Löcher in die Luft

Noch zwei jeweils dreitägige Schreibworkshops, geschätzte Leser:innen, diese und nächste Woche einer, dazu die Stiftungswebsite, die ich redaktionell betreue und die ihre Besucher freundlich ins neue Jahr geleiten wird – so sieht die angewandte Seite meiner Arbeit im Dezember aus. Über die freie kann ich nichts sagen, die fühlt sich gerade an wie eine verrammelte Bretterbude in einer Geisterstadt in der Wüste. Bei Sandsturm. Mindestens.
Wird Zeit für Miss TT, den Fuß vom Gas zu nehmen.

Momentan, wenn keine Pflichten zu erledigen sind, schalten sich meine Systeme ab: ich höre auf zu denken. Müsste ich nicht gleich zu meiner neuen Schülerinnen-Gruppe, ich würde bestimmt drei Stunden einfach hier so weiter am meinem Schreibtisch sitzen mit meinem Wattekopf. (Guck’ keine Löcher in die Luft, höre ich manchmal die Stimme meiner Großmutter sagen)
Unglücklich sein macht im besten Fall erfinderisch, aber erschöpft sein macht, wie ich immer wieder an mir feststelle, trivial. Und konsumistisch. Ich mach’ dann nur noch Dinge, die schnelle Befriedigung bringen.
Was also tun? Mal sehen.
Vielleicht einfach bei nächster Gelegenheit das Jahr resümieren und loslassen. Und danach ganz große Löcher in die Luft gucken: so lange, bis sie zu sprechen beginnen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Montag. Und geh’ jetzt mal ‘ne Runde Workshop halten : )

22 Gedanken zu „Löcher in die Luft

    • Toll auch, wie beharrlich Sie immer wieder das “zu” ergänzen, wo ich es ursprünglich vergaß – eine meiner Stammschludrigkeiten ; )

      Erschöpft aus dem Trivialen wedelnd,

      Miss TT

    • Die frühen Eintrichterungen, die kenn’ ich…
      Da werd’ ich im Nachhinein manchmal sehr dickschädelig.

      Nicht anders ist es zu erklären, dass ich meiner Trainerin vorhin ein “Ich bin gerne krumm!” hinschnauzte, als sie mir in die Schultern griff, um meine Haltung zu korrigieren.
      (Was diese beeindruckend unbeeindruckt ließ)

    • Das “zu”, das fehlende, um genau sein zu sein, schaff ‘ ich meist, nicht immer, wohlgemerkt, im Kopf, man beachte: fast mühelos, zu (ha! : ) ergänzen, während mir das “zu”, welches sich, gänzlich unerwartet, vor einen Infinitiv, der ohne es, das “zu” nämlich, auszukommen hätte, weil es, das “zu”, wie ich schon sagte, die Grammatik, so wird behauptet, verlange, hinpflanzt, zu schaffen macht, *schnauf*, wofür der Grund, sofern tatsächlich vorhanden, darin suchen ist, dass uns, Österreich und Deutschland, die Sprache zu trennt.

    • Genau genommen geht ja eigentlich in diesem Fall beides, mit zu und ohne zu, je nachdem, was genau gesagt und gezeigt werden soll, denn d a s Erschöpftsein kommt ohne zu aus und ist zugleich Ausdruck desselben (“Erschöpftsein macht trivial”), weil man nicht einmal mehr an zu zu denken in der Lage ist.
      (Anders verhält es sich mit Rückbezüglichkeiten: wer, wie das ja leider immer öfter vorkommt, etwa sagt “ich erinnere den Vorgang” statt “ich erinnere m i c h an den Vorgang”, begeht ein Verbrechen wider die Sprache und auch noch eins gegen den sprachsensiblen Zuhörer und muß dringend bestraft werden! [Mit dem Lineal auf die Finger, sag ich ;-)])

    • Das “zu”, ff. Endlich hab ich’s, das beharrlich gejagte Beispiel!
      Als ich durch meine eigenen Löcher stapfte (was sich angenehm wattig anfühlte, weil’s darin immer noch schneit), quoll aus einem besonders tiefen die Mahnung hervor: “Nicht gut, dass du dein Fahrrad bei Schneegestöber draußen zu stehen hast. Bring’s herein.”

      Das war gestern. Nun isses weg, das Loch. Leider. Jetzt stehe ich da mit meinem Fahrrad, ganz zauselig auf der Zuspitzung.
      (*grins*)

    • “Zu stehen” ist aber zutiefst berlinerisch, meist auf einen Kasten Bier angewandt, den man noch zuhause zu stehen hat. Mein zauseliges Alltagsrad steht übrigens auch noch draußen und ist womöglich zu zugeschneit, um zu finden zu sein. Da war ich wohl zu vertrauenszuselig, was diesen z(a)useligen Wetterbericht anging, der zu behaupten wagte, es würde wohl zuhauf zu schneien zu haben. Wer aber zuvorgesorgt hat, der hat ja zumindest sein Bier zu stehen, während er sein Rad zu finden zu haben hat.
      [Was denn, liebe Phyllis, für ein Geselle mit den Wolkenaugen? The man with the cloud in his eyes – hab ich da etwas verpaßt?]

    • Das liegt, liebe Phyllis, wohl daran, daß Frauen noch schöner werden, wenn sie lachen, so daß die Motivlage wohl klar ist. (Während die Frauen lachenden Männern wohl weniger abgewinnen können, scheint mir.) Aber sicher gibt es Bücher zu dem Thema, und wenn nicht, schreiben wir eben mal kurz eins.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.