Gewebeprobe: Die Insel

Ein langsam tuckerndes Motorboot, der Geruch billigen Benzins weht vom Hafen herüber. Der Wind macht zahllose Schäumchen auf dem Wasser, er greift nach allem, das nicht genug Haftung hat und umkleidet Haare und Haut mit Salzpartikeln. Wir tragen weite Gewänder, die er uns ungeduldig an die Körper presst, ohne Vorspiel unsere Konturen erkundend.
Ein hoch gewachsener, sanfter Fremder, dem ein Tiger als Kind das halbe Gesicht wegriss, kommt auf die Insel und beginnt schon nach wenigen Stunden, Brot und Heu an die Esel zu verfüttern, ein moderner Franz von Assisi, auch dem Tiger von damals hat er längst vergeben. Viele, viele Operationen, bis er sich wieder im Spiegel erkannte; zuhause kennt man die Geschichte.
Die Esel nehmen die Spenden des Neuankömmlings stoisch entgegen. Es ist schwer, ihren Augen mit den langen Wimpern einen Ausdruck zu entnehmen, den man deuten könnte. Was tun sie nachts, wenn sie sich unbeobachtet wähnen? Haben sie Geheimnisse? Nichts Menschliches regt sich in einem Eselkopf. Besser, man betrachtet ihre Hinterteile: Sie sind sehr hübsch, die schwarze Mandel ihres Geschlechts ist samtig und elegant gefaltet. Darüber hängt ein robuster Schwanz, mit einer Quaste.
Die Frau des Fremden ist eine Suchende; ihr Blick verrät, dass die Suche keine einfache ist. Es gibt eine starke Nuance von Verzicht in ihrer Erscheinung, sie ist sehr schlank. Die Köstlichkeiten, die abends vor sie hingestellt werden, lassen sie erstarren, erst, wenn diese Dinge nach einer Weile von anderen gegessen werden, kehrt ihre Anmut zurück. Sie spielt mit dem Gedanken, zum Islam überzuwechseln: Uns rät sie, die Haare zu verdecken, wenn wir aus dem Haus gehen. Wir machen einen halbherzigen Versuch, doch der Wind schiebt uns die Tücher ins Genick. Die Bevölkerung der Insel ist muslimisch. Kaum zu sagen, ob sie unsere Bemühungen registrieren.
Wir sind eher fett. Zuhause schlingen wir, ohne hinzusehen, doch hier überkommt uns ein Hunger besonderer Natur. Dieser der Moderne entrückte Ort macht etwas mit uns, das wir schwer benennen können, wir treten in eine Phase der Anverwandlung, vermischen uns mit der Substanz der Insel. Der Dreck, die Hitze. Wir laufen an dunklen Körpern vorbei, die beredte Botschaften verströmen, ohne ein Wort, starke Signale. Wir hingegen sind Mzungus, wir wissen nicht, was ihnen unsere Haut erzählt. Wir lassen uns treiben. Mit jedem Partikel, den wir in den engen Gassen verlieren, schreiben wir unsere Anwesenheit in die Geschichte des Ortes. Die Übersetzung findet ohne uns statt: Der innere Kern der Insel liest jede Sprache und speichert sie, für immer. Bereits nach wenigen Stunden kann die Veränderung, die wir durch unser bloßes Dasein bewirken, nicht mehr rückgängig gemacht werden; auf den Microcosmos ist Verlass. Was kommt danach? Wer von uns wird wo eingreifen? Und warum?
Unsere Gedanken keimen und verketten sich im Teig der Tage. Wenig von dem, was wir bereits wissen, findet eine Entsprechung hier; wir lassen Ideen in die heiße Luft ausschwärmen und bereiten uns vor.
Nachts legen wir uns unter die Netze und träumen. Nur die kleinsten Insekten durchqueren die engen Maschen, saugen, wechseln zu anderen Körpern, vermischen uns Schläfer mit den anderen Warmblütern der Insel, verteilen die in uns enthaltene Information. Allein das Gedächtnis der Zellen verfügt über die Fähigkeit der wortlosen Übertragung: Keime. Vergegenwärtigung. Glück. Krankheiten. Gerüche. Empathie. Gemeinschaft. Lippen, dick wie Törtchen. Säuren und Laugen. Vorbehalte. Die Selbstverständlichkeit, sich zu ereifern. Bewegungen. Opulenz ohne Dekadenz. Die Höflichkeit derer, die wissen, dass allein Höflichkeit nichts kostet. Zufall versus Schicksal. Differenzierungen. Der Geschmack von Dreck. Eseldunst. Das Gefühl von Kraushaar auf der Kopfhaut. Geschlechtsspezifisches. Wie es ist, hier aufzuwachsen. Sand, trocken und nass. Die Kratzigkeit von Fischschuppen. Der Moment der Intimität, wenn der dünn besohlte Fuß einen Haufen frischen Eseldungs betritt. Wachstum. Lethargie.

Auf dem Platz vor dem alten Fort sprechen Männer in Mikrophone, manche ordentlich und berufen, andere schon halb zerfetzt vom Gelebten. Die Menge versammelt, verläuft sich wieder; nur die ganz Alten bleiben bis zum Abend sitzen. Wir lauschen dem Klang der Stimmen, ohne Orientierung: Der Geist begibt sich auf Abwege, macht andere Beute. Alles ist gleichzeitig. In halbrunden Schalen siedet Öl in den Gassen. Teile von etwas, das ursprünglich ganz anders ausgesehen hat, werden hineingeworfen, zischen auf und sind fast sofort gar. Man nimmt ein Tütchen davon entgegen und stippt die Stücke in eine rosafarbene, körnige Substanz. Zucker? Salz? Wir verschieben die Verkostung.
Vereinzelt schwarze Schleier, unter denen onyxfarbene Pupillen alles sehen. Die tief verhüllten Frauen halten nie an, um zu essen; sie sind immer unterwegs zu einem anderen Ort. Sie tragen Früchte nach Hause, Kartoffeln, Fisch. Stoffe. Wir glauben, dass sich unter ihren schwarzen Gewändern raffinierte Schichten anderer Materialien verbergen, Höschen aus Spitze, geschmückte Innenflächen, bemalte Haut. Nichts davon können wir dem schmalen Fenster entnehmen, das die Augen freigibt.
Die plötzlichen Eindrücke und der Wind, immer Wind. Wenn er nachlässt, legt sich die Hitze wie ein wabernder, dicker Gewürzkuchen über die Wahrnehmung und macht alle Gassen dicht.
Wir kaufen Kikois und XXL-T-shirts in kleinen, dunklen Lädchen, an deren Schwellen die Schlappen zurückgelassen werden, um den Sand nicht ins Innere zu tragen. Abends finden wir uns in geschützten Ecken zusammen. Der Einfluss der afrikanischen Gepflogenheiten ist nicht mehr zu übersehen; wir tragen Perlen an allen Gelenken und entwickeln einen Hang, viele dünne, weit fallende Kleidungsstücke übereinander zu tragen. Nach und nach verschwindet die Schminke aus dem Repertoire, Lippenstifte schmelzen, vernachlässigt, in den Hülsen. Wir verwenden Parfümöle. Es gibt sie in hunderten von Varianten, kleine Fläschchen in den verglasten Ladentheken, fünfzig Schilling das Stück.
Lamu sei das St. Tropez von Afrika, behauptet ein Kerl, mit dem niemand etwas zu tun haben will, es heißt, er stelle jungen Mädchen nach. Unerhört, ein afrikanisches St. Tropez. Wer braucht schon ein zweites St. Tropez? Auf der Insel gibt es nur ein Automobil, einen Range Rover, den fährt der District Commissioner an der Waterfront auf- und ab. Zwei Minuten braucht er von seinem Haus bis zum Arbeitsplatz, drei, wenn ein Esel im Weg steht. Was sonst zu transportieren ist, erledigen Esel und Boote.
Die gut betuchten Ausländer schwelgen in Diskretion. Nur aus beiläufigen Bemerkungen beim gemeinsamen Abendessen erschließen sich ein paar gesellschaftliche Zusammenhänge. Wir hören jenen zu, die etwas zu erzählen haben und erwarten desgleichen. Man kennt sich, die Metropolen sind nah, hier auf Lamu, Laptops liegen auf den Diwanen, Ipods. Eine Menge Teenager, deren Eltern viel Geld verdienen, oder einfach schon immer welches hatten. Die Teens sind hübsch und fahrlässig und gehen zuhause auf Schulen, die ihre Eltern schon besucht haben.

Jede zweite Begegnung ist konspirativ, jedes Vorhaben muss sorgfältig in die Substanz des Ortes geknetet werden, bis es zum Ereignis werden kann. Ein flüchtiger Geruch, die leichte Verengung einer fremden Pupille, ein Stückchen Holz, das abends unter unseren Füßen zerknackt: Wir sind in der Mitte von etwas, nicht mehr am Rand. Die Nächte schaffen keine Distanz, keinen Abschied, der herandämmernde Morgen scheint den gleichen Tag anzukündigen, der gestern schon war. Bei Stromausfall brennen nur vereinzelt Laternen in den Häusern. Wir benutzen die winzigen Lämpchen spezieller Feuerzeuge, die es hier überall zu kaufen gibt. Später bewegen wir uns im Dunkeln, wie die anderen. Die Mauern der Häuser rücken nachts zusammen, es ist, als würde man durch Röhren laufen. Das einzig Helle ist das Weiße in den Augen derer, die uns entgegenkommen.
Wenn die Sonne aufgeht, glühen die Farben wieder. Wir machen Pläne. Einer von uns entwirft unweit der Stadtmitte ein Domizil für Künstler und Schriftsteller, bringt privates Geld auf, setzt den Bauprozess in Gang. Die neuen Gebäude entstehen auf dem Gelände einer ehemaligen Fabrik für Palmöl. Öl: Das Zeug, das Prozesse geschmeidig macht. Vielleicht hat das Gedächtnis der Insel ein Einsehen und lässt uns das Künstlerdomizil durchgehen, im Namen der Geschmeidigkeit. Wir nennen den Ort Factory; schon jetzt hat er eine Geschichte.
Wir werden ganz sicher neue hineinschreiben, wir betasten den Rohbau, inspizieren Perspektiven; aus den Ideen, die wir entwickeln, entstehen die Phantome zukünftiger Gäste. Wer sind die Verwandler, die Künstler und Denker auf beiden Seiten, die hier zusammenzubringen sind? Das Gelände hat schon jetzt eine erwartungsvolle Aura angenommen: Etwas ist im Gange. Es wird nicht genügen, die vertrauten Muster aufzurufen.
Die Arbeiter auf der Baustelle sind alle jung. Sie tragen keine Hemden, doch ihre bunten Wollmützen behalten sie an, selbst mittags, in der größten Hitze. Ist das eine Art Mode, die Mützen? Wir wissen nicht viel und erkundigen uns nur nach dem, wofür wir ein System mitgebracht haben.
Fragen, Fragen. Im Deutschen klingt das Wort wie eine Säge, ganze Brocken von Zusammenhängen kann man damit durchsägen. Was heißt fragen auf Suaheli? Werden wir die Sprache lernen? Vielleicht wären die ersten unserer neuen Fragen welche, die im Körper zusammengebraut werden: Eine Leber-, eine Herzfrage. Eine Darmfrage. Eine Lungenfrage. Wir brauchen die Umwälzung unserer Systematiken, um interessante Ansätze zu entwickeln. Mehr Irritation. Anders strukturierte Zeit. Weniger Beschwichtigung, mehr Profil.
Diese Dinge sind möglich hier. Die Lust auf Neues hat Einzug gehalten in Lamu, doch in welche Richtung sie unterwegs ist, kann bislang niemand beantworten, ohne an die besonders berüchtigten Fragen zu geraten: Besser leben, was ist das? Weniger Krankheit und Krieg? Wer soll besser leben, essen, Geld ausgeben, alle, oder nur einige? Kann so etwas wie Beiläufigkeit entstehen zwischen uns, die wir kommen, und jenen, die noch nie woanders waren, so etwas wie Selbstverständnis? Einmal fertig gestellt, wird sich die neue Factory so diskret und natürlich in die Umgebung einfügen, als sei sie schon immer da gewesen, ein frei bespielbares Konstrukt. Die alte hat Öl produziert. Was wird die neue hervorbringen? Braucht es Moderatoren für die künstlerische Produktion? Wie viel Freiheit verträgt das Projekt? Und wer nimmt die Herausforderung an, es mit den sprachlichen Begriffen zu bekleiden, die nötig sein werden, wer greift nach dem heißen Eisen?
Der Druck muss wachsen. Da, wo es nicht riskant wird, passiert nichts von Belang.

Draußen gehen die Ortsansässigen ihren eigenen Zielen und Geschäften nach, von denen wir nicht viel erfahren. Männerstimmen in den Gassen, ihr Klang bricht sich an den alten Häuserwänden, aus Korallenstücken gefertigt, jedes von Menschen oder Eseln geschleppt. Seitdem große Steine verwendet werden, dauert das Beladen der Tiere nicht mehr so lange, doch der schwere Tritt ist derselbe geblieben. Vielleicht sind sie Nachkommen einer einzigen Eselfamilie, die schon Jahrhunderte auf der Insel ansässig ist. Vielleicht sind die Esel die älteste und inzüchtigste Sippe hier auf Lamu. Nah am Wasser liegt die Donkey Clinic, von den Briten während der Kolonialzeit errichtet, dort werden die schwächlichen Tiere hingebracht und wieder aufgepäppelt, ein überdachtes Holzschild weist auf den Urheber der Einrichtung hin. Als ob irgendjemand auf die Idee kommen könnte, dieses Verdienst den Einheimischen zuzuschreiben: Warum auch sollte ein Arbeiter einen anderen bemitleiden?
Mittag, die Sonne steht hoch. Ein Bussard hängt fast reglos mit ausgebreiteten Schwingen in der Brise. Schwalben warnen. Jemand schlägt einen Nagel ein. Tok, tok. … tok. Er hat keine Eile. Ein junger Mann breitet frisch gewaschene Wäsche auf einem benachbarten Dach aus, die Ecken beschwert er mit Steinen, damit der Wind sie nicht fortweht. Die Hitze der Dachpappe scheint seinen blanken Füßen nichts auszumachen. Seine Fußsohlen sind ausgewalzt und an den Rändern etwas knotig, wie Pizzateig, als habe er noch nie Schuhe getragen. Ein Dach weiter ist auf einer sauberen Stelle Getreide zum Trocknen ausgestrichen. Wer fliegen kann, pickt sich seinen Anteil weg.
Keiner stört sich daran. Vom Wasser her Kindergeschrei.
Manche von uns haben die Persönlichkeit erkannt, die im Kern dieser alten Stadt lebt und ihr mit unseren eigenen Häusern eine Fassung gegeben. Eine Ästhetik von der Art, die man schmeckt und berührt, benutzt und genießt, nicht eine, die befangen macht. Der Stil, den wir dabei entfalten, ist eine Fähigkeit, die längerer Studien bedurfte; viel Geduld und Sorgfalt steckt in den Details. Ein wenig neidvoll inspizieren wir den Charme jener Häuser, deren Bewohnern die Erziehung fehlt, nicht aber die Auffassung.
Viele Stunden am Tag scheint komplexes Denken unmöglich. Wir entwickeln Antennen, die es durch etwas ersetzen, das wir Intuition nennen würden, wenn uns das Wort nicht so peinlich wäre. Doch dann, eines Tages, verweilen wir lange an einem zufälligen Platz in der Sonne, und ohne dass wir es merken, sickert das Konzept von Peinlichkeit in die Erde und wird von der Insel verschluckt. Abends schon ist es, als habe es nie existiert.
Später steigen wir auf die Dächer. Der Wind kommt jetzt massiv vom Meer herüber, das nur wenige Meter entfernt ist, zischt zwischen den weißen Zinnen durch, wütet in den offenen Bassins der Dächer wie ein gefangener Derwisch, rast mehrmals hoch und tief und diagonal über alle Oberflächen und fegt dann weiter ins Inselinnere. Alles ist ständig in Bewegung, die Seiten der Bücher flappen, die Haare, Gegenstände rollen über den Boden. Eben taucht die kleinste Schwalbe aus einer Strömung. Sie macht ein Geräusch, als würde sie ein Netz aus feinstem Glas durch die Luft ziehen.
Was wir sonst noch brauchen? Nichts. Nicht, auf gar keinen Fall, Menschen, die immer gerade im Begriff sind, etwas Interessanteres anzufangen als das, was sie gerade tun.
Durch die Zinnen das Wasser. Die nächste Insel, auf der bisher nur einige Häuser stehen, ansonsten Mangrovenwälder. Eine Motorsäge, weit entfernt. Die Stimme eines Muezzins hebt sich zum Gebet, rechts, es scheint, als stünde er auf gleicher Höhe auf einem anderen Dach, bis uns klar wird, dass nur die Lautsprecher der Moscheen so hoch angebracht sind. Es gibt sehr viele davon hier. Die ausgeleierten Stimmen der anderen Rufer fallen kreisförmig ins Gebet ein, Allah Akbar, singen sie, Gott ist groß, und Mohammed ist sein Prophet. Mühelos vermischen sich die Rufe mit den Geräuschen des Ortes, unmöglich, sich zu distanzieren von der Selbstverständlichkeit des Appells. Der erste Ruf erklingt schon vor dem ersten Hahnenschrei.
Wir sind müde. Die Gedanken flappen im Wind wie ein Haufen nasser Kikois. Unter uns wird das Haus geputzt, der Staubsauger läuft, Plastikeimer werden gefüllt und wieder entleert, die jungen Männer bringen alles in Ordnung, solange die Mzungus aus dem Weg sind. Alle sind unterwegs, außer uns: Wir können nur ein gewisses Quantum an Begegnung vertragen. Warum müssen unsere Leute nur so viel sprechen? Verbale Kommunikation wird überschätzt; wir möchten länger schweigen. Vielleicht sollten wir es mal mit Leere versuchen. Das Sammeln von Information, das jahrelange Anhäufen dessen, was der Verstand nur hergibt, bis ein relevantes, intellektuelles Konstrukt entsteht: Hier scheint es wie der Versuch, mit einer kleinen Schippe im offenen Meer eine Insel aufzuschütten. Vielleicht wäre es interessanter, das Meer zu sein.
Transition. Anverwandlung einer anderen Essenz. Wie auch immer, es geschieht nur, wenn wir nicht mehr Bedienstete des eigenen Gedankenstroms sind, der uns erfolgreich von dem abschirmt, was man das Innere Sein nennen könnte. Zugang zur Quelle: Das ist im Grunde, und immer wieder, das Einzige, das Bedeutung hat. Die Störgeräusche des Ego ausblenden, um etwas zu fassen zu bekommen, das mehr Substanz entwickelt als die eigene Befindlichkeit.
Hier kann das gelingen, nach einer Weile. Es liegt am Wind, der morgens langsam anfängt zu zupfen und im Verlauf des Tages immer heftiger wird: Er säubert das Gehirn wie ein Putzerfisch.
Eben haben wir ganz klar die Gegenwart der Pflanze, die neben uns die Wand hoch wächst, gespürt. Nachdem wir schon vor Tagen bemerkt hatten, wie ihr Schatten als Scherenschnitt auf die Mauer fällt.

10 Gedanken zu „Gewebeprobe: Die Insel

  1. inhalt: sehr gut…. form:? der traumhaftgute text mit den 1000 ansätzen zu den träumen von 1000und einernacht hat nur ein problem: er steht so fad digital da…man möchte ihn viel lieber auf sehr grobporigem papier lesen, auf einem papier das auch ein bisserl riecht oder auch stinkt, man hat das bedrüfnis mit den fingern einmal ein bisserl hinzugreifen …ein geiles betasten-und wenigstens die seite umblättern…aber das ist allles nicht möglich.
    bei diesem idiotischem medium , wo der text in einer hässlichen 08/15schriftart, klein, elektronisch und in einem rahmen befestigt ist, in welchem links noch kleine werbungen und wortfetzen von lesern angefügt sind….ein gräuel!

    ich weiss schon: ihr werdet zurückschreiben (oder mich ignorieren und nur denken): was schreist du, du arubber, du, der du hier ja deine meinung kundgeben darfst…das kannst du in einem buch nicht, das können dann nur die päpste im tv oder in der zeit.

    aber :ich rufe auch nicht zum wiederergreifen des federkiels auf….ich füge nur an…..dass uns etwas verloooorengegangen ist. nur das.

    • @Errorking „Die Insel“ gibt’s auch auf Papier, und zwar bei >>> die horen, in Band 237 : Der Sprung über die Kante / Das Schreiben als Kunst, mitsamt vieler anderer sehr lesenswerter Texte. Vielleicht ist Ihnen das Papier nicht großporig genug, aber es riecht ein bißchen!
      Johann P. Tammen, der Herausgeber dieser Bücher, ist nämlich ebenfalls ein Liebhaber des gedruckten Wortes.

      Dennoch: für mich ist digital nicht fad. Wir haben nichts verloren, sondern hinzugewonnen. Eine Erweiterung, die es vielen Schreibenden möglich macht, ihre Texte und Ideen zu teilen und zu diskutieren. Sehr viel unmittelbarer und selbstbestimmter, als das oft über den klassischen Weg möglich ist. Und die Rezeption? Ich selbst habe mich erst an das Lesen langer Texte im Netz gewöhnt, als ich anfing,
      hier selbst zu schreiben.

    • eine unpoetische antwort: 16 euro 50 sind 33 dm oder in schilling fast 250 schilling….. dafür hab ich vier dicke 1000 und einenacht kaufen können….
      nicht betrübt sein: aber diese preise sind ja absurd…ich versetze mich NUN in andere schöööngeistige menschen: es gibt in der welt eine myriarde tolle texte, warum sollte ich mir gerade diese kaufen(ausser mir vielleicht)…im atniquariat bekomme ich für 50cent die herrlichsten klassischen und modernen texte……..für die reslichen 16 euro kann ich dann meine geliebte in den botanischen garten einladen und dann sogar zum schweinsbraten im gartenlokal davor…

    • ene praktische Replik: Sie läsen länger daran, als Ihre Geliebte für den Verzehr des Schweinsbratens an Zeit benötigte und Sie selbst, während Sie Ihrer Geliebten beim Essen zusähen, für das eine große Bier. Mehr geht sich nämlich mit 16 Euro nicht aus. Um 16 Euro gibt’s aber auch 16 Plastiksäcke Kartoffelchips oder ca. 8 kg Bio-Kartoffel, falls das Frittieröl in ausreichender Menge schon mal unterbeschäftigt in der Küche herumlungert. Um das Geld ist auch ein Kasten Bier zu haben. Ist alles eine Frage der Prioritäten.
      Aber im Ernst: Physische Nahrung darf ja schon nichts mehr kosten. Dass in solchem Umfeld geistige Frischnahrung überhaupt noch Absatz findet, erfüllt mich mit leisem Staunen.

    • Dem, lieber Kienspan, kann ich mich nur anschließen. In meiner Welt, so sehr ich Schweinsbraten goutiere (!), hat er doch noch nie als Argument herhalten müssen, Bücher nur noch antiquarisch zu kaufen.
      Selbst als ich noch sehr viel weniger ausgeben konnte als heute, war Lektüre (ob nun günstig oder teuer) die e i n e Sache, für die ich immer irgendwie die Mittel aufbrachte. Doch das bleibt natürlich jedem selbst überlassen.

    • Auch von mir für Errorking. Das, was Sie als Verlust beklagen, geht unter anderem deshalb verloren, weil Sie 16,50 für zu teuer halten; sie haben also selbst Anteil, und so wird Ihre Frage vom Bigotten ausgehöhlt. Wenn die Dichter darauf warten müssen, daß ihr Werk antiquarisch zuhand wird, werden sie verhungern. Der Prozeß ist nicht unähnlich jenem, der den Bäcker mit BackPoints vertrieb: der Teig in Ländern geknetet, deren Hände schon verhungern, und tiefgefroren durch die Slums transportiert, um als Luftfracht in die reichen Länder aufzusteigen, wo er unter die selbst bei HartzIV noch reichen Gaumen gelangt.

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