TTag, 22. Juni 2010. In Schnörkeln fliegen.

Wir fliegen in Formation heute, meine Fragen und ich, doch eine muss die Spitze bilden: darüber herrscht noch Uneinigkeit.
Guten Morgen! Und bis später.

22:02
Eben habe ich meinen Aufenthalt hier um eine Woche verlängert. Warum auch nicht? Die freie Arbeit geht mir hier besser von der Hand, doch ich brauche mehr Zeit. Zuhause hab’ ich bei allem, was ich ohne Auftrag schreibe, immer das Gefühl von Luxus: als müsse ich meine ungebundenen Ressourcen eigentlich darauf ausrichten, neue Auftraggeber zu gewinnen. Von dem Trip kommt man als Selbstständige einfach nie runter.
Außerdem bin ich nicht besonders schnell, das muss mal gesagt werden; ich kann nicht einfach so umswitchen. Hier ist das alles kein Problem, vormittags erledige ich Stiftungsarbeit, dann geh’ ich raus, lasse Hirn und Wahrnehmung einfach laufen und fange mir dann das, später, was künstlerisch umzusetzen mir lohnend erscheint. Klingt doch ganz einfach, oder? Find’ ich auch. Warum hab’ ich daheim dann nur immer dieses schlechte Gewissen?

(Heyy! Nebenan lieben sich zwei gerade bei offenem Fenster. Endlich mal Pause vom Beten, scheints : )

20 Gedanken zu „TTag, 22. Juni 2010. In Schnörkeln fliegen.

  1. Ein verwegener Gedanke kam mir gerade in den Sinn:

    – Sicherheitslandung
    – L. hinaus bitten
    – wieder aufsteigen
    – Fragenformation durcheinander wirbeln
    – Figuren fliegen nach Lust und Laune
    – und am Abend dann mit L. einen Schiffsausflug auf den *** unternehmen.

    (Vielleicht begegnen Sie unterwegs sogar “Erkühl Poaroh”, wer weiß? SpBsKz

    • Großartige Idee. Besonders, da L. auf Bildungsreisende noch viel allergischer reagiert als ich: es wäre in ihrem rekonvaleszenten Zustand ganz überflüssig, sie zusätzlich aufzuregen. Ich hab’ sie also (wie konnten Sie’s ahnen?) vorhin schon abgesetzt und fliege nur vergnügt in Schnörkeln, ohne Rücksicht nehmen zu müssen.
      Heute Abend schaue ich dann wieder nach ihr.

      Erkühl… der sieht ganz anders aus als erwartet. Da bin ich mir fast sicher.

    • L.? Erkühl? – ohhhhh….ich begreife. Er ist klein, aber vielleicht…Nein, ich weiß nicht; es war doch immer Hastings, nicht wahr, der…Doch Hastings ist wahrlich nicht…Jedoch könnte er eine Nebenrolle spielen. Abkühlend sozusagen, wie Briten so sind.

      Wie sieht Erkühl aus?

      Geben Sie uns eine Frage, Phyllis?

    • Wie der Kühle es handhabt, weiß ich noch nicht, wir werden sehen.

      Mir persönlich gefällt ja die Idee eines Alter Ego weit besser als einfach ein Pseudonym über einen Namen zu heften – die haben oft so etwas verstohlenes.

      (Eben, da ich den verlinkten Text noch einmal überfliege, muss ich lächeln: damals dachte ich noch, mein künftiges Alter Ego würde männlich sein, oder zumindest androgyn… wie man sich täuschen kann! ; )

    • Alter Egos: Zwei – und DIE (also: Ich?) ist noch eine andere BARBIES

      EINE spielt das Spiel
      sehr geschickt,
      sitzt märchenhaft da,
      ist immer etwas verliebt.

      “Beide hübsch, fast bildschön,
      schlankweg entzückend
      unendlich nett.”

      EINE findet es zu gemütlich,
      stellt ihm die Fragen
      und hat es immer gewusst.

      “Wer ist entzückender?”

      DIE verrät sich doch,
      verlangt immer zuviel
      und vergibt sich nichts.

      DIE nimmt´s nicht so genau,
      gilt allen als zu frivol,
      grad von der will er was.

      Beide wollen bleiben,
      eine muss gehen.

      Melusine Barby-Ghiberti // Anne/Armgard Barnhelm (geb. Barby)

      Alter Egos sind immer “künftig”, weil wir Ihnen eine Vergangenheit erschreiben/erzeichnen.

    • Beim Lesen der verlinkten, griffigen Gedanken zum Alter Ego fiel mir am Ende eine mögliche Variation ein. Was, wenn ich für mich folgende Änderung anbrächte?

      Ein Alter Ego wäre idealerweise alles, was ich nicht bin oder aus irgendwelchen Gründen glaube, nicht sein zu können dürfen.

    • Leicht bleiben, schweben, treiben – und warum eine gehen muss(te): Alter Egos können bleiben, solange sie von gleichem Gewicht sind. Jedenfalls ist das meine Erfahrung. Doch muss(te) die Eine sich versenken, damit die Andere Mutter (Gravität!) werden konnte. Aber selbstverständlich vereinfache ich jetzt furchtbar…(Es ist alles F I K T I O N – und also wahrhaftig nicht wahr.) Sie treiben immer beide weiter: durch die Gewässer und an Land. Es gibt Zeiten, da kann die Verbindung nur an stillen Gewässer oder nahe am Ufer gehalten werden. Weil sie nicht stark genug ist/sind das vollbesetzte Boot, die anvertraute Fracht, durch hohe Wellen zu steuern. Dann taucht die (Alter Ego) weg, wird fast vergessen. Und plötzlich…: http://melusinefeaturingarmgard.blogspot.com/2010_02_01_archive.html

    • @melusine Gravität: Sie beziehen sich auf das Gedicht bei anh, oder? Bei dem wollte ich eh mal was schreiben, die Kommentarfolge unter der laufenden Erzählung macht mich ganz fuchsig. (Warum sind manche Leute da so penetrant widerwärtig??)

      Schön, dass Sie mal wieder auf sich verlinkt haben. Ich finde es seltsam und aufregend, dass sich so langsam über benachbarte Weblogs Landschaften des Denkens hier mit auftun, die zumindest mir (aber bestimmt nicht nur mir) das Gefühl geben, nicht alleine am werkeln zu sein. Gerade bei Ihnen, die Sie den Prozess Ihres W e r d e n s so sehr in den Vordergrund rücken spüre ich das sehr deutlich.

      Alter Egos: Wer behauptet, dass sie von gleichem Gewicht je sein könnten? Es wird immer der praktikabelste Persönlichkeitsentwurf jener sein, der die Oberhand hat. Die anderen, Ihrer, meine, sind Befreiungs- und Erweiterungsversuche. Wie Hans sagt: dem ‘Dürfen’ mehr Raum geben wollend..
      Doch wir haben da beide noch lange nicht zuende gedacht.
      Gut so.

    • Sie haben Recht, Phyllis, …Gleichgewicht gibt es nie. Aber es darf eben nicht zu sehr aus der Balance geraten. Ich finde jetzt kein passendes Bild. Herbsts Gedicht drückt eine männliche (Außen-)perspektive aus, die für das, worum es mir ginge, nicht passt.

      Liebe Phyllis, ich freue mich über dieses Mit-Denken sehr und finde gerade das Ungedeckte, noch Unfertige, über das wir uns austauschen können, so bereichernd.

      Ich warte auch immer auf Neues von L. (nichts müssen Sie, aber sie dürfen und sollen!), wissen Sie, manchmal höre ich sogar den Muezzin rufen, von dem ich mir vorstelle, dass er sie weckt….

      Lieben Gruß Melusine

    • Oh, Sie finden sogar diverse Bilder, wenn man etwas bei Ihnen stöbert. Nur vielleicht noch nicht dasjenige, das sich mit dem Jetzt synchron schalten könnte – und sei’s nur für einen Moment.

      Über Herbsts Gedicht musste ich auch länger nachdenken. Obwohl ich vielleicht noch weiter davon weg bin als Sie, als Nicht-Mutter. (Hab mich eben übrigens dazu durchgerungen, dort fast gleich nach Ihnen einen Kommentar einzustellen. Ich mach’ das nicht gerne, weil man immer von den Schlammwerfern attackiert wird. Und sich dann zu wehren, kostet mehr Zeit, als ich haben will dafür)

      L.: Morgen wieder. Ich war heute so flippig, da hat sie sich nicht einnisten können bei mir… tja, das rutschende Gleichgewicht : )

      Lieben Gruß zurück
      Phyllis

  2. @update gelungene Distanzierung ist so unendlich wertvoll; sich selbst “von der Leine” lassen dürfen.

    Wie schön für Sie!

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