TTag, 27. Mai 2010. Aus der Deckung gehen.

Wie mich gestern den ganzen Tag ein Unwohlsein begleitete, meine Darstellung des Herrn K. betreffend. Ob das geht, ob ich das will: hier auf TT einen realen Namen attackieren. In meinen Überlegungen spielte dabei überhaupt keine Rolle, ob gerade dieser Mann es seinem politischen Handeln zuzuschreiben hat, aufs schärfste angegriffen zu werden. Hat er – er hätte viel mehr Gegenwind, ja Gegensturm ernten sollen im Laufe seiner Amtszeit. Ebenso nebensächlich ist, dass er selbst so massiv ausgeteilt hat, dass jeder Skrupel, ihn öffentlich an den Pranger zu stellen, eigentlich im Keim ersticken sollte. Man muss, vorausgesetzt, man fühlt es auch, sein Handeln bekämpfen. Ja.
Wahrscheinlich ist das genau der Punkt. Sie, werte Leser, werden es, und zu Recht, völlig absurd finden, denn Tainted Talents ist ein privates Weblog und hat keine Macht: ich mag es nicht, Menschen lächerlich zu machen, sie beschädigen zu wollen. Es geht mir richtig gegen den Strich. Egal, wie sehr sie es „verdient“ haben.
Nun, mir ist bewusst, das ist keine angemessene Haltung jenen gegenüber, die selbst mit größter Selbstgerechtigkeit und Aggression gesellschaftlichen Schaden anrichten. Deswegen hab‘ ich mich auch geäußert, obwohl ich politisches Handeln eher instinktiv als faktisch zur Kenntnis nehme: um das, was Koch repräsentiert, abzulehnen, reichen gute Instinkte völlig aus.
Dennoch stelle ich fest, wie unwohl ich mich dabei fühle; ich ziehe indirekte, künstlerisch übersetzte Angriffe vor. Und obwohl es mich geniert, will ich Ihnen dieses Unwohlsein nicht vorenthalten. Denn vielleicht bin ich nicht die Einzige, die aus diesem Grund immer wieder zaudert, dort Haltung zu zeigen, wo sie verdammt noch mal nötig ist, auch aggressiv.
Aber würde ich mich auch hinstellen und einem politischen Gegner meine Meinung vor versammelter Mannschaft direkt ins Gesicht sagen? Ja. Natürlich. Aber wie oft, wie beharrlich? Na, wenn ich wütend genug wäre, auch sehr ausdauernd. Die Sache ist nur die: ich weiß nicht, ob ich eine solche Situation nicht bewusst umgehen würde. Und solange ich nicht felsenfest sagen kann, ja, ich würde in den Ring steigen, kommt mir meine wohlfeile private Empörung ein wenig redundant vor.
So. Jetzt isses gesagt. Sie dürfen sich mir jetzt gerne überlegen fühlen.

21 Gedanken zu „TTag, 27. Mai 2010. Aus der Deckung gehen.

  1. Lob für Phyllis Liebe Phyllis,
    man hat so Hemmung (oder auch nur ich???) mal richtig zu loben. Was Nettes zu sagen, scheint oft gleich wie „Schleimen“ zu klingen. Und jetzt tue ich es doch:

    Sie werden mir immer sympathischer!!! Mit diesem Beitrag heute besonders. Genau so fühle ich das auch, deshalb konnte ich das gestern auch nicht stehen lassen.

    Was ich da geschrieben habe über Herrn Koch, das würde ich ihm persönlich (hätte ich die Gelegenheit und ich würde ihr auch nicht ausweichen) sagen und ich habe es so auch schon seinen Anhängern (die es tatsächlich dort, wo ich mich bewege, gibt) ins Gesicht gesagt. Sogar ein wenig drastischer, weil die Situation danach war, damals, als die Unterschriften gesammelt wurden gegen die doppelte Staatsbürgerschaft, aber die Passanten schrieen: „Wo kann ich hier gegen die Ausländer unterschreiben?“ Das hat mir beinahe Prügel eingetragen.

    Man darf denen nicht das Feld überlassen, die pöbeln im sogenannten „öffentlichen Raum“, den man sich nicht wegnehmen lassen darf. Auch wenn ich manchmal so müde bin, dass ich dem Streit ausweichen mag. Und man sollte auch nicht nur da verkehren, wo man nicht auf sie trifft.

    Obwohl – dazu neige ich auch manchmal. Und deshalb kann ich Sie so gut verstehen.

    • @melusineb. Ganz vorneweg: schade eigentlich, dass man sich immer fragt, ob man loben darf. Ich für meinen Teil lobe gerne, bewundere gerne und möchte das auch jenen, die es betrifft, mitteilen dürfen, ohne gleich als Schleimerin zu gelten. Umgekehrt kann ich Lob auch annehmen, ohne gleich anzunehmen, es stünde irgendeine instrumentalisierende Absicht dahinter. Danke also für Ihre Reaktion!

      Und natürlich sollte man sich nicht nur unter jenen bewegen, mit denen man sich in sozialen und politischen Frage einig ist. Tu ich aber. Hat sich im Laufe der Jahre so ergeben. Unter Autoren und Künstlern muss man sich eh nicht auf unangenehme Überraschungen gefasst machen – uns eint das meist instabile Lebensmodell, das hält das Bewusstsein für die Belange gesellschaftlicher Randgruppen wach und agil.
      Trotzdem. Gelegentlich auch aus der Komfortzone gehen und kämpfen. Wenn’s zum Schutz anderer ist, sowieso.

  2. politblogs neigen ja dazu, politische diskussionen zu verarbeiten und kommen somit nicht umhin einen teil des politischen jargons mitzuzeichnen, was auf mich dann genauso kümmerlich wirkt wie der politische diskurs selbst.
    ansonsten interessieren mich einzelne politfiguren sowieso nicht, wenn dann die jeweilige politische haltung, für welche eine einzelne figur ja meist steht.
    blablablablablablablabla – kurzum
    wäre eh nett, man könnte künstlerisch elementare positionen fern von ( meist ja eh simpler alltags-)politik stets verarbeiten, dann lobt man aber ja nur die schnittchen des kaffekränzchens ( sprich food ), seine präferierte auswahl an drogen bishin zum sex ( welcher allerdings so schnell auch nicht fern eines politisch-hierarchischen darstellbar ist ) oder vielleicht technische errungenschaften fern von kriegerischkeit, wobei ein „krieg in den betten – oder der geschlechter“ da schon wieder zum sexuellen in politischer hinsicht zurückzufallen droht.
    ansonsten ist doch das private blog kein instrument politischer meinungentäusserung – es erreicht in der regel einfach zu wenig leute – mal angenommen es gäbe tatsächlich blogleser, welche sich wirklich über ihren meinungsrahmen hinaus entgrenzen wollten.
    selbst in diskussionsblogs sehe ich eher eine allgemeine tendenz zu starrer selbstbehauptung
    soweit mein blabla dazu.
    trotzdem :
    es lebe die kunst!
    & sorry für diese flüchtig hingeschluderten statements.

    • @lobster Sicher ist: Tainted Talents ist kein Polit- sondern an seinen guten Tagen ein Kunstblog. Meine Rezeption politischer Vorgänge kann definitiv als schlampig bezeichnet werden.
      Sie sagen, das private Blog sei kein Instrument politischer Meinungsentäusserung (sind Sie sicher, dass Sie entäußern meinen und nicht äußern?) – nun, da bin ich anderer Meinung. Es ist nicht wichtig, wie viele Menschen man erreicht, sondern, aus der Passivität herauszutreten. Jedes Blog leistet das, sogar die reinen Plapperblogs. Initiativ statt passiv sein: das muss kein Big Bang werden. Man muss sich auch nicht auf Demos eins auf die Glocke hauen lassen. Ich mag auch kleine Effekte. Vor allem mag ich, wenn ich schon ein Weblog führe, dort zu tun und zu lassen, was ich für richtig halte. Wenn ich mich immer daran hielte, was „man“ in welchem Kontext legitim machen „darf“ und was nicht, würde ich innerhalb kürzester Zeit vor Langeweile ohnmächtig…

      (Insofern auch: lieber „hingeschluderte“ Statements als der eigenen Trägheit nachgeben und gar nicht reagieren ; )

    • ohnmächtig ? – oh nein, liebe frau phyllis, doch nicht ohnmächtig werden, oh je, nein, bitte nicht!
      gruselige vorstellung das.

      ne vielleicht noch unrealisierte künstlerische aktion fiel mir gerade ein :

      einen porsche 911 & einen smart fortwo ( also zweisitzige automobile ) ein zweisitziges sportboot und ein tandem synchron – auf einem haufen sozusagen – mittels c4 in die luft sprengen.
      ein künstlerisches plädoyer insofern gegen egoismus und zweierkisten.
      naja so auf die schnelle fehlt das motorrad usw. und es wäre wohl ein wenig undurchdacht.
      ( währenddessen würde dann eine möglichst leichte lokomotive von dem vermutlich dazu erforderlichen leistungsstärksten transporthubschrauber d. w. an den ort der performance geflogen – also dazu fehlte dann ein kleiner berg : nachdem die fahrzeuge explodierten, taucht so rasch wie möglich über der bergkuppe die lokomotive als rettung der mobilität auf – zur not geht auch ein kleiner reisebus, vielleicht das gute alte hippiedingsbums T1 von vw aus den 6ties. )

      also insofern kann ihr ( ein ) blog auch mitunter ein ort verführender inspiration sein – mein letzter gedanke dazu war eigentlich erstmal nur der porsche 911 und sonst nix.
      ( so als surrogat für kriminell in brand gesteckte porsches also – kunst als ersatz )

      wüsste ansonsten nicht was ich noch so zu ihren überlegungen – welche ich ja irgendwie teile – hinzufügen hätte können.

    • @lobster Das mit den Autos in Brand stecken hat irgendein Künstlerkollege bestimmt schon gemacht. Sicher weiß ich, dass es jemanden gibt, der neue Autos zu Würfeln zusammendrückt (nein, nicht von Hand!) und diese dann ausstellt, ein Amerikaner, den Namen müsste ich erstmal wieder googeln.
      Lustig, dass Sie nur Zweisitzer zerstören wollen! Hippiekutschen bleiben verschont? Ich muss Ihnen gestehen, ich fahre einen Smart! Er ist klein, unaggressiv und verbraucht verdammt wenig Sprit. (Ob Sie jetzt noch mit mir sprechen werden??)
      Meine eigene Aggression richtet sich gegen die blank geputzten, meist schwarzen Pseudo-Range-Rover, die in unseren Innenstädten rumgurken, Vierradantrieb, tonnenschwer und breit wie Harry, als würden sie morgen zu einer Wüstenrallye aufbrechen. Was sie nicht tun. Sie laden morgen nur ein paar Bierkisten und ihren blöden Kinderwagen hinten rein und fahren in den Stadtpark. Brrr.

      Ob Autos in die Luft sprengen Kunst ist, hm … mir wär’s ja zu unraffiniert. Mag daran liegen, dass mir Autos eh keine Glücksgefühle verschaffen, ich benutze sie halt. Insofern könnte man meinetwegen auch einen Porsche als Kunstaktion vor meinen Augen sprengen – die Provokation wäre an mich glatt verschenkt.

      (Ich werde also erstmal nicht ohnmächtig, ok? : )

    • Das wird richtig unheimlich, liebe Phyllis,…: seit Jahren züchtet sich in mir (ich möchte da kein „Ich“ einsetzen, das dies tut) so ein Hass gegen die SUV-Fahrer(innen). Fast möchte ich sagen, ach was, ich sage es: Das ist der Lackmus-Test. Man braucht nur das schwarze, dicke Auto zu sehen, dann kann man sicher sein: Sieht man durch die Windschutzscheibe auf den-/diejenige auf dem Fahrersitz, dann braucht man keine weiteren Indizien mehr. Dieser Mensch kann allenfalls h ö f l i c h behandelt werden (an guten Tagen). Mehr ist nicht drin bei direktem Kontakt (der selbstverständlich meist vermieden wird).

      Wir könnten ja mal eine Aktion ausbrüten – so analog zu Lobsters… Andererseits will man derentwegen auch nicht unbedingt in den Knast einfahren, versteht sich.

    • ach wer wäre ich denn, dass ich wegen solch einer marginalie ein gespräch mit ihnen zuküftlich verweigerte ?
      ich wäre der, der ich vor ein paar stunden noch war.
      so schnell kann man seine persönlichkeit über die bloggerei – findet sie unter aufgeschlossenen menschen statt – verändern, insofern eine so blitzgescheite und kurz um sich schlagen könnende charmante person wie sie es für mich sind an gesprächen einen gehörigen anteil haben.

      @melusine

      naja – eine mögliche performance ginge dann wohl in richtung suv.
      also einen suv mittel heli auf einen hohen berg fliegen oder auf ein klitzkleines unberührtes atoll.
      z.b.
      was aber dann ?
      hm.

    • auf dem atoll eine art dekadenten porno drehen.
      wir, der suv und das atoll – es sollte nicht grösser sein als ein paar fussballfelder also schön vom heli aus anzoombar, mit ein paar palmen und tschüssikoffski.
      fast schon ne idee für nen musicclip.
      was für lady gaga irgendwie.

      sorry für das wohl etwas linkische, sicherlich etwas altbackene und grammatikalisch verrutschte kompliment.

    • oje jetzt hab ich heute zu unsensibel hier gepostet sorry.
      naja – zumindest äusserst sozialverträglich was meine art eigentlich nicht durchwegs ist.
      haben sie einen persuasiven einfluss auf mich lady phyllis ?
      sind sie eine subliminal wirkende radikalenflüsterin ?
      puuh – voller besorgnistragender ratlosigkeit nun, der lobster.

  3. Ich habe jetzt mal gerne ‚überlegt‘ und denke nach wie vor, dass man die oben angesprochene ‚Gesinnung‘ des Herrn K. (geht nicht, ist von F.K. besetzt), also des Herrn K0. durchaus an seiner Physiognomie schmissig ablesen kann. Das hat nichts menschenverachtend an sich, aber da hat sich etwas durchgesetzt, was mir zutiefst zuwider ist. Manchmal verschaffe ich diesem unangenehmen Zustand auch grundsätzliche Luft in meinem ‚Privatblog‘, aber das kann natürlich jede/r halten, wie sie/er will. Empörung, so sie sich empört, ist alles andere als wohlfeil!

    „Ich war nie der Typ, bei dem die Frauen auf den ersten Blick riefen:»Der oder keiner!« oder die Männer:»Der ist aber nett!«.“
    (Stern Nr. 4/2009 vom 15. Januar 2009, S. 44)

    • @walhalladada „schmissig ablesen“! *lacht. Wir sind uns da doch vollkommen einig. Ich hab‘ einfach nur versucht, dieser meiner Empörung mal ein paar Schritte nachzugehen – mich zu fragen, welche Formen mir gemäss und praktikabel sind und wo mich dieses merkwürdige Unwohlsein erfasst. Meine Frage bezieht sich im übrigen allein auf das bloggen, also die Öffentlichkeit – so klein die im Falle von Tainted Talents auch ist.
      Ich bin da auch noch zu keinem Schluss gekommen… doch der heutige Beitrag und Ihre Kommentare dazu sind mir wichtig für weitere Überlegungen in der Sache. Merci.

  4. @melusineb. Lustig. ich ahne, dass sich im Laufe der Zeit da noch weitere Schnittmengen finden werden…

    Zu den schwarzkarossierten: Höflichkeit kann ja, auch das wissen wir beide, die schärfste Klinge überhaupt sein.

  5. @lobster Den dekadenten Porno auf dem Atoll würde ich sofort drehen, wenngleich wohl nicht als Darstellerin… und zwar nicht, weil ich’s unseriös fände, sondern weil ich es als künstlerische Herausforderung empfände, Regie zu führen, vor allem aber, das Drehbuch zu schreiben. Lady Gaga kann ja auch einen machen, meinetwegen, doch ich fürchte, die Dame ist etwas unterkomplex, ihr Produkt würde uns nicht sonderlich überraschen.

    Was nun meine Fähigkeiten als subliminal wirkende Radikalenflüsterin anbelangt, die sind geradezu legendär und Sie nicht der Erste, der ihnen erliegt.
    Ratlos indes muss Sie das nicht machen: erfahrungsgemäss nutzt sich die Wirkung der Honighaut nach einer Weile ab und der gute alte Rebell kommt wieder zum Vorschein, ganz unversehrt : )

    • Skriptgirl Ich übernehme die Aufgabe des Skriptgirls. Und bringe Ihnen den Kaffee, Phyllis. Aber der Lobster muss eine Darstellerrolle übernehmen. Wir stellen ihm auch einen schicken, silberfarbenen Monsterwohnwagen auf das Nachbaratoll, wo er sich zwischendurch ausruhen kann.

      (Wie sieht ein d e k a d e n t e r Porno aus? Mal abgesehen vom SUV und dem Heli ??? Zum Schluss muss es aber unbedingt Explosionen geben – Porno hin oder her!)

    • erliegen könnte, naja.
      muss mich was anderes, ratlos machen.
      honighaut, klar.
      rebell nein.

      da gehts irgendwo zum ausruhen – son chill out area oder so ?
      cool.

    • dekadenter porno ?
      so cheese quake spliffs in otherwise very different places from east to west from coast to coast from heart to heart and from soul to soul folks !
      so we play a little skiffle shuffle – breading my legs at least my knees – and use some kind a oil u never saw as long u lived before that tiny little scene.
      man has a part of one of her nails between his teeth.
      girls crying – what is with my baby ?
      a rocket jets over that small spot of a island –
      then the car is making noise.
      like a horsepowered monster,

    • two girls approachin from west, three from north.
      the palm is dividing ed into three beach types u may be see at goa,
      maybee at your home.
      the car needs some browse.
      then i come up the take.
      i tell the car – baby thats not yer scene yet.
      i am now that kind of fella, who is really present in that film
      so i have to consider.
      what is good for me
      or so

    • the last impression ( kick, blow, fart, joke, smile,should be the best )
      is the last.

      so maybe i have2 talk to the thang.

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