen verwechslung vorzubeugen sag ich gleich dass ich nicht der möthar bin oder so , schon eher der zappa, der frank oder halt dumme leute.

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