Augenschein

Deinen Grundriss
ich verlasse ihn
Dein Stab
ist mein Stecken nicht
Sicherer Ort: Ich verlasse dich
Immerwährende Scham: Ich verlasse dich
Wohlfeile Lebenskunst: dich auch, Arschloch.

Ich verlasse dich, mein Braves, mein Zaghaftes
und auch dich, Liebes, Gewieftestes,
mein Ein-und-Alles Wunschdenken, meine Zauberwortmaschine,
Du wirfst mir nur Kunstschnee aus und ich will dich verlassen

sobald ich kann.

Da, wo ich hingeh,
habe ich keine Angst mehr, falsch zu sein,
kein Wort mehr, mich darin einzuwickeln,
keine Lust mehr, meine guten Taten zu zählen

4 Gedanken zu „Augenschein

  1. sobald ich kann Mir ist eine subtile Lesart dazu eingefallen,
    nachdem der “Augenschein” einige Spannung
    in mir erzeugt hatte. Dem Spannungszustand
    beharrlich nachgehend bin ich der Ursache
    schließlich auf die Schliche gekommen.

    sobald ich kann
    Für jedes Nicht-Können gibt es eine Begründung.
    Die mag objektiv Bestand haben. Sie mag aber
    auch (bloße) subjektive Notwendigkeit sein.
    “sobald”: Darin drückt sich ein “für möglich Halten”
    aus. Wie aber? Durch Beseitigung des
    Hinderungsgrundes? Durch Umgehung desselben?
    Einerlei.

    sobald ich kann
    Eine in Form eines alleine gestellten Nebensatzes artikulierte Drohung.
    Eine in Form eines alleine gestellten Nebensatzes artikulierte Beschwichtigung.
    An wen richtet sich die Drohung, an wen die Beschwichtigung?
    Darüber spreche ich

    sobald ich kann

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