Jumpin’ TT. Dienstag, 11. Januar 2011.

Guten Morgen. Erinnern Sie sich an Bockspringen? Lang her, hm? Ich mochte das immer. War eh gut im Turnen, viel besser jedenfalls als beim „Jazztanz“, der irgendwann an meiner Schule in Mode kam (das ist was für Ihre Retrodetailsammlung, Melusine), bei dem wir diese Stöckchen in die Hand bekamen, an denen meterlange farbige Bänder befestigt waren. Die musste man dann rhythmisch bewegen, und sich selbst möglichst elegant dazu. Das konnte ich g a r nicht – ich mochte den Bock! Das Pferd. Und den Kasten. Hauptsache schwer und mit Leder bezogen. Ah, und der Stufenbarren! An dem war ich ein As. Nur das Reck war mir zu wenig Gegenüber, so ‘ne dünne Stange, viel zu immateriell. Ich hatte gern was Substanzielles vor mir, wenn ich Anlauf nahm, daran hat sich seitdem auch nichts geändert.
Wenn alle drüber gekommen waren, wurde der Bock höher gestellt und weiter ging’s. Irgendwann, wenn er zu hoch wurde, dotzte man mit voller Wucht vorne dagegen. (War für die Jungs bestimmt keine angenehme Erfahrung, fällt mir eben ein, der Anblick blieb mir als Schülerin einer Mädchenschule allerdings erspart)
Wie ich darauf komme?
Gestern, im Gym, drückte mir meine Trainerin einen riesigen Medizinball in die Hand. Yippie! Plötzlich war ich wieder vierzehn. Meine Trainerin lachte sich schepp, weil ich das Ding mit solcher Wonne attackierte. „Was ist denn mit D i r los“ fragte sie.
„Ich liebe die Dinger“ schnaufte ich, und trat noch mal nach.
Heute Nacht träumte ich dann vom Bockspringen. Wie es sich anfühlte, Anlauf zu nehmen. Und stelle heute Morgen fest, mir fehlen diese einfachen Körperroutinen: Rennen, springen, stehen. Seit fast fünfzehn Jahren mach’ ich Krafttraining, doch plötzlich packt mich eine Sehnsucht nach Pferd, Bock und Barren. Lustig, oder? Stehen die Dinger eigentlich noch irgendwo rum? Schade, dass meine Wohnung so klein ist, sonst würde ich mir ein ausrangiertes Pferd reinstellen.
Hat jemand eins übrig?
Falls ja, schmeiß ich den Schreibtisch raus, um Platz zu schaffen : )

4 Gedanken zu „Jumpin’ TT. Dienstag, 11. Januar 2011.

  1. ein bisschen zu spät! als großnichte eines turngeräteherstellers hätt ich ihnen alles mögliche verschaffen können. nur ist er leider schon in konkurs gegangen. anscheinend war auch die allgemeine nachfrage in den letzten fünfzehn jahren schwindend;-)

  2. Retrodetails – sammele ich die? Habe ich schon wieder etwas getan, woran ich mich nicht erinnere oder erinnere ich mich an etwas, das ich nicht getan habe? Ich bin mir unheimlich. Jedoch zweifelte ich nie (und werde dies auch fürderhin nicht) an meiner unbedingten Treue gegenüber Winston Churchill: No sports. Niemals sprang ich über einen Bock, nie berührten meine Hände ein Reck, nie turnte ich auf ein Pferd, nie rammte ich gegen einen Kasten und nie, nie, nie schwang ich bunte Bänder. Nee, nee, nee. Ich atme – tief. Ein und aus. Ich dehne und strecke Arme und Beine. Ich stehe im Helden und auf dem Kopf. Ich drehe und winde mich. Aber das ist kein Sport. Auch renne ich. Das ist gleichfalls kein Sport. Ich renne immer wohin – und ich texte dabei. Sie können alle Pferde, Böcke, Barren haben, alle, alle, alle. Plus Medizinbälle und Hanteln. Und alle anderen Foltergeräte der modernen Fitnesspflege auch. Ich muss mich schonen, wenn ich nur daran denke. – Hilfe, ein Verwöhnbad!

    • Ach, Melusine, Sie (nicht erschrecken jetzt) scheinen mir in Ihrem ganzen Wirken so hochenergetisch, dass man wahrscheinlich höllisch viele Kalorien verbrennt, wenn man sich nur in Ihrer Nähe aufhält ; )
      Nee, nee, baden Sie mal weiter.

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