TTag, 13. Juni 2010. Mit diesen unsichtbaren Händen.

In der vergangenen Nacht konnte und wollte ich keine Ruhe finden, kennen Sie das, wenn das Bewusstsein einfach nicht abschalten will? Klar kennen Sie das. Fatal, wenn am nächsten Morgen Job und Beruf warten, wunderbar, wenn man im Ausnahmezustand, im “Freien” ist. Magisch auch, wie sich Kommentare zu den L.-Briefen noch spät nachts einfanden, offiziell oder per Mail; ich saß in dieser fremden Stadt und fühlte mich so eigenartig verbunden, hatte plötzlich diese kindliche Freude, im Internetzeiten zu leben: mehr oder weniger ungefährdet Worte, selbst wenn nur angedeutet, wechseln zu können mit anderen “da draußen”, die ebenso Persönlichkeitsfragment bleiben wie man selbst, und gerade darum bleibt dieses Fließen möglich, ebenso wie un-vermitteltes Verstummen, ohne Bestrafung.

Dieses im offline-Leben kaum relativierbare dem Anderen “gerecht” werden müssen, das Freundschafts-, Familien, auch kollegiale Beziehungen eben mit sich bringen – online mit Fremdvertrauten ist das anders. Es gibt keine Pflicht. Außer der vielleicht, die gebotenen Formen des Respekts zu wahren, doch selbst die können auf vielerlei Weise kreativ unterwandert werden: manchmal ist auch ein harsches Wort, ein zynischer Einwurf, ja Dada-Getrolle willkommen, weil’s der Aufladung dient.
Nebenan übt jemand am Piano.
Viel, viel besser als der Möchtegern-Popstar, der sich gegen zehn an seiner E-Gitarre vergriff, im Sinne des Wortes.
Ich geh’ mal meine Liegestützen machen.

3 Gedanken zu „TTag, 13. Juni 2010. Mit diesen unsichtbaren Händen.

  1. Bei Erich hätte man das “Plan-Vorsprung” genannt… … der 14. ist morgen…

    Und noch schlimmer ist: alle “Freiheiten” der Welt haben (zweite Variante, “im ‘Freien'”) – und es einfach nicht packen, weil man zu lange und zu oft “die Pflicht erfüllt” hat (erste Variante, “wenn am nächsten Morgen Job und Beruf warten”; finde ich auch interessant, diese “Unterteilung” von Job und Beruf, das macht ja kaum noch jemand, weil eh’ alle jobben)…

    Ist das Gejammer? – Sorry…

    Häff fann!

    Das Fossil

    • So. Nochmal kurz zurück, weil mir die Unterscheidung von Job und Beruf schon wichtig ist: es wäre sicher nicht verkehrt, wenn dieses altmodische Beruf im Sinne von Berufung nicht ganz verloren ginge, weil sonst das wunderbare berufen sein gleich mit verschwände…
      Den Pflichten, die hier schon wiederholt Anlass zur Diskussion gaben, enthebt einen das nicht, im Gegenteil: wer sich freiwillig eine Berufung zuschreibt, hat viel, viel weniger Freistunden als ein klassischer Arbeitnehmer. Und kann die oft gar nicht auskosten, weil das sich selbst frei geben eine schwierige Übung ist.
      (Ich arbeite aber heftig daran, das irgendwann hinzukriegen ; )

      Nö, Sie jammern nicht.
      Fossilien bekam ich als kleines Mädchen immer geschenkt, Schnecken und so; ich trug sie in Silber gefasst um den Hals.

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