Mund auf!

„Begriff ohne Anschauung ist leer
Anschauung ohne Begriff ist leer.“
Alexan der Kluge

He is the king. Abgesehen von meiner wachsenden Begeisterung für diesen Mann, der hemmungslos und unablässig eben dieses macht – Begriffe mit Anschauung verweben – stellte ich mir gestern Abend nach gefühlten vier Stunden Einblick in Alexander Kluges Welt auf SWR doch die Frage, folgende nämlich:
Diese unzähligen, fragenden, akzentuierenden „ja?“ in seinem Redefluss – was bedeuten die bloß? Merkt er nicht, dass das nervt?
Die Sache ist die, Herr Kluge ist nicht nur der King, sondern auch der gute Onkel.
Heute Nacht kam ich drauf: Der Mann hat sich im Laufe seines Lebens einen schönen, substanziellen Brei zusammengekocht. Sehr nahrhaft. Nun will er uns den füttern. Weil er aber weiß (im Gegensatz zu uns) wie enorm dick der Brei, wie viel davon vorhanden ist, gibt er uns das Zeug Löffelchen für Löffelchen. Einen für Mama, einen für Papa, und dann der ganze Rest der Familie. Wie der gute Onkel, der zu Besuch kommt.
Und jedes „ja?“ bezeichnet den Moment, in dem er sich vergewissert, dass wir runtergeschluckt haben, bevor er seinen Löffel wieder in den Brei tunkt.

6 Gedanken zu „Mund auf!

  1. Begriff und Anschauung Liebe Phyllis, das mit dem Brei hast du schön gesagt, allein: Das Zitat von „Begriff und Anschauung“ ist natürlich NICHT von Kluge, sondern von Kant.

    Ehre, wem Ehre gebührt…

    Roland

    • Autsch Danke für die Richtigstellung.
      Das sind wohl die Eigenschaften des Klugschen Breis, dass er sich alles einverleibt, eher noch anverwandelt, und auf die Allgemeinbildung seiner Zuhörer setzt, Fremdpartikel identifizieren und zuordnen zu können.
      Was nicht immer gelingt
      (und, wenn ich’s recht bedenke, vielleicht auch gar nicht gelingen soll)

      Kluger Gruß : )
      Phyllis

  2. Begriff mit Anschauung ist voll… Ich denke das Kluges Geraune und sein von Dir so wunderbar beschriebenes Fütterungskonzept mit die letzten verbliebenen Methoden sind uns die zitierte Sprachmathematik nahezubringen. Wen würden solche minus+minus=plus, Punktrechnung vor Strichrechnung Kalendersprüche wirklich interessieren? Was bringen die?
    Nur noch mit Aufladung durch Powerpoint-Raunmeister Alex vermittelbar.

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