Parkschnipsel

Erinnern Sie sich an die beiden Jugendlichen, die mir vor einiger Zeit zwei Zeilen rappten, als ich an ihnen vorüber lief?
Sie läuft im Slow motion style an mir vorbei, Mann,
der Regen stört sie nicht, er macht sie high, Mann.

Den beiden bin ich nie wieder begegnet. Doch seit einigen Wochen läuft mir jeden Morgen ein Mann über den Weg, grauhaarig, mittleren Alters, Nickelbrille. Sein Gesicht ist rot und zerknittert, doch es hellt sich jedes Mal auf, wenn er mich sieht. Er hat ein strahlendes Lächeln.
Seitdem er mir auffiel, frage ich mich, wie er es schafft, im Gehen seine Süddeutsche zu lesen, die er, Runde um Runde ziehend, immer dabei hat.
Heute, mein style war noch slower motion als gewöhnlich, blickte ich ihm nicht ins Gesicht wie sonst, wenn ich nah genug bin, sondern warf einen Blick auf seine Zeitung: Sie war alt. Der Mann liest, jeden Tag, die gleiche Zeitung.

2 Gedanken zu „Parkschnipsel

  1. Abonnement der Postapokalyptischen SZ? Kann sein, dass ich zu sehr von McCarthys “The road” beeindruckt bin, aber das scheint mir einer der letzten Überlebenden zu sein… Hat halt nur die eine Ausgabe um sich an die guten alten Zeiten der Zivilisation zu erinnern.
    Liest er den Wirtschaftsteil?

    • Ich verweilte nicht lange genug an seiner Seite, um zu sehen, welcher Teil der Zeitung es ist, der, ewig aufgeschlagen, morgens schon bereit liegt, wenn er aufwacht. Wo auch immer er aufwacht, der Fremde.

      (Vielleicht wär’ mir die Sache mit seiner Zeitung eh nie aufgefallen, wenn der Mann nicht dieses bezaubernde, strahlende Lächeln hätte. Das jenen, die geistig etwas anders ticken, oft zu eigen ist)

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