Snippets. Dienstag, 17. Mai 2011

[…]
“Meine Zeichnungen stacheln mich auf. Alles stachelt mich auf, dabei hab’ den Kopf noch voller Konvention. Ich sitze hier und beobachte, wie die Stadt dunkler wird und langsam die Lichter in den Wohnungen angehen. Bilanz: soundsoviele Lichter sagen: ich kenne Dich nicht, soundsoviele sagen: ich kenne Dich, Du hast aber keinen Zutritt mehr, soundsoviele sagen: willkommen Phyllis. Benutzte Stadt.
Der Maxwellsche Dämon. Sein Problem ist es, daß er das Wissen über eine große Menge von Molekülen speichern muß, aus denen er die Arbeit längst gewonnen hat. Er ertrinkt in alten Beobachtungen. Der Grund, weswegen er den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik nicht verletzen kann, besteht darin, daß er, um ein Molekül zu beobachten, zuerst die Ergebnisse früherer Beobachtungen vergessen müßte.
Aber mein neues Zeug macht mich heiß, die Option auf Fehler läßt mich erschauern vor Aufregung, auch wenn ich ihr nicht trauen kann, nie sicher bin, ob sie sich nicht drei Tage später als Manöver der Selbstbeschwichtigung entlarvt. Wild cards.
Mein Nachbar hat einen Satz Weißwäsche gewaschen und hängt sie auf den Balkon, alles weiß, kein Ausrutscher dabei.
Ich will mehr arbeiten. Wenn ich schon gestört werde, dann von Ängsten, die sich nicht abweisen lassen. Ich hab’ Sprengstoff in den Fingern. Ich brauch’ ein Ghetto, eine Megastadt! Schluß mit den vernünftigen Projekten, die ständig auf mich runterlabern.”
[…]

Aus einer Korrespondenz mit einem Kurator. Vor genau 13 Jahren.

16:58
Himmel, hilf. Komplettversagen der Verstandesleistung heute. Ich sollte mir ein paar Eier zum Brüten unterlegen: Wär’ sinnvoller, als es weiter mit Denken zu versuchen.

11 Gedanken zu „Snippets. Dienstag, 17. Mai 2011

    • Das hat doch mit Moral nix zu tun, die Moral braucht auch kein Mensch, aber noch weniger als das braucht man Ghettos, Rassismus, Menschen die sich als etwas besseres vorkommen als andere

    • Doch, hat es. Ghetto war für mich ein Wort, das ein außerhalb dessen bezeichnete, was ich damals als zu klein empfand, zu konventionell gesetzt. Das war nicht wertend gemeint. Sollten Sie eigentlich wissen, Sie lesen doch hier oft, dass ich mit der Kategorie Menschen, die Sie da nennen, nichts gemein habe. Vielleicht war das Wort damals ungenau gewählt, kann schon sein.

    • Im Ghetto gibt’s keinen Rassismus. Aber auch kaum Gutmenschen. Die zieht’s nach 17 Uhr zurück in die Gutmenschvillen in Hanglage. Das macht das das Ghetto zu einem lebenswerten Ort. Auf Zeit.

  1. “Er ertrinkt in alten Beobachtungen.”

    Den Satz finde ich fantastisch. Wirklich. Also ueberhaupt kein Versagen der Verstandesleistung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.