Germanys next role model

(…)
(…?)
(*…..!)
(dauert noch bissi)

11.01
So. Laufen gewesen. Der Park schnattert: gefühlte Verdopplung der Gänsepopulation heute Morgen. Dazu Enten, Blässhühnchen und meine geliebten Krähen. Ihr Schnarren, den ganzen Winter über. Verlässlich auch an den stürmischen Tagen, wenn das niedere Federvolk verhuscht den Schnabel hält.
Sie fragen sich vielleicht, wie ich auf den Titel meines heutigen Beitrags komme. Wäre doch mehr als öd, ein erfolgreiches Marketingformat durch den Kakao ziehen zu wollen, oder der Familie Klum ihr Geschäftsmodell mies zu machen. (Oder sich darum zu scheren, dass, wie nicht anders zu erwarten, Emma & Co auch schon auf den Titel “Germanys next role model” gekommen sind, wie mir eine kleine google-Suche eben offenbart.)

Neenee! Meine Vorstellung wäre, unseren Ikonen der Leistungsb(e)reitschaft – seien es nun Lebensaufräumer, Möchtegernmodels, Foodverpackungsaufklärer, Fönwellenphilosophen und was es da sonst alles noch gibt – eine kleine, aber feine Wettbewerbsverweigerungskampagne entgegenzuschleudern. In Form einer Serie inszenierter Fotos, oder Texte, oder Texten mit Foto. Ich habe die Sache schon viel konkreter ausbaldowert als hier dargestellt, doch jetzt muss ich erst einmal auf’s Land fahren, die schwelgerische Vorfrühlingssonne macht mich zappelig. Nichts wie raus! : )

9 Gedanken zu „Germanys next role model

    • Aspasia Na endlich!
      Aristophanes hat sie aber als Hure Hetäre gedisst, lese ich eben, und ihre eigenen Werke zu überliefern hat sich auch niemand die Mühe gemacht. Im Gegensatz zum Gedankengut der Herren, die in ihrem philosophischen Salon verkehrten.

      (Wenn ich das Melusine erzähle!)

      p.s. “Germanys next Rollmodell” hat übrigens gute Chancen, eine neue TT-Ausschreibung zu werden. Aristophanes muss aber auch mitmachen – als Vertreter der Fraktion, die auch heutzutage noch behauptet, die Frauen würden ja eh nur wegen ihrer Titten gewählt.
      Har.

    • Ich nehme mal an, daß Aspasia wie alle Frauen der Ansicht war, mit Denken keineswegs die Welt bereichern zu können. Warum also hätte jemand dann ihr Denken überliefern sollen? Und Aristophanes war sicher eifersüchtig und voll verknallt, der arme Kerl.

    • Sie sollten nich’ gleich von mir auf alle anderen Frauen schließen, lieber Norbert! ; )

      Warum ich mich so dagegen sträube, die Welt bereichern zu sollen? Es ist mir suspekt! Ebenso wie Vorbildseinwollen! Was denken Sie denn, warum ich TT mache? Um Kontur zu gewinnen. Nicht, weil ich so eingebildet bin, sondern weil ich’s, im besten Sinne, irgendwann gerne wäre: ein-gebildet. Ein Bild von mir selbst habend, das nicht einfach Kollage Zinsertrag dessen ist, was Andere von mir denken. Ich spiele damit und lade zum Spielen ein. Ich möchte die Welt gerne bereichern. Aber behaupten, dass ich’s tu’, liegt mir fern.

    • [Der Begriff “Landgewinnen”, den Sie statt “Kontur gewinnen” zuerst wählten, hat ja, liebe Phyllis, eine doppelte Bedeutung, nämlich das Erobern eines Gebietes (im Krieg) und das Flüchten (“Sieh zu, daß Du Land gewinnst!”).] Die Frage ist natürlich, ob man es sich im Bereich Kunst und Lehre aussuchen kann, was man erobert, denn wenn Jüngere und Unerfahrene in Ihnen ein Vorbild sehen, ist das ja zugleich Lob und Aufgabe, woraus folgt, daß Sie sich nicht entziehen dürfen, ganz gleich, was Sie behaupten und wie sicher oder unsicher Sie sich fühlen. Aber ich verstehe gut, was Sie meinen, auch mir ist das hierarchische Element suspekt, obwohl ich das Wissen und Können anderer Menschen selbstredend anerkenne und mich auch anregen oder sogar leiten lasse, wenn die Situation dies erfordert oder ich es will. Ständiges Befragen meiner selbst und das Ausloten der Lage ist für mich dabei selbstverständlich, weswegen ich an der Uni auch nicht bei den uneingeschränkt herrschenden männlichen Koryphäen studiert habe, sondern bei einer wirklichen Lehrerin, die sich selbst nicht in den Vordergrund spielte, obwohl sie kraft ihres Wissens und Könnens durchaus Vorbild war. Karrieretechnisch ist es natürlich besser, bei den Alphatieren zu studieren und die Rolle des Anführers zu trainieren, bevor man irgendwann die Mitbewerber und das Alphatier wegbeißt. Hilft nur, sich zu einer Nichtalphatierbewegung zusammenzutun (Stichwort “Rollmodell”) und weiterzumachen! Ach ja: Tainted Talents bereichert meine Welt durchaus!

    • Ha, Sie sind schnell, und haben den “Landgewinn” gelesen, bevor ich ihn ersetzte – gerade seiner Doppelbedeutung halber.
      Sie bestätigen in Ihrer Beschreibung des Rollenvorbilds eben jenen Zwiespalt, den ich selbst dazu empfinde. Lob und Aufgabe. Oder zeitgenössischer formuliert, Anerkennung und Pflicht. Deswegen wehren sich auch viele der jungen Stipendiat:innen in meinen Seminaren immer so, wenn die Stiftung ihnen diese Vorbildfunktion zuweist. Sie spüren die Pflicht hinter der Anerkennung. Kann ich gut nachvollziehen.
      Karriere, übrigens, existiert nicht in meinem Vokabular; ich spreche immer von Laufbahn. Auch das altmodische “Lebensweg” ist nicht schlecht.

      Freut mich, dass TT Ihre Welt bereichert; das geht mir mit den Prenzlauer Bergen ebenso!

    • Ich bin zum Glück ja nie gefördert worden, bevor ich nicht schon fast vierzig war, und selbst da war das Gefördertwerden nicht mit “Karriere” verbunden – ich bevorzuge übrigens auch Worte, die nicht das Weghauen von Konkurrenten implizieren, spreche also auch eher vom Lebensweg, selbst wenn das in mancher Zeitgenossen Ohren seltsam klingt.

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