Pseudo-Straßenkampf

Nachtrag Sylvester: Die Bevölkerung meines Stadtteils versammelt sich auf dem dafür geeigneten öffentlichen Plätzchen (Platz wäre wirklich zuviel gesagt) und startet den Raketenabschuss. Haufenweise Böller. Einige Jugendliche scheinen es darauf anzulegen, einem die Dinger zwischen die Beine zu schmeissen, die Erwachsenen spritzen auseinander, schimpfen. Hilft natürlich nichts, die Übeltäter sind in den Rauchschwaden nicht auszumachen. Ich stehe mit meinen Freunden etwas abseits, irgendjemand hat ein Sechserpack Raketen mitgebracht, dazu die obligatorischen Wunderkerzen. Die Verletzungsgefahr bei uns ist eher gering, solange wir uns die letzteren nicht in Nase oder Augen pieken.
Wie auch immer, plötzlich hält Freund T., der ewige Schelm, mir etwas hin, das ich als eben angezündete Wunderkerze identifiziere, ich nehme es und halte es in Erwartung des Funkenregens schön von mir weg. Er macht eine Geste mit den Händen. Ich verstehe nicht, es ist gerade ohrenbetäubend laut. Er nimmt mir das Ding wieder aus der Hand (es sprüht immer noch nicht, glüht nur an der Spitze) und fächelt sich den Rauchfaden in die Nase. Grinst. Nu drückt er es mir wieder in die Hand. Ich starre es an. Und meinem schwer beschwippsten Hirn wird langsam klar: Das Ding wird nicht losgehen. Das ist ein Räucherstäbchen. Weihrauch, wenn ich mich nicht irre.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.