Derweil:

10:30 Uhr

Dieses „derweil“: Momentan eines meiner Lieblingsworte. Alles ist gleichzeitig, so fühlt es sich – für mich – an. Zuspitzungen, politische, private, Entspannungen, Wahrnehmungen und – gibt’s das Wort, und falls nein, warum nicht?: Ignorierungen – na, „Ausblendungen“ wär‘ wahrscheinlich eh treffender.
Bin sehr gespalten dieser Tage, weiß nicht wohin mit meinen Facetten, mein inneres Prisma blendet, lähmt auch gelegentlich, vieles wäre mitzuteilen von dem, was mich trägt und bewegt, nur manchmal, nein, meistens verschluckt es sich, bevor ich die Finger auf die Tastatur, an den Zeichenstift legen kann.
Seltsam.
Wie ich schon schrieb: Kontinuität. Ihr Fehlen. Ein Dauerthema.
Und dann, klar, neben allem Privaten, macht mir die politische Wetterlage zu schaffen, zu der ich mich nie äußere außerhalb der privaten Kreise.
Viele Vertraute erzählen, sie stünden an Wendepunkten. Vielleicht auch ich. Ohne mir dessen wirklich gewahr werden zu wollen, bis jetzt. Was wird aus der Unterscheidung zwischen privat und persönlich, was wird aus dem Impuls, mehr Kurse auch selbstständig anzubieten, aus einem Guss, mich an diejenigen direkt zu wenden, mit denen ich würde arbeiten wollen, anstatt mir von Auftraggebern Zielgruppen zuschreiben zu lassen. Nieder mit den Zielgruppen, nein, nieder nur mit dem Wort, das ich schon immer nichtmochte, ebenso wie „Kreativität“. Hör‘ ich das laut ausgesprochen, gehen die Lichter aus. Im Grunde. Wie vielversprechend hingegen klingt „erfinderisch“!

Ah, Freunde, wenn nicht wir es sind, wer dann? Wer stemmt sich gegen die Schubkräfte des Marketing, wer propagiert Selbst- statt Nachdenken, wer wagt sich mit provokanten Sätzen ans Licht, wer berichtet aus Welten, die uns sonst verschlossen blieben oder spielt mit Worten, die nicht vermarktbar sind? Wer wehrt sich gegen die Wagschalen, wer spinnt für die Spinner, wer schlägt die Einladungen des Mainstream aus für eine Picknickdecke auf dem Asphalt?
Also bitte.
Also danke.

Bevor ich mich hier im Ton vergreife, hör‘ ich lieber auf…

Lachend, Ihre:
Mme TT

15.4.2014
Hatte heute den ganzen Tag Besprechungen, wie soll eine da noch arbeiten, geschweige denn spinnen? Trotzdem: Hab‘ eben drüben in den Dschungeln einen langen Kommentar geschrieben. Wichtiges Thema. Lässt mich nicht kalt. Bin auch noch lange nicht am Ende mit meinen Überlegungen – hoffentlich in Zukunft aber dann auch hier. Farah Day hat eine ganze Menge dazu zu sagen, glaube ich, und hier auf TT kann sie sich so gehenlassen, wie sie will. (Drüben bei ANH versuche ich immer, einigermaßen sorgfältig zu formulieren…)
Aber vielleicht haben Sie ja Lust, sich den Stein, nein, die Steine des Anstosses drüben mal anzusehen? Einfach >>> hier entlang! Und lassen Sie die Machete stecken, unsereins macht so etwas mit Worten! ; )

7 Gedanken zu „Derweil:

  1. Inmitten Ihres Textes erscheint die Wendepunktsehnsucht, scheint mir, als ein Vielleicht, und das läßt sich nur schwer weglachen, denke ich, gerade weil Wendepunkte die Eigenart haben, plötzlich aufzutauchen, einem ernst die Hand zu reichen und ohne Tonvergriff zu sagen: „Guten Tag, ich bin Ihr Wendepunkt, ich hoffe auf ein gedeihliches Miteinander.“ Und dann geht’s vielleicht los.

    • Das „Weglachen“ ist sowieso eine Unsitte, finde ich: Es gibt weit weniger Gründe zur ironischen Distanznahme als gemeinhin angenommen. Dafür aber umso mehr Gründe für das gedeihliche Miteinander von Punkt und Wendepunkt. Wenn Sie mich fragen.

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