Lieber eine schlechte Lösung als gar kein Problem

Im Kramladen meiner Wörter sind oft welche fehl am Platz: Man will doch immer die guten nach vorne stellen: die, die den größten Kaufanreiz bieten. Bei mir drängeln sich aber die anderen ins vorderste Regal und aus Respekt lass’ ich sie bleiben. Muss den Laden aber solange dichtmachen, bis sie ihrer Selbstdarstellung überdrüssig werden.
Überdrüssig.
(Ich will heute mal wieder Wörter benutzen, die ich lang nicht in Verwendung hatte)
((Man wird sich denken, dass meine LadenöffnungszeiTTen mehr als unzuverlässig sind unter diesen Umständen))

Doch zunächst die gute Nachricht: Heute lasse ich meiner Neigung zum Doppelpunkt freien Lauf. Einzelne Punkte gaukeln einem ja gerne vor, man sei fertig und fertig fühlt sich immer so an wie am Ende.
Bin aber nicht am Ende.
Bin wieder am Anfang: der Vorstellung.

Da wären, zunächst, die Vorstellungen der anderen. Nur um mal drei zu nennen:
1. Der Mensch soll eine Identität haben.
2. Er soll eine wiedererkennbare Sprache verwenden.
3. Er soll Meinungs haben, die wirken, als sei ihnen ein Bildungsprozess vorausgegangen.

Das Wort „Meinungs“ drückt, finde ich, angemessen aus, wie viel ich von ihnen halte: Meiner Meinung nach werden Meinungen überbewertet. Leute bilden sich unheimlich viel ein auf die.

Vor einigen Tagen diskutierte ich die Weltlage mit einem alten Freund. Nicht nur unsere Freundschaft ist alt, er ist es tatsächlich auch selbst. Anders als ich.
(Hoff’ ich)
Der Freund ist Dichter. Als solcher auch bekannt. Fast berühmt. Berüchtigt schon, seitdem er ungefähr zwanzig war.
„Alles, aber auch wirklich alles ist vermasselt“, raunte er mir nach dem achten Glas Rotwein zu. „Das gibt einem doch eine wahnsinnige Freiheit.“

Mit fast achtzig darf muss man sowas sagen. (Wenn man es raunt, sowieso.) ((Von wegen Wörter, die ich lang nicht verwendet habe))
Jedenfalls hab’ ich ihm intuitiv zugestimmt. Obwohl das meine Meinung ganz gewiss nicht ist, jedenfalls denkt Phyllis nicht so. Farah schon, Farah denkt in Vermasselungen; sie kann gar nicht anders.
Wir sprachen dann noch vom Plusquamperfect, der Freund und ich. Doch das ist eine andere Geschichte.
Und jetzt hör‘ aich auch schon wieder auf. Immerhin hat es sich für eine Stunde endlich mal wieder so angefühlt, als schriebe ich aus freiem Willen und ohne Fokus.

Muss noch e i n e n Auftragstext wegschicken vor Weihnachten. Danach streiche ich das Wort „Fokus“ aus meinem Vokabular, für dreizehneinhalb Tage mindestens. Und entfokussiere mich weiter, schreib‘ ein Pamphlet, einen Drohbrief, einen Liebesbrief und ein paar Schafgedichte. Danach, das spür‘ ich deutlich, wird es wieder mehr gleiten, mein Schreiben. Und auch das ist keine Meinung, sondern eine Ahnung.
(Hugh.)

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