Black gloves

Komme eben von einem Vortrag im Historischen Museum, wo ich Teil einer Langzeit-Installation bin. Sie nennt sich “Bibliothek der Alten”, ein Trum von einer Mahagoniwand, bestehend aus lauter großen Fächern, in denen dunkelblaue, mit Leinen bezogene Boxen liegen. In jeder dieser Boxen ist ein Leben enthalten. Man kann hinein tun, was man will. Der Name der Person, die das Leben lebt (ein paar sind schon tot) ist auf ein Messingschildchen an der Kante des Fachs graviert. Ich glaube, wir sind über achzig insgesamt, Alte, die ihre Boxen schon gefüllt haben, Junge, bei denen erst ein bisschen was drin liegt.
Mein Fach ist leer, die Box liegt unterm Bett, mein Abgabetermin ist noch eine Weile hin. Im Ernst: So ist der Deal. Die Alten müssen innerhalb von zwei bis fünf Jahren liefern, die (mehr oder weniger) Jungen haben 25 Jahre Zeit. In regelmäßigen Abständen hält eine der Personen, die Teil der Installation sind, einen Vortrag vor dieser Wand. Irgendwann werde ich das auch tun.
Die Boxen darf man als Besucher nur mit den weißen Handschuhen öffnen, die auf der Vitrine gegenüber ausliegen. Für die erotischen Zeichnungen, mit denen ich meine Box eines Tages füllen werde, werde ich die Museumsleitung um die Bereitstellung schwarzer Handschuhe bitten.

2 Gedanken zu „Black gloves

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