TTag, 9. Juli 2010. Von der Kargheit.

Wortkarg.

23:08
Ich hatte es heute morgen gespürt: das wird so ein Tag, an dem mir jedes Wort schwer fällt. In K**** hab’ ich an solchen einfach geschwiegen. Ging heute nicht, gestern nicht, eigentlich gar nicht, seitdem ich zurück bin. Ich weiß schon, warum ich mir das Schreiben als Metier ausgesucht habe: man muss nicht sprechen dabei. Ich gehöre zu den Leuten, die mitten in einem Zusammensein mit anderen plötzlich denken, sie wären vielleicht, doch, ganz sicher jetzt gerne allein.
Schon merkwürdig, das sieht mir keiner an. Wie gerne ich für mich bin. Ich wirke wie jemand, der Gesellschaft genießt. Tu ich auch; doch nach zwei, drei Stunden Reden kommt eigentlich immer dieser Impuls, mich zurück zu ziehen, zu lesen, die ganzen Worte sich setzen zu lassen. Am liebsten mag ich Zweiergespräche. Oder indirekte, schwebende, so wie hier. Gruppen strengen mich an. Stimmlagen. Meine nahen Freunde haben alle gute Stimmen, das ist kein Zufall.
Den gestrigen Abend verbrachte ich mit einem, dessen Stimme allein mich an so etwas wie verschont werden glauben lässt. Ich las ihm aus den L.-Briefen vor. Gut, sagte er, die Figur, die Sprache, das ist intelligent gemacht und stilistisch aus einem Guss. Weiter machen. Wie viele hast Du.
Zwölf, sage ich. Zwölf Briefe bisher. Doch ich brauche spezielle Bedingungen, um an so einem Text zu schreiben. Hier fällt es mir schwer, mich zu konzentrieren und einzulassen auf so eine längere Arbeit.

Bin müde.
Verbringe die Nacht heute auf dem Land. Überall ums Haus quakts und zirpts; ein Dutzend kleiner Flugsauger haben schon an mir zu Abend gegessen. Jetzt sind die abgezogen, hoffe ich, zum Verdauen. Nur die grüne Schmeisse kreist noch hektisch hier rum, setzt sich, putzt sich die Flügel und saust wieder los. Die pennt aber ein, sobald ich das Licht ausmache; ich kenn’ das schon.

Schlafen Sie gut, Leser:innen.
Ich empfehle Leinenbettlaken für die Nachtruhe – bekam vorhin eins übergeworfen. Es riecht nach Schrank. Muss mal Lavendelöl hierher mitbringen.

5 Gedanken zu „TTag, 9. Juli 2010. Von der Kargheit.

  1. Liebe Phyllis! Ich hoffe, Sie schlafen wohl!
    Wir leben derzeit wohl in Spiegelwelten, denn ich bin auch zu Besuch, aber in der Grosstadt, und es ist der Lärm des Nachtlebens, der in meinem Zimmer kreist, wie ganze Fliegenhorden. Zum Glück habe ich die Ohrstöpsel nicht vergessen.
    Auch ich bekam ein Laken, welches ein wenig nach Schrank riecht, und zum Glück habe ich mein Lavendelöl nicht vergessen, aber es riecht gar nicht schlimm, so wie hier nichts schlimm, sondern alles schön ist, am ersten Tag meines Urlaubs in einem realen Leben.
    Liebe Grüsse von Momoseven

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