Sie sollten sich wirklich

“Ein ernsthafter Mann” im Kino ansehen. Komme eben heraus und bin, wie immer bei den Arbeiten der Coen-Brüder, ernsthaft beeindruckt. Zu müde gerade, um selbst etwas über den Film zu schreiben. Wer gerne mehr wissen möchte, nu ja, zum Beispiel in der taz kann man das gröbste nachlesen.
Was mich übrigens (wieder mal) auf heftigste irritierte im Kino: Die Leute lachten und stöhnten, als flimmerte ihnen eine Komödie am Auge vorbei. Was ist nur mit denen los? Muss man denn auch als Erwachsener noch jede Art von Betroffenheit durch Lachen von sich abschütteln? Oder fanden sie’s gar wirklich lustig?
War es nicht. Die Bibel war noch nie erheiternd – und “Ein ernsthafter Mann” erzählt die Geschichte eines modernen Hiob. Anders als in der Bibel gibt’s aber kein schönes Ende. Seien Sie also gewarnt. Aber gehen Sie trotzdem rein. Meinetwegen lachen Sie auch. (Immer noch besser als knackende Maischips)

2 Gedanken zu „Sie sollten sich wirklich

  1. Was mich wundert ist der Geist von Rabbiner am Anfang..war es überhaupt ein Geist, der mehrere Generationen lebt..war es ein Dibbuk? Oder war es einfach ein Symbol, für etwas unsterbliches? Gott?

    • @ Bina Den Anfang fand ich besonders gelungen. Wir sprachen gestern noch länger darüber, wie schon diese erste Einstellung im Grunde die ganze danach erzählte Geschichte vorfigurierte. Es wäre ein anderer Film geworden, hätte nicht dieses erste Bild, das ja ein Minifilm ist, schon die Weichen der Interpretation gestellt. Wobei sich die Frage, ob der alte Rabbi ein Dibbuk – in der jüdischen Sage ein böser Geist, der von einem Menschen ohne dessen Zutun Besitz ergreift – nicht aus dem, was gezeigt wird, beantworten lässt. Erst sollte man glauben (gebannt auf die Stichwunde starrend, aus der kein Blut floss) dass er einer sei, dann wurden wieder Zweifel geschürt, als es dann doch kam.
      Wie er dann aus der Hütte in das Schneetreiben hinaus taumelte, dachte ich, – ein Mensch. Definitiv ein Mensch. Er wird sterben dort draußen.
      Wie auch immer, die einzelnen Aussagen des Film fügen sich für mich nicht zu einer schlüssigen Aussage zusammen. Sollen sie wohl auch nicht. Die schreckliche Isoliertheit der Hauptfigur: Niemand interessierte sich für ihn, niemand nahm seine Haltung anteilnehmend wahr. Deswegen können auch die ganzen Schläge, denen er ausgesetzt war, nicht als Prüfung im Sinne Hiobs verstanden werden – sie kamen ja alle aus einer Kälte der Umgebung heraus, nicht aus der Absicht einer höheren Macht, seine Redlichkeit zu testen. Auch wenn er selbst das natürlich anders sah: Er wollte lernen. Doch wir erfahren nicht, was er gelernt haben könnte.

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