TTag, 9. Juni 2010. Vorbereitungen.

Guten Morgen!
Ich werde die nächsten zwei, drei Wochen vom Ausland aus schreiben: möchte morgens mal wieder in einem anderen Bett aufwachen, andere Vorhänge aufziehen, durch ein anders unter meinen Absätzen hallendes Treppenhaus nach draußen treten, um andere Gesichter zu sehen. Mein Arbeits-, auch das Lohnarbeitsmodell erlaubt mir solche Phasen – ich bin nur immer wieder verwundert von mir selbst, weshalb ich sie nicht häufiger einlege. Wollte allerdings erst einmal meinem Rücken wieder etwas mehr vertrauen können: Schmerzen im Ausland wiegen doppelt. Sieht aber ganz gut aus. Mein schöner Physiotherapeut hat es in den letzten Wochen doch tatsächlich geschafft, mir etwas Ruhe ins Rückgrad zu zaubern (obwohl mich seine sachlichen Berührungen zu durchaus unruhigen Gedankenspielen veranlassen, aber, psssst!, das wird er nie erfahren)
Texte werde ich mitnehmen, die zu überarbeiten sind, dazu alles, was ich zum Zeichnen brauche. Zu den vier kommenden hab’ ich schon Titel – so beginnt das immer bei mir, erst Titel, dann Bild. Bei vielen Künstlern, die ich kenne, ist’s genau anders herum, doch die haben das Schreiben nicht als primäres Medium.
Wie ich mich freu’, mal wieder aus der Stadt zu kommen! Auf Tisch und Sofa liegen Klamotten und Arbeitsmaterialien für mindestens drei Monate … das muss noch schwer ausgedünnt werden heute. Nicht das ganze Wohlfühl- und Sicherheitsarsenal mitnehmen: drei Kleider, Schuhe, Laptop, mehr soll nicht übrig bleiben.
Wer will ich sein in der Fremde? Dem Alter Ego Raum zum spielen geben.

15 Gedanken zu „TTag, 9. Juni 2010. Vorbereitungen.

  1. Ich beneide Sie! Geht es in den Süden? Ach, ich muss noch 5 Wochen ausharren (das Lohnarbeitsmodell). Doch jetzt habe ich auch endlich alle Pullover etc. ganz nach hinten in den Schrank geschoben. Kleider, Röcke, leichte Blusen, laue Sommernächte…das wird auch hier gehen. Gestern saß ich schon mal im Biergarten.

    Auf Ihre Zeichnungen bin ich sehr gespannt.

    Gute Reise!

    • Kein Süden. Eine große Stadt. Deren Namen ich nur deshalb nicht nenne, um mir, aus ihr heraus schreibend, mehr fiktionalen Freiraum zu schaffen. Der Name einer bekannten Stadt evoziert sofort ein Bild, auch in Ihnen als Leserin, auch das ist zu vermeiden: der schöpferische Ausgangspunkt für die nächsten Wochen soll ohne Vor-urteile sein.

      (Biergarten! Die meide ich ja. Aber vor allem wegen der Bänke ohne Rückenlehne…)

  2. Ach, wie wunderbar!
    Ich kann Ihre gehobene Stimmung nachfühlen – freue ich mich doch selbst schon sehr auf meine kommende Bodenseeumrundung. Das bewusste Distanz gewinnen, räumlich, wie auch zeitlich, ist für sich allein genommen schon ein kostbarer Quell erfrischender Belebung. Ihr Modell gefällt mir sehr; ich arbeite zäh daran, etwas ähnliches für mich dauerhaft zu verwirklichen.

    Haben Sie eine gute Zeit – mit viel Spielerei und anregenden Begegnungen!
    *hachaberauch* 🙂

    • Tut er das?
      Ich mag besonders, dass er immer fragt: “Ist der Griff okay?” wenn er dort die Hand auflegt, von wo nach wo Atem und Muskelspannung sich im Körper bewegen sollen. Hihi.

      Sie schreiben gar nicht wie die anderen heute, dass auch für Sie bald mal Reise ansteht: bleiben Sie im Land?

    • Wenn ich könnte, bliebe ich mal gern im Land, ja, aber das mit dem Bleiben ist eine schwierige Übung geworden. Den Sommer über bleibe ich, schon Herbste die vertreiben mich, den Winter bin ich kaum zu sehen, im Frühjahr komm ich fern zu stehen.

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