Meet Dr. Eaton Shrink

„Take a seat.“
„Danke.“
„Wie geht es Ihnen heute?“
„Ich möchte nicht über mein Befinden sprechen.“
Er zieht die Augenbraue hoch.
„Jedenfalls nicht so, dass alle hinterher denken, eine Meise hat die.“
„Was würde passieren, wenn alle das denken würden?“
Hm.
„Was würde passieren, wenn alle das denken würden?“ wiederholt er.
„Keine Ahnung. Erstmal nichts. Solange ich nicht verhaltensauffällig …“
„Sind sie das denn mal gewesen?“
„Natürlich. Oft. Aber mit Absicht.“
„Beängstigend wäre nur, wenn es unwillentlich geschähe?“
„Genau. So weit ist es aber noch nie gekommen. Zum Beispiel, dass ich Selbstgespräche führe in der Öffentlichkeit, ohne es zu merken. Oder rieche, weil ich vergesse, mich zu waschen. Oder zu laut lache. Zu oft.“
„Oder nie?“
„Ja“
„Das wären Symptome von Verhaltensauffälligkeit, die Sie ängstigen würden.“
„Ja“

Pause.

„Ihr so genanntes blog im Internet, von dem Sie erzählt haben“
„Was ist damit?“ Aggressiv.
„Die Visibilität ist beabsichtigt ?“
„Gewiss!“
„Als wie auffällig würden Sie Ihre Auftritte im world wide web einordnen?“
„Es ist nur ein blog, kein ‚Auftritt’! Millionen gibt’s davon. Manche sind viel offenherziger als meines.“
„Millionen.“
„Es ist vollkommen normal!“
„Diese individuellen Repräsentationen heißen alle ‚blog’. Richtig?“
„Yes“
„Also ist die positive oder negative Interpretation eines auffälligen Musters vom Format abhängig, meinen Sie nicht?“
„Wie bitte?“
„Nun, ein Internet ‚blog’ scheint allgemein als Format akzeptiert.“
„Yep“
„Was wäre, wenn Sie die gleichen Gedanken stattdessen auf Ihrem Desktop-Drucker ausdrucken und in der Fußgängerzone verteilen würden?“
„Zu Tode genieren würde ich mich! Oder es wäre eine Kunstaktion.“
„Sie könnten es gutheißen, wenn es eine Kunstaktion wäre?“
„Ja“
„Also wieder eine Frage des Formats“
„… ja“
„Verstehe ich Sie richtig, dass Sie sich in Mustern wohl fühlen, die entweder von Millionen anderer mitgetragen werden, oder ganz klar als künstlerische Handlungen definiert werden können?“
„Ja.“
„Das sind zwei Formate: Mainstream und Kunst. Kommen Sie damit aus?“
„Wenn ich beide mal richtig ausschöpfen würde…“
„Und was hindert Sie daran?“

(to be continued)

2 Gedanken zu „Meet Dr. Eaton Shrink

  1. Ja hier! Bekannt! Hallo. Finde ich ja interessantes Denken. Nich nur viel interessanter als meine bloede Hausarbeit. Danke. Auch ein guter Name!

    • Hach. Wer wird nicht gern für sein Denken gelobt. Was den Namen betrifft: Ich kann ankündigen, dass die Figur des Dr. Eaton Shrink gerade im Entstehen ist. Ich erfinde ihn auch visuell, sozusagen, als Comicfigur.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.