Der Apfelbiss. Sonntag, 15. Mai 2011

die recherche für einen gedankengang führte mich weit in pro ana welten heute morgen stop danach fühlt sich selbst der biss in einen apfel wie sünde an stop bei eva war der wenigstens noch mit erkenntnisgewinn verknüpft stop stop stop stop stopstop stop stop stop stop

19:20
Irgendwo in K**** sitzt eine Frau in einem Haus mit einem Klapprechner auf dem Schoß und arbeitet sich langsam durch ein Skript. Die Fenster stehen Tag und Nacht offen, damit die Geräusche und die Düfte sie mit der Außenwelt verbinden. Manchmal, wenn ihr der Kopf raucht, tritt sie auf den Balkon mit dem wunderbar verzierten Geländer und lässt ihr Haar herunter. Aber bisher ist noch niemand daran hochgeklettert.

13 Gedanken zu „Der Apfelbiss. Sonntag, 15. Mai 2011

  1. erkenntnis… …wäre für mich in dem fall PRO-apfel. nachdem ich heute um halb 2 endlich etwas gegessen habe und mich plötzlich minimal-euphorisch fühlte!

    • @Katja Diejenigen, die sich fast – und manchmal ganz – ins Off hungern, sind noch viel euphorischer…

      Dieses Schwinden wollen bildet etwas ab. Eine gesellschaftliche Fehlentwicklung. Ich bezweifle, ob die durch die bestehenden Programme eingedämmt werden kann. Die Zahl derjenigen, die ihren Hunger mit Hunger füttern, nimmt anscheinend zu.

    • genau… …das wollte ich darstellen. ein käsebrot ruft bei mir mehr euphorie hervor. ich finde essen wunderbar, auch wenn ich es selbst manchmal vergesse, um dann wieder festzustellen, welch gutes gefühl es auslösen kann. für mich ist das hungern nicht nachvollziehbar…

  2. au backe bin gerade vorsichtig einige schritte in richtung dieser welten gepirscht.
    (und hab’ auf dem absatz kehrt gemacht)

    • @Wiegenleid Verständlich. Aber das sind alles Frauen mit ungeheurer Energie. Ein Verlust, auch für die Anderen, dass sie sie dafür einsetzen, sich unsichtbar zu machen.

    • Die bildlichen Eindrücke haben mich vergrault (hab’ gerade nicht die Nerven dazu, mich zu stellen). Es sind Frauen, ja. Junge Frauen vor allem, und ich frage mich insgeheim, welche Rolle bei diesen “Entgleisungen” die Väter gespielt haben könnten. Nein, nicht korrekt: insgeheim ahne ich einen Zusammenhang.

    • @Wiegenleid Diese Krankheit wie ein Superzeichen. Die beiden Extreme Anorexie und Fettsucht bilden für mich eine Klammer, die grundlegende Ängste unserer gegenwärtigen Gesellschaft abbildet.
      Die Väter, ja. Die Mütter ebenso.

    • Das Problem : ich kann die Krankheit annähernd verstehen, als eine Ausprägung menschlicher Reaktion auf Leben, Gesellschaft, Erziehung etc. pp oder als Krankheit, Fehlfunktion, Sucht. Aber die Verstärkung durch Foren, Gemeinschaften, in denen man nicht “Heilung” (ich setze das bewußt in Anführungszeichen), vielleicht ein Arrangement mit sich und der umgebenden Welt sucht, das mindestens das Überleben im wahrsten Sinn des Wortes ermöglicht, läßt mich sowohl hilflos wie auch fassungslos zurück. LG tinius

    • @Tinius Die Pro Ana Seiten passen zu dem, was ich über Anorexie weiß. Unter anderem, dass sie nicht heilbar ist. Sie verschwindet nicht aus dem Kopf, selbst wenn es gelingt zu verhindern, dass der Körper sich selbst auffrisst irgendwann.
      Die Energie solcher Frauen ist enorm, ich schrieb es schon. Sie werden süchtig nach dem Triumph über die Bedürfnisse des Körpers. Kommt Ihnen das bekannt vor? Glauben, Buße, Läuterung durch Selbstzucht… bis zum Erlöschen. “Der Heilige lebte von einem Reiskorn pro Tag.” Immerhin, er überlebte. Viele der vom Askesedämon gerittenen Anorektikerinnen tun das nicht.
      Vielleicht ist das sehr weit hergeholt. Es reicht vielleicht, zu sagen, dass man ihnen allen (durchaus auch Männern inzwischen) wünscht, sie könnten den Dämon von der Schulter schütteln. Sie leben im permanenten Ausnahmezustand. Das macht extrem einsam; man wird, unter normalen Leuten, zum Alien. Das Mitgefühl der anderen schlägt irgendwann in Wut um, angesichts solcher vermeintlich hirnloser Selbstzerstörung. Mich wundert es nicht, dass dann versucht wird, zumindest im Netz Orte zu schaffen, wo man sich unter seinesgleichen fühlen kann. Der Gefahr sind sich sicherlich die meisten bewusst. Sie nennen es “Thinspiration”: das Motivieren zum Weiterfasten durch Bilder. Wissen genau, dass solche Trigger sie nur weiter in den Ruin treiben. Ich kann aber nicht beurteilen, ob größere Heilungschancen für die Betroffenen bestünden, wenn es solche Sites nicht gäbe.

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