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Was ich am besten kann? Alleine sein. Fühlt sich am natürlichsten an. Wenn ich alleine bin, gelingt es mir manchmal, mich zu vergegenwärtigen: Ich gerate dann in die richtige Verfassung, meinen Geist in meinen Körper einzuladen. Unbedarfte Beobachter mögen glauben, er sei immer darin, doch das ist nicht wahr; er streift frei umher, nur durch ein dünnes, unsichtbares Elastique mit meinem Körper verbunden. Er ist hochnäsig dem Fleisch gegenüber. Er empfindet die Daseinszustände des Fleisches als banal.
Ich erinnere mich nicht, ob ich dieses getrennt sein von Geist und Körper schon als Kind bewusst wahrgenommen habe. Kann gut sein. Die Neurodermitis plagte mich so sehr, dass ich früh raus wollte aus dem Gebäude meines Körpers. Das geistlose, rabiate, allgegenwärtige Jucken der Haut, von den großen Flächen bis in die kleinsten Winkel, war nicht auszuhalten. Nicht bei gesundem Verstand. Das Geistige an mir wollte weg vom Jucken. Bloß weg.

“Kann halt nicht jeder ein Pilz sein. Na und?”

Wie sich das anfühlt, verstehen wahrscheinlich nur andere Neurodermitiker – es ist wahrlich die Hölle, es hat biblische Qualität, es macht einen klein. Hier das Jucken, dort der menschliche Wurm, der davon heimgesucht wird. Man wird in seiner Persönlichkeit auf Reflexe reduziert, auf Kratzen, oder sich mit aller Gewalt daran hindern, zu kratzen. Das auszuhalten, macht auf die Dauer wahnsinnig, weil es alles andere, subtilere, einfach auslöscht.
Besser, man haut ab.
Da ich schon als Kind Neurodermitis hatte, ist dieses Abhauen in meinem Fall schon lange her. Jeder macht es auf eigene Weise; ich wählte Bücher. Lesen hat mir ganz, ganz sicher das Leben gerettet. Ich muss das so sagen, auch wenn meine Vehemenz für diejenigen, die noch nie in akuter Gefahr waren, peinlich wirken könnte. Alle anderen werden wissen: Es gibt Dinge, die retten einem das Leben. Fertig. So ist es einfach.
Das ist eigentlich keine Geschichte vom krank sein. Ich komme nur darauf, weil ich nach Erklärungen suche, warum mein Geist immer außerhalb unterwegs ist. Warum es ein bewusster Akt ist, ihn ‚nach Hause’ einzuladen.
Denn inzwischen ist er ja friedlich, der Körper. Ich muss ihn allerdings unentwegt und sehr bewusst in Gang halten, damit er geschmeidig bleibt und dem Geist ein wohnliches Zuhause bieten kann. Und dann, selbst wenn der Körper schön ist und warm und vor sich hin schnurrt wie vom Katzengott geküsst, selbst dann braucht es Ruhe, damit Gegenwart eintritt.
So wie
Jetzt.

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