Viel leicht

Tag. Nacht.
Gewinnver
lust.

Gib dich zu.
Frieden.
Gib dich
zufrieden.
Wachse hin
auf.

(und hin
—— ab)

Ein Buch aus Ton. Eine Schwelle aus Licht. Ein Gedicht aus Fleisch.
Das Geschenk ist ausgepackt, sage ich, was
jetzt?
Wir liegen offen.
Ein bisschen Schwund ist immer.
Der filigranen Dinge.

Ins Geheimnis zurück zieht uns nichts:
So ist das mit Vertrauen. Man weiß alle Namen im Schlaf.
Wir begnadigen uns.

Du hältst, was du versprichst, ich verspreche mich. Voilà: La difference zwischen Sorgfaltspflicht und Liebe.
Sagst selten vielleicht. Eigentlich nie: Du kannst, oder eben nicht.

Ich gebe viel
leicht zu
viel
zu

35 Gedanken zu „Viel leicht

  1. Nichtschwund Sie beben
    beide
    auf beiden Seiten der
    Waage
    zugleich, die
    zarten Engel mit
    den mächtigen
    Schwingen.
    Sie halten die
    Mitte
    gemeinsam nur.
    Und kein Fuß
    berührt dann
    den Boden.
    Trotzdem Erde.

    • Die Waage… …verlöre wohl ihren Sinn, so ganz ohne die Engelsgewichte. Und was würde aus den fliegenden Engeln? Die ja auch durch die Waage gehalten sind, so wie sie sie im Gleichgewicht halten?

    • Herz, zwei Zünglein wären dann wieder wie kein Zünglein, weil sie das Ausgewogene abermals auswiegen. Zum Glück verändern sich ja ständig die Gewichte in den Waagschalen, sonst würde uns das ganz sicher ermüden. Und auch: flieg, Engelein, flieg! Dich halten zwei Hände zu beiden Seiten, dir kann nichts geschehen.

  2. ich wollte gleich „ich liebe die letzten vier zeilen schreiben. bevor es fast der „zu-peinlich-euphorisch-zensur“ zum opfer gefallen wäre. aber jetzt steht es ja da.
    vielleicht
    freut es
    sie

    • @La-Mamma Ja, es freut mich! Ganz besonders, weil ich gerade erst wieder anfange, mir die Zügel zu lockern. Ich sehne mich nach mehr Expression. Eigener.
      So oft halte ich anderen die Steigbügel, damit sie losgalloppieren können, schreibend. Seh‘ dann beglückt der Meute zu, die hinterm Horizont verschwindet.
      Winke.
      Wenn ich mich dann aber umblicke, ob noch ein Pferd übrig ist, ist keins mehr da. Also setze ich mich auf den Boden und schau‘ in die Weite.
      Wortlos. Bis die nächsten kommen.

      Sehen Sie? Auch ich schrecke vor halb peinlichen Bildern nicht zurück…

      Herzlich!
      Phyllis

  3. Versprechen „Ich verspreche mich.“ Die Spitze der Pyramide zwischenmenschlicher Bindungsvarianten. Gibt es da eine Grenze zu, oder steht es gar synonym für: „Ich kapituliere.“ Oder: „Ich gebe mich auf.“ Oder: „Mach mit mir, was Du willst, ich bleibe.“ Und: Gibt es eine Rückzugsoption? Darf man sagen: „Ich habe mich Dir versprochen, aber ich habe mich getäuscht und gehe jetzt wieder meines Weges – ohne dich.“ Ist es für einen Menschen, der selbstbestimmt durchs Leben wandern will, eine gute Wahl, sich einem anderen Menschen zu versprechen?

    • Naja, poetische Texte sind nicht auf dieselbe Weise zu lesen, wie Lebensratgeber. Das sage ich als einer, der selbst [lyrische] Texte verfasst.

      Und mit den Fragen verhält es sich ganz ähnlich: Da gibt es solche, die von einem bestimmten Erkenntnisgewinn getrieben sind und solche, die sich als Detektoren (ist als sehr freundliches Wort gemeint) erweisen. Unterscheidbar sind sie durch das Netz an Präsuppositionen, welches beide Gattungen aufspannen.

    • @Hans Ich verstehe. Ich habe den Text dann sicherlich zu nahe am gelebten Leben gelesen und verstehen wollen, dabei aber die Tatsache, dass es sich „lediglich“ (bitte nicht falsch verstehen) um Lyrik handelt außer Acht gelassen. Vielen Dank!

    • Das Problem, @Walker, mit „Innentexten“, wie sie Phyllis so treffend zu bezeichnen pflegt, entsteht, sobald sie an die Erfahrung des eigenen Lebens angelegt werden. Sie werden so einer Prüfung auf Tauglichkeit ausgesetzt, die solchen Texten nicht innewohnt. Nicht innewohnen will. Tauglich sind sie dennoch. Sie erzeugen Schwingungen.

      Vielleicht mögen Sie mir kurz in ein Bild folgen und fassen sich selbst als eine kostbare, aus Bronze gefertigte Klangschale auf, an die der Text antippt. Hören Sie den Ton? Das kann der Text. Töne erzeugen. An Ihnen wird der Text empfindbar, wie an jeder anderen Klangschale auch.

      Klangschalen sind nun aber von unterschiedlicher Größe, Masse und Form. Deshalb erzeugt derselbe Text unterschiedliche Töne. Soweit, so trival. Nicht mehr trivial hingegen ist die Veränderlichkeit der Rezeption ein und derselben Klangschale. Die ist nämlich wandlungsfähig. Wird zu Glas, beispielsweise. Mache ich meinen Punkt verständlich? Wenn kein Ton, um in dem Bild zu bleiben, wahrnehmbar ist, kann das am Text liegen; an der Schale aber auch. An Plastik zum Beispiel klingt dieser Text anders.

      Mich fasziniert an solchen Texten, wie sie daher kommen. Als wuchtiger Schlag einer Stahlkugel. Als rotierender Schneebesen. Als klirrender Schlüsselbund. Auch diese Wahrnehmung beeinflusse ich. Indem ich mich aussetze, nämlich. Erst dann, wenn ich mir meiner eigenen Wandlungsfähigkeit bewusst und sicher bin, kann ich mich heranwagen an die Frage, wie mächtig ein Text ist. Mir sozusagen ein Urteil bilden.

    • „Nicht mehr trivial hingegen ist die Veränderlichkeit der Rezeption ein und derselben Klangschale. Die ist nämlich wandlungsfähig. Wird zu Glas, beispielsweise…Wenn kein Ton, um in dem Bild zu bleiben, wahrnehmbar ist, kann… liegen; an der Schale aber auch. An Plastik zum Beispiel klingt dieser Text anders.“

      ich kann mich durch eigenschwingungsbehörung ( auto“Rezeption“ ) von bronce über glas letztlich nach plastik permutieren.

      indem ich mich aussetze, verändere ich den wuchtigen schlag der stahlkugel über den schneebesen zum schlüsselbund.

      ich verändere mich, indem ich mich aussetze.
      – meine konsistenz
      – entschärfung ?

      “ ich gebe vielleicht viel zu viel zu “ – ich gebe vielleicht viel zu viel.
      (zu )
      viel (zu) leicht.

    • @port „ich kann mich durch eigenschwingungsbehörung ( auto“Rezeption“ ) von bronce über glas letztlich nach plastik permutieren.“ – hübsche Darstellung. Wie sieht’s in der Gegenrichtung aus? Kommt man vom „Plastik“ so einfach weg? Hm…

    • @hans musste mir halt offen Ihre poetischen bilder übersetzen und änderte die leserichtungen – nach unten liest wohl jede(r)

      ach so

      saving for compass.ion

    • @Walker Ich finde Ihre Fragen nachvollziehbar. Wenn sie sich auf ein tatsächlich gelebtes, also nicht schreibend poetisiertes Lieben beziehen. Wie allerdings ein „sich versprechen“ in der Liebe mit „kapitulieren“ gleichzusetzen wäre, ist mir nicht klar. Oder mit einem „Ich gebe mich auf“.

      Ich spreche, wenn ich erfüllt liebe, von Hingabe. Wenn die verschwindet, – oder schlicht zur Gabe wird, ohne dieses Hin, diese Bewegung zum Anderen hin – zieht ein passives Element in die Liebe ein. Vielleicht war es dieses Passive, was Sanssourir mit „Schwund“ meinte. Vielleicht auch nicht.

      Wenn ich Sanssourir schreiben lasse, weiß ich nie, was kommt. Sie schreibt in einer Art Tagtraum, ohne Plan. Es ist ein Versuch, mit jener gefühlten Wirklichkeit in mir Kontakt aufzunehmen, die ich bei vollem Bewusstsein nie zu fassen bekomme. Sanssourir hat sich, anders als ich, nicht „im Griff“. Sie kann sich auch nicht täuschen. Oder ein Versprechen zurückziehen. Sie soll sich er-schreiben, ja erfinden dürfen.
      Ich nehme an, für Autor:innen, die Figuren für Romane entwickeln, ist das ein ganz vertrauter Vorgang. Da ich selten Romane schreibe, aber diese Aufspaltung in verschiedene Alter Egos für meine Arbeit sehr inspirierend finde, habe ich mir Farah Day und Sanssourir zugelegt.

      Beantwortet das Ihre Fragen?

    • @Phyllis Im weitesten Sinne hat Hans meine Fragen bereits beantwortet: Ich hatte in meinem Beitrag vollkommen außer Acht gelassen, dass es sich bei Ihrem Text um einen poetischen handelt und nicht um einen Lebensratgeber. Insofern war mein Beitrag falsch platziert.
      Der Vollständigkeit halber zu den Begrifflichkeiten „Sich versprechen“ vers. „kapitulieren“ und „sich aufgeben“. Ich hatte das nicht umsonst als Frage formuliert, weil ich mir selbst nicht sicher bin, ob ein Zusammenhang besteht. Wenn sich jemand einem anderen Menschen verspricht, dann erkenne ich darin eine unabdingbare, fest zementierte Hingabe ohne Widerruf- oder Rückzugsoptionen. Einem Versprechen – in meiner Welt – sind Bedingungen und Nachverhandlungen fremd. Zugegeben: Meine Sicht der Dinge. Wie wir aber alle wissen, ändern sich nicht nur die Dinge, sondern auch die Menschen, mit denen wir unser Leben teilen. Was also tun, wenn sich grundlegendes verändert? Mag sein, dass ich da etwas altmodisch und geradezu dogmatisch denke, aber wer sich jemandem verspricht und das ernst meint beraubt sich vermutlich der mächtigsten Handlungsalternativen.
      Aber, wie bereits gesagt, handelt es sich bei Ihrem Text um Poesie und nicht um einen Lebensratgeber. Insofern ist das Ringen um Wort- und Satzinterpretationen in diesem Fall vermutlich der falsche Anlass. Bleiben wir also bei der Poesie und lassen Ihren wunderbaren Beitrag so, wie Hans es formuliert, wie den Klang einer Klangschale auf uns wirken:)

  4. Kontrapunkt
    Wie du dich versprichst.
    Dein Bild glüht in mir.

    Ich gebe.

    Nicht Frieden.
    Nicht klein bei.

    Der Trumpf in deiner Hand.
    Nun liegt er vor mir.

    Nichts behalte ich zurück.
    Verschwende mich, soviel ich kann.

    Ich gebe vom Höchsten.
    Trumpf sticht.

    Ich gebe zu. Mich.
    Ergib‘ dich. Dir.

    Dein Bild glüht in mir.

    • @Textflüsterer Wie sehr ich Ihr außer-gewöhnliches Flüstern vermisst habe. Nun steht da wieder eines. Es ist sehr warm. Wenn ich ihm Farben hinzufüge, im Kopf, schmelzen sie sofort, so viel Wärme strahlt Ihr Text aus.
      Ineinanderfließen der Sinneswahrnehmungen.

    • @Phyllis Als ich damals schrieb „lost my touch“, empfand ich das sehr real und schmerzhaft. Um diesen „touch“ kämpfe ich – nicht, um zu gefallen. Sondern um jenes Teils meines Seins willen. (wird aber noch eine ganze Weile dauern, bis ich ihm wieder zu vertrauen wagen kann)
      Merci für Ihr Wohlwollen, Madame; küss die Hand.

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