Intensität und Übersetzung, erste Mitteilung

Bin auf der Suche nach neuen Wegen, wie sich im Draußen erlebte Intensität hier auf TT mitteilen lässt, ohne indiskret zu werden, zu privat und zu unübersetzt. Zudem bin ich auch leicht erschöpft, mes amis. Ein Freund merkte vor ein paar Tagen an, die Gedankentiefe habe nachgelassen auf TT, wir Schreibenden seien uns im Atelier in letzter Zeit so einig und gewogen, da ließe Schärfe nach und Relevanz.
Ob es meinen Beiträgen an Tiefe fehle, fragte ich.
„Nein“, erwiderte er, „die haben nicht an Dringlichkeit verloren, außer an jenen Tagen, an denen es offensichtlich nur für ein Lebenszeichen langt. Die Kommentarebene – auch Ihre! – ist allerdings…“
„…Freundlich, ja. Gutgelaunt. Ein wenig oberflächlich manchmal.“
„Was durchaus daran liegen mag, dass es Ihren Gästen ebenso geht wie mir: einen fundierten Kommentar zu schreiben braucht mehr Muße, als ich für gewöhnlich habe…“
„Glauben Sie, ich nähme mich davon aus?“ frage ich. „Ein gut gedachter und formulierter Text nimmt Stunden in Anspruch, ein ambitionierter Kommentar ebenso. Ich weiß einfach oft nicht, wo die Zeit hernehmen.“

Der Mann, mit dem ich frühstücke, nennt mich neuerdings Wuselwipp.
Wenn das mal kein Name ist.

16 Gedanken zu „Intensität und Übersetzung, erste Mitteilung

  1. Ich verstumme vor einem Anspruch, dem ich mich nicht gewachsen fühle.
    Allzeit relevante, tiefgehende und der Dringlichkeit Ihrer Texte angemessene Dialoge werde ich wohl nicht liefern können. Da geht es mir wie Ihnen, Zeit ist ein rares Gut.

    „Wuselwipp“ hört sich übrigens sehr nett an, auch wenn diese Äußerung nun wieder einer gewissen Gewogenheit (aus gutem Grund) Ausdruck verleiht. Da sehen Sie’s, es ist zu schwierig für Hilfsgelahrte wie mich.

    • Nein, bitte nicht verstummen liebe Frau Wie! Wollte die Überlegung teilen, ohne dabei gleich Krämpfe bei meinen geschätzten Gästen zu verursachen! : )

      Ihre Ihnen ebenfalls und sehr unverdrossen gewogene
      PHY

  2. Schwierig … … Intensitäten zu erreichen. Mitunter denke ich sowieso, es sei besser, gar keine Spuren zu hinterlassen. Man geht vorbei, möglichst behutsam, dann kommt hinter einem der Wind und fertig. Mehr soll nicht sein. Schon ein „Wuselwipp“ zu sein ist dann zuviel, denn das heißt ja, dass man sich einem anderen Herzen eingeprägt hat.

  3. Isjawohlnefrechheit, das! Nachlassende Schärfe und Relevanz? Ich bin hier, um das mal deutlich zu sagen, grundsätzlich mit niemandem einig! Was natürlich stimmt ist, daß so ein Kommentar Arbeit bedeutet, was wiederum heißt, dafür nicht immer Zeit zu haben, denn schließlich muß ja die eine oder der andere auch noch auf der eigenen Seite seinen Klecks Senf zum Dasein geben. Und dann hat man ja auch sonst noch genug zu tun …
    Ich würde also sagen, die Einschätzung ist nicht falsch, wodurch sie aber auch nicht gleich richtig wird. Echt ma‘!

    • Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie jederzeit geschmeidig wieder in Ihren berühmtberüchtigten Schnappmodus zurückfinden, sollten die Umstände es verlangen!
      Was aber die Frage nicht insgesamt löst, zumindest meine nicht, wie sich ein Level von Eindringlichkeit bei zunehmender Arbeitsbelastung halten lässt. ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich mit zunehmender Erfahrung schneller werde, um das auszugleichen, doch das Gegenteil ist der Fall. Ich bin langsamer geworden. Und auch zurückhaltender.

    • Abér: Wer verlangt denn ein dauerndes Level von Eindringlichkeit! Beim Training (für den Wettbewerb) gibt man doch auch nicht immer Vollgas, weil es sonst kein Training wäre, und ein guter Roman läßt sich Zeit, bis es dann mal wieder kracht. Im Wechsel liegt das Bad der Gefühle!
      (Watsollndatsein: Schnappmodus? Hört sich eher nach fleischfressender Pflanze an!)

  4. Auch Weblogs kennen Phasen. Es gibt auch flache Stellen, viele, gefährliche, im Meer, ebenso wie Furten, deretwegen man dennoch nicht auf den Bootsbau verzichtet, so allgemein als Mensch. Als solcher bin ich anderer Meinung als der von mir tief geschätze Gogolin: Zwar gibt es viele Komponisten nicht mehr, doch ihre Kompositionen, viele Architekten nicht mehr, doch ihre Architekturen, viele Dichter nicht mehr, doch ihre Dichtungen. Wind, der das von der Welt bläst? Er soll sich unterstehen! Im Gegenteil, wenn es dafür ein Anzeichen gäbe, würde ich zum Gegenwinderbauer. Oder eine andere, ein anderer würd’s.

    • Zuviel Gewese… … um unser Ich machen wir trotzdem, auch wenn der von mir hoch (nicht ‚tief‘) geschätzte ANH das naturgemäß anders sehen muss. Habe das in meinem neuen Roman als das geheime Thema behandelt. Eine Künstlerin hält sich für eine Buddhistin, die daran arbeitet, ihr Ego zu überwinden und kämpft gleichzeitig dafür, dass ihr Werk überlebt, das doch der reinste Ausdruck ihres Egos ist. Ich finde das witzig, um das Wenigste zu sagen.
      Mal sehen, was meine Zen-Meisterin dazu meint.

    • @ANH Spuren hinterlassen werden wir alle und haben es bereits. Wie sehr einer oder eine das dringlich und absichtsvoll tut, hängt sicher, da stimme ich PHG zu, von der Größe des Ego ab. Ich selbst dachte noch nie, dass mein künstlerisches Schaffen Bestand haben müsse, wünsche mir aber, dass sich mein Wirken einschreibt: in jenen, die sich davon berühren lassen, für die es Bedeutung hat. Die Vorstellung, mich während meiner Lebenszeit mit Menschen zu verbinden (auf immer neue und neu gewollte Weise) liegt mir viel näher als jene, nach meinem Ableben erinnert zu werden. Künstlerische Verve ist für mich ein Zustand, der zur Vergegenwärtigung beiträgt, keine Ansage an künftige Generationen.
      Sie mit Ihrer wahnwitzigen schöpferischen Schubkraft blicken Ihres Talents und Ihres Vaterseins wegen über die Grenze der eigenen Lebenszeit hinaus. Versteh‘ ich gut.

    • @PHG Bin gespannt auf diese Künstlerinnenfigur. In der künstlerischen Landschaft, die ich überblicke, sind nur wenige ihr Ego zurücknehmende Naturen „nach oben“ gekommen. Sie waren zu bescheiden und zu durchsetzungsunwillig, hielten sich oft mit Skrupeln und Selbstverbesserungsmaßnahmen auf, verlangsamten sich, während Andere mit der ersten Eingebung immer auch schon losmarschierten, so unausgegoren die auch sein mochte.
      Das Ego überwinden?
      Erst einmal eines haben, das greifbar und fordernd ist, so dass seine Überwindung tatsächlich einen Unterschied machte.

  5. Leichtigkeit ist – so meine Meinung – nicht mit mangelnder Tiefe zu verwechseln, liebe Phyllis. Ich bin glücklich über jeden einzelnen Moment in diesem Leben, in denen mein Verstand seine Fesseln abstreifen und sich leichtfüßig zu den Wolken erheben kann. Die Tiefe findet im Wahren/ im Realen Leben ihren Grund. Im virtuellen Bereich – in ein Kommentarkorsett gezwängt – läuft sie doch Gefahr, bemüht, aufgesetzt und flachatmig zu wirken. Sie drängt nach Mimik und Gestik, nach der Intensität der ganzheitlichen Auseinandersetzung. So wie die körperliche Vereinigung als reine Fantasie getippt, kaum einer tatsächlichen Verschmelzung auch nur annähernd entspräche. So wenig sich über Twitter ein Roman verfassen lässt. Ich genieße Ihren Blog sehr. Es pulst satte Lebensfreude und Inspiration… die kaum einem flachen Ufer zu entspringen vermögen. Aber ich als beamtete twoday-Hofnärrin bin sicherlich die falsche Stelle, mich zu diesem Thema zu äußern.

    Nichtsdestotrotz… Wuselwipp ist ein entzückender Name.. wahrlich zauberhaft, so, wie Sie! Mit den Wünschen für ein formidables Sie in berauschende Untiefen ver-führendes Wochenende.. und überhaupt. 😉

    • @ANH, PHG und Falkin Auberginenauflauf ist im Ofen. Danach Kino. Nein, nicht in einen dieser Max- und Plex Viehzusammentreibepaläste, sondern hier im Viertel – kleines Kino mit schrabbeliger Vollholzkneipe, das seit den 70ern gute Filme zeigt.
      Ich sag‘ das nur, weil ich noch ein-, zwei Dinge zu Ihren heutigen Anmerkungen zu sagen hätte, das aber auf morgen verschiebe. Yeijj! : )

      Schönen Abend im reallife, allerseits!
      Das Licht heute ist übrigens unglaublich!

      Wuselwipp

    • @Falkin Wer wollte Ihnen da im Prinzip widersprechen! Ich jedenfalls nicht.
      Doch da ich eine zutiefst neugierige Frau bin, mache ich mir immer wieder Gedanken um die Mischung zwischen Leicht- und Bleifuß.
      Weil, wenn wir schon stundenlang am Computer sitzen und unsere Gehirne vermischen anstatt unserer Körper, könnte man dabei gelegentlich ruhig so etwas wie Muskelkater haben hinterher – oder?

      Lächelnd,
      Phyllis

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