56 Gedanken zu „Einmal geübt, schon gekonnt, XXIII

    • Es ist die Tapete! Aber nicht nur … Wenn auch bei David Lynch Pflanzen eher als ausdruckslose Topfpflanzen vorkommen, etwa bei “Lost Highway” als Wohnzimmerbestandteil, so ist es hier die Blumentapete, die an Lynch erinnert, vielleicht auch noch die Vorstellung von Hotel und langen Gängen. Was ANH aber meint ist die Sache mit dem Pfirsich in “Wild at Heart”.

    • @Norbert W. Schlinkert, Pfirsich ff Sailor: “She turns over, peels off them orange pants, spreads her legs real wide and says to me…’Take a bite of Peach.'”

      Meinten Sie dies?

    • Gut gesprengt ist halb gewonnen! Wobei wir schon wieder bei Herrn Herbst wären! Eine Geschichte in seinem neuen Buch (“Azreds Buch”) handelt nur von der Notwendigkeit und vielleicht auch von der Lust am Sprengen. Und behandelt nicht auch Pynchons “Gegen den Tag” dieses Thema ausgiebig, jeden Rahmen sprengend!?

    • Azreds Buch lese ich auch gerade. Spreche aber noch nicht drüber, will es erst einmal abschließen. Pynchon … hm… war nie “mein” Autor. Muss mal darüber nachdenken, warum das so ist.

    • (Fast) alles drin Ich lese zwar “Azreds Buch” im Moment (noch) nicht, war aber auf der Lesung des Herbstes in der Tucholsky-Buchhandlung zugegen. Was Pynchon angeht, so ist nach der Enttäuschung mit dessen “Mason & Dixon” (nach knapp 500 Seiten hat’s mir gereicht) und nach “V.” (joh, ganz gut) “Gegen den Tag” eine echte Überraschung. Das Buch hat etwas von einem Comic, oder eher einer Graphic Novel, da ist alles drin (außer tiefsinnige Protagonisten bzw. poetische Ichs), nur ohne gezeichnete Bilder. Jean Giraud (bzw. Moebius) oder auch Grzegorz Rosinski könnten daraus eine super Comicserie machen, nur die pornographischen Situationen sollten sie Milo Manara überlassen, jetzt, wo er im Alter ein bißchen mehr Ironie gelernt hat.

    • Gegen den Tag wird es also im Laufe des Winters. Einverstanden. Was Manara anbelangt, so sehr ich ihn schätze, aber da gibt es in Frankreich inzwischen eine Reihe mindestens ebenso begabter Zeichner für dieses gewisse Genre. Ich stöbere da immer wieder in den Kellern der Comichandlungen.

    • Rumkugeln statt Rumgekegeltwerden Na, ein perpetuum mobile ist die Gönnerei nicht, das hilft auch Sich-Kugeln keineswegs, das ja ohnehin etwas Rückbezügliches hat, so wie Sich-Baden, sich den Arm brechen (gönne ich keinem), sich Sorgen machen, sich selbst in die Tasche lügen, sich selbst auf den ungebrochenen Arm nehmen … Sie wissen schon, was ich meine!

    • Guten Morgen! Norbert, ich schaute mal nach in meinem – verstaubten – exemplar “Mason & Dixon”: das lesebaendchen, ich meine faedchen – wie heisst das bei fachleuten? – blieb auf s.587 haengen. ich erinner mich, mich auch ein wenig mit dieser schwarte rumgequaelt zu haben
      (wobei ich nun auch bei rum & Mars gelandet waere, indeed ein weites feld, besonders wenn – wie letztlich aufregend – wasser aufm Mars gefunden wurde anstelle rum drin. soweit zur herrentorte). aber “sich selbst auf den ungebrochenen Arm nehmen” hatte ich noch nie gehoert vorher, ist aber so schoen wie “mein gesicht ist wie ein ungemachtes bett”.
      in meinem Mason & Dixon fand ich noch ein ganz brauchbares, selbst gezeichnetes ex libri und zwei eintragungen vorne: “Schiffsname FFM: “Runterladen” (Download)” und “Lee: dem Wind (zu)geneigte Seite (mit dem Wind)”

    • Pynchon und das nicht gebrochene Herz Immer schwierig, ein Buch zu empfehlen, kann eigentlich nur schiefgehen. Bei mir liegt “Mason & Dixon” im Kleiderschrank, weil ich es bald zu Oxfam bringen will, dann dient es wenigstens noch einem guten Zweck. Wie ich bei schauerfeld.de schrieb, bin ich als Kulturwissenschaftler ohnehin kein Fan absoluter Hingabe an nur einen Dichter oder Schriftsteller, das wäre selbstverschuldete Unmündigkeit. “Gegen den Tag” kann ich aber der guten Phyllis durchaus an’s hoffentlich nicht gebrochene Herz legen, denn wer eine bestimmte Art Comic / Graphic Novel mag, der kann auch “Gegen den Tag” mögen. Als Schriftsteller allerdings will ich mich von Pynchon nicht stark beeinflussen lassen, da schreibe ich schon anders. Bin aber mal gespannt, wie die Reaktionen auf Pynchon ausfallen. So, jetzt mach ich mal das Bett und dann geht’s an die (Text)-Arbeit, quer durch die Jahrhunderte, alles mit der erklärten Absicht, sowohl etwas Großartiges zu machen als auch gegenwärtiges Leben mit einem Einkommen pekuniärer Art zu bereichern. Muß doch zu machen sein!

    • *grinst über die Schlangenlederjacke* Ich hab’ mal ne Lesungsreihe gemacht, die Phyton hieß.

      “Ist das ein Hut?”
      “Nein. Eine Schlange, die einen Elephanten gefressen hat.”
      Der olle kleine Prinz, gegen den Melusine B. so allergisch ist, immer fällt er mir ein bei Schlangen.

      (Was treibt sie eigentlich, Melusine? Worüber denkt sie heute nach? Gleich mal bei den Gleisen nachschauen …)

    • Die Melusine ist systemrelevant… oder tut wenigstens so. Sie ehrt Niklas Luhmann. Hängt ihn auf oder ab. Dann fragt sie sich: “Können Fragen wie Küsse sein?” Und antwortet sich: Nee. Über die Gleise geht heute ein Freundinnen-Paar: beide haben Sex, aber nicht miteinander. Die eine tut andern wohl. Die andere will sich vergessen. Philosophisch gesprochen: Gibt es altruistischen Sex? Die Frauen dort sind sich uneins. Melusine sagt: Nee. Oder besser: Mag´s geben, aber ich mag das nicht. So wenig wie den Kleinen Prinzen :-).

    • Altruistischer Sex. Altruismus (lat. alter ‚der Andere‘) ist definiert als eine Verhaltensweise, die einem Individuum mehr Kosten als Nutzen einbringt zugunsten eines anderen Individuums.
      Ich hatte bei altruistisch ja zuerst auf Sex in freundschaftlich gewordenen Liebesbeziehungen getippt, aber nach d e r Definition passt das nicht – denn auch, wenn das Motiv für Sex mehr eines der Innigkeit und Zuwendung ist als eines der Leidenschaft, ist der oben erwähnte “Nutzen” (gruseliges Wort in diesem Zusammenhang) doch, denk’ ich, beidseitig gegeben. Bin aber auch eher Phy- als Philosophin.

      Und: Doch! Fragen können Küsse sein. Da gibt es jemanden, mit dem ich jenes küssende Fragen leidenschaftlich gerne betreibe. Ist aber auf die Domäne der Sexualität begrenzt. Und zwar streng ; )

      Sie sind systemrelevant.
      Unbedingt.

    • Fragen können doch Küsse sein….? …wenn? (metaphorische Küsse sind´s hoffentlich nicht…)

      Nee (damit hat die Melusine es heute, mit dem “Nee”): “freundschaftlich gewordene Liebesbeziehungen” waren nicht gemeint. Oder vielleicht doch? Kommt mir gerade so unattraktiv vor wie “altruistischer Sex”.

    • … ja schade, hätte mich interessiert, weil ich ja so ein bisschen allergisch bin gegen die Fragerei, so in der Art: “Gefällt dir das?” Ich finde immer: Wer fragen muss, hat schon verspielt.

      Aber ich gehe davon aus: Sie meinen andere “Fragen”;-)

  1. Tolles Bild, ich würde aber beim ersten Titel bleiben, weil doch bei einmal geübt schon gekonnt, als Übung “Lost Stairway” komisch klingt, oder? Der linke Arm hat wirklich unheimliche Qualitäten, das Unheimliche am Bild und die unglaublichen Schuhe, die gabs schon mal wo bei Ihnen, oder? Diese Mischung aus s/w, eine Art, Verzeihung, Gehhilfe, inklusive Knieschoner, der im Licht verschwindende Arm und natürlich der Anblick einer Schönen von hinten, bei der man nicht so genau sagen kann, zieht sie das Licht an, oder weicht sie davor zurück im Angesicht stierender Blumen: Grusel, Schocker. Und ich muss dabei die ganze Zeit in Abwandlung eines Duchamptitels denken, ein Akt, diese Treppe hinab, oder eben hinanzusteigen.
    Ah, mir fällt aber noch ein, wenn es bei “aus dem Schatten treten” bliebe, dann nimmt man wirklich an, die Person auf dem Bild läuft tastend rückwärts, was mir als Vorstellung auch besser gefällt.

    • sehr reizvoll schwebend. neben allem schon bewundernd geschriebenem mag ich das dunkle geländer der schwarzen blumenzwischenräume auslaufend rechter hand, sowie seine parallelperspektivische ergänzung darüber: in die schulterpartien & sodann die türzarge übergehend. die zwei schienenden blumenzwischenraumlinien könnten auch als zentralperspektivischer boden gelesen werden, so daß die figur horizontal schwerelos vor paravent & fenster schwebe. selbstverständlich ohne vor oder zurück.

    • @sowieso, Sie haben recht mit dem Titel, das Ding hat mich den ganzen Tag schon gestört – dass ich’s geändert hatte. Doch wer könnte mich hindern, es zu widerrufen, gell.
      Und noch was: an Duchamp dachte ich auch. Während ich’s mir überlegte, das Motiv. Dass Sie darauf kommen. Klasse.

    • Es ist ja auch fast schon gemalt, das Schweben, A23H: im Gegensatz zu den meisten Fotos aus der Reihe hab’ ich an diesem ein paar Stunden nachgearbeitet, um das leicht gruselige zu fassen zu kriegen.

    • ja gemalt. wäre mal interessant, das gemalte photo so gedreht zu sehen, dass die tapete als fussboden erschiene.da gefällt mir der neue titel nicht mehr: treten scatten ratten hatten schatten…

    • Treten, ff … aber das bleibt erstmal jetzt mit dem Titel…
      (Und Sie selbst sind dem fotografiert werden ja auch nicht ganz abgeneigt, eben fand ich dieses bei Ihnen und dachte nur glücklich: blues brothers, ich hoff’, das ist jetzt keine Beleidigung…)

    • natürlich. ich bin gerne schnell beleidigt 😉 denn: dachte dabei eher an “meninblackian cup of tea” – mit selbstauslöser aufgenommen in einem schaurigen musikcafe (“lion”) in tokyo, neben mir der amerikanische komponist carl stone .
      zu ihrem bild fällt mir (wieder) ein: http://www.youtube.com/watch?v=Ep6auM5XKlI&feature=related – da ist dann das auch mit dem treten wieder gebongt (ist denn “aus dem schatten treten” aktiv oder passiv gemeint? ich meine: treten sie aus dem schatten einen in die nuss, oder kehren sie ins licht?;-) let’s get lost – hör ich jetzt musiq bei ihnen? gespens_tisch…warum so kurz? (schade, wieder gelöscht…)
      was mir auch gefällt, ist, dass augenblicklich der tag hier in fernost bereits aus seinem schatten getreten ist (während das abendland noch nah an der geisterstund’ dämmert): http://a23h-words.blogspot.com/2010/11/sansuyou.html

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