36 Gedanken zu „Spuren hinterlassen, 4

    • @Dragan Das erinnert mich an ein Interview, in dem die französische Künstlerin Sophie Calle auf die Frage hin, ob sie Deleuze und Derrida gelesen habe, sehr charmant mit “Nein” antwortete. Ja, ob sie denn nicht wisse, dass man ihre Arbeit in diesem Kontext einordnen würde?!
      “Doch”, sagte sie lächelnd. “Aber ich lese nie, was andere über meine Arbeit schreiben.”

      Irgendwie hab’ ich sie um ihre nonchalante Ignoranz ein wenig beneidet.

    • nö – vielleicht ist es der weisse hemdkragen, der mich ein wenig spekulieren lassen wollte, ob der mann ( links ) vielleicht deleuze ist. 🙂

    • Wer anfängt sich darum Sorgen zu machen, was andere über die eigene Schreibe denken oder schreiben, sollte sich vom Feder und Tinte ganz entfernen. Wer ist schon ein Buchkritiker der heutezutage auch noch so gefragt ist? Ein Nichts. Ein kompletter nichts der seine oft kommerzbesudelte subjektive Meinung über Bücher und Schriftsteller abgibt und dadurch seine Brötchen verdient. Ein Schriftsteller der auch nur ein Pfifferling auf die Buchkritik gibt, ist tot noch bevor er die erste Zeile fertig hat.

    • Das ist I h r Blick, lieber ANH. Aus meinem ist das ein träumerisches Bild. Eines, das das Herz vielleicht ein bißchen schwer macht, während man sich dem alten Mann zuneigt. Aber nicht bitter.

  1. Ich habe den ganzen Tag das Bild auf mich wirken lassen, und jetzt hab ich’s: es hat etwas von einer Kreuzigungsszene! Der Halbblindmaskierte wird von dem Balken fast erdrückt, die nahezu nackte Figur rechts liegt (oder hängt) bereits auf einer Art Querbalken. Das Bild ist tatsächlich bedrückend, ja auch bitter, wie ANH dies schrieb, und hat eine ähnliche Wirkung auf mich wie die billigen graublaubraunen Drucke katholischer Heiligenbilder, die im Dachboden-Gästezimmer meiner Großeltern im Sauerland hingen. Daß ich als Kind dort selten gut geschlafen habe, muß ich wohl nicht betonen.

    • @Norbert W. Schlinkert Schon seltsam, dass Sie und ANH so viel Leid in diesem Bild erkennen. Für mich erzählt es von den Träumen eines alten Mannes. Vom Weggebrochensein der Kraft. Die Schlafmaske wie eine behutsame Geste, die ihn dort verweilen lässt, wo es leichter ist. Wo Bilder sind. Das schwellende Fleisch sehen: mit geschlossenen Augen. Eine Melancholie.

    • So ein Bild ist eben vieldeutig. Und ehe man sich’s versieht züngelt schon der böse Geist des Eindrücklichen in einem. Kunst sollte mit Warnhinweisen versehen werden, denn sie bereichert die Umwelt nachhaltig, so oder so.

      @moscowitz: angesehen habe ich das Bild nur einmal, und dann wirkte es eben weiter, bis es sich zu dem Begriff der Kreuzigung verdichtete. Da kann ich auch nix für. Prost!

    • @Phyllis Ich weiss nicht was du mit Bildern machst aber ich schau sie mir an ohne grossartig was hineinzuinterpretieren. Hier sehe ich zwei Bilder die so aussehen als ob sie sich von der Wand gelöst hätten. Auf dem einen sind Hängetitten zu sehen (wahrscheinlich ein Bild aus den 40ern) und auf dem anderen eine ältere Person die sich mal ein bisschen ruhigen Schlaf gönnen möchte, die sich allerdings für eine Art von Augenabdeckung entschieden hat die wie eine kitschige Scheuklappe aussieht.

      Willst du auch ‘n Shot Scotch? Norbert ist schon dabei..

    • Herr Moscowitz, Ihr Blick sei Ihnen unbenommen. Und “kitschige Scheuklappe” ist ein überzeugend suggestiver Begriff. Aber auf das Wort Hängetitten reagiere ich irgendwie allergisch, und auf das ewige Duzen bekanntermaßen auch. Sorry, aber: Siezen oder Klappe halten!

    • @Frau Kiehl. Wundersam. Daß ich den alten M a n n erst jetzt erkenne, da Sie alle ihn mir suggeriert haben. Tatsächlich sah ich in dem alten Menschen eine alte Frau. Auch jetzt noch gibt es für mich kein tatsächliches Indiz, das mich einen alten Mann erkennen läßt: selbst in den tiefen Falten keine Spur eines Bartschattens, und das scheinbar kurze Haar kann sehr gut auch weißes zurückgelegtes, am Schädel eng anliegendes Haar sein (das im Nacken möglicherweise zum Dutt wird).

    • @Phyllis Beeindruckend…diese zur Schau gestellte Autorität.
      Die Form schlägt den Inhalt in jäglicher Hinsicht. Diese aufgesetzte Sinnhaftigkeit erst…

      Im Internet erzielt man durch die kalte Annonymität und Hemmungslosigkeit so manch interessanter Ergebnisse. Menschen die sich im normalen Alltag so ziemlich Interessant gefunden hätten, fauchen sich hier ohne weiteres nach zwei Sätzen an. Ein Tisch, ein Scotch auf meiner Seite und eine Cappuccino -mit Schokoladen- bzw. Kakaopulver auf dem hohen Schaum- auf seiten der Blogführerin, hätte höchstwahrscheinlich ganz andere Ergebnisse hervorgebracht.

      Ich lese noch ein bisschen mit…schauen ob die Dekadenz nachlässt, wenn nicht, halt ich -wie suggeriert- dann die “Klappe” ganz. Deal?

    • Mit der Dekadenz, @Moscowitz, haben Sie’s, gell? >>>> Neureiche Dekadenz soweit das Auge reichte.
      Was aber die einen an ihr zu viel haben, vielleicht, haben sicher die andren an Grammatik zu wenig.
      Hie Malt, dort Scotch – so sind immerhin die Positionen gewahrt, wobei “kalte Anonymität” nun wirklich nichts ist, das man Frau Phyllis zusprechen könnte, selbst wenn man den argen, harten Willen hätte, es unbedingt zu tun.

    • @Moscowitz Beeindruckend, wie Sie jetzt die Anrede ganz vermeiden, um nicht auf meine “zur Schau gestellte Autorität” reagieren zu müssen…
      Anyway. Ich hab’ keine Ahnung, mit welcher Projektion Sie sich unterhalten – mit mir jedenfalls nicht.
      War doch nur ein kleiner verbaler Klaps, den ich Ihnen verpasste. Wenn Sie jetzt wieder hier auftauchen, zähle ich Sie zu denen, die sowas mögen.
      Deal?

    • Anyway hmm? Könnte es sein dass sie “auch noch” englisch sprechen kann?

      Bei allem was Alice Schwarzer heilig ist, ich würde diesem Deal zustimmen. Was ist schon ein sogenannter verbaler Klaps wenn ich ihr dafür einen physischen Klaps auf dem -wahrscheinlich- ganz süssen Popo geben darf? Also hell yeah… Deal.

      Ach übrigens, wieso muss ich mich hier mit Kleinadvokaten und Anhängsel ala @Albannikolaiherbst rumschlagen? Mensch ich bin doch schon mit der Chefin beschäftigt, und sie ist doch schon dabei verbal um sich zu schlagen, und scheint -noch- sich selbst verteidigen zu können, wozu also diese schleimigen Hilfestellungen aus dem Hinterhalt?

      PS: Talisker ist zu pfefferig, da fehlt es an Rauch. Ich empfehle Laphroaig Ten mit ein paar tropfen Mineralwasser ohne Kohlensäure. Eine so gut wie unschlagbare Brühe. Kombiniert mit einem verbalen Klaps dieser Frau ist es DAS Combo-Package des Abends. “Anyway”…Cheers 😉

    • Der Kleinadvokat antwortet. 1) Talisker fehlt Rauch? Sie kennen sich nicht aus, zumal bei 40 V% Wasser als Zugabe geradezu blasphemisch ist. Wenn Sie schon von mehr Rauch sprechen, dann allenfalls Coal Ila und Ardbeg, sicher aber nicht der Laphroaig aus dem Supermarkt.
      2) Welchen Hinterhalt meinen Sie? Ich habe immerhin Gesicht, Sie nur einen Nick. Was ich aber verstehen kann, denn ich habe in Ihren Texten gelesen und hatte meine Empfehlung, es mal mit der Grammatik zu versuchen, vielleicht nicht sehr freundlich, doch um so mehr sehr ernst gemeint. Von Leuten, die Auto fahren wollen, darf man den Führerschein erwarten.

    • Du gefällst mir…du versuchst es zumindest. Kein guter Versuch aber immerhin etwas. Ganz recht. Talisker, fehlt es an rauch lieber Kleinadvokat. Du verwechselt die pfefferig, dezente Schärfe des Taliskers (A wird betont und langgezogen, ist ein nordisches Wort und kein Gällisch-Schotisches…wusstest du das? Komm sag ja lol) mit Rauch.

      An dem Supermarkt wo du dein Coal Ila, Ardbeg (welcher eigentlich? Ten der rauchige wilde oder der etwas rundere komplexere Uigeadail (..das ist aber jetzt Gällisch hehe)?) oder eben Talisker bekommst, bekomme ich mein Laphroaig Ten auch 🙂

      Ardbeg Ten ist wunderbar weil er eben nur insignifikant weniger rauchig ist als der Laphroaig Ten. Und mein lieber lies richtig und antworte nicht nur um mal geantwortet zu haben: 40% oder 56%, die rede ist hier von ein paar TROPFEN wasser in den Laphroaig weil er ansonsten für viele wie ein Schock wäre, als ob sie zum ersten mal einen Aschenbecher auslecken würden…Grundsätzlich aber merk dir eines: Was “peat” angeht, da macht Laphroaig keiner was vor. Der rauchigste Ardbeg ist der Ten und er ist softer als Laphroaig Ten. Aber Du scheinst hier ein typ von stiller Klasse zu sein, dir empfehle ich die Finger von Laphroaig und Ardbeg zu lassen. Gib ein bisschen mehr aus (dann brauchst du dich auch nicht dazu herablassen in den Supermarkt zu gehen ;)) und hol dir den Lagavulin 16, der ist gut, ist teuer (ein ganz wichtiger Punkt), hat eine gewisse Reputation und ist auch rauchig. Jetzt aber verschone mich mit deinem Halbwissen.

      2- Bist ein ganz grosser. Dein Angriff kam von vorne und nicht aus dem Hinterhalt am helllichten Tage hast du dich für die Herrin eingesetzt. Ganz tapfer. Ok?

      Ach übrigens ihr Stilisten, wusstet ihr dass Nabokov auch so ein kleiner kleinkarierter Typ war? Der Typ hatte den Nerv, Dostojewski aufgrund seines Stils zu kritisieren. Dabei find ich ist es “Blasphemie” (Lieblingswort des Advokaten) überhaupt den Namen Nabokov mit Dostojewski in einer Zeile zu erwähnen. Majestätsbeleidigung allererster Güte.

      Stil schlägt Inhalt…NOT

      Cheers 😉

    • @Moscowitz. Wenn Sie es hinbekämen, mich nicht zu duzen, und Ihren Text also noch einmal entsprechend revidierten, würde ich Ihnen vielleicht antworten.

      Stil schlägt Inhalt nicht, wohl wahr; vielmehr, er i s t er. Jedenfalls in der Literatur.

    • Ich liebe die Chefin jetzt schon. Ganz im ernst, so rassig, so gebildet, die schönen hohen Wangenknochen, das südländische ragt heraus…ich frag mich grade nur was da interessanter ist: Die schlichte schönheit der Chefin oder die Eloquenz des Fotografen der das Spiegelbild des gegenüber stehendem Gebäude so schön einfangen konnte… Da kann die Chefin übersehen solang sie möchte, sie selbst wird nicht übersehen. Einen “Klaps-Deal” hab ich heute mit ihr abgeschlossen. Den verbalklaps hab ich schon entgegengenommen, die physische Retourkutsche…na ja reden wir nicht drüber. Der stille genieser und so…

      Ich finds jedenfalls süss wie die Chefin ihr Verhalten umstellt, neue Taktiken anwendet, ein bisschen schmunzelt, ein wenig den kopf schüttelt und dennoch versucht von oben herab zu klingen obwohl sie es längst gar nicht mehr möchte. Zugegeben, die Chefin ist grammatikalisch und stilistisch gesehen ein Ass. Fragt nicht nach Sonnenschein! Stil und Grammatik, Grammatik und Stil, ein krampfhafter Kampf um die Disziplin…bis das Wort nicht mehr an den Mann gebracht werden kann? …Sorry, jetzt schweife ich aber wieder ab…Hey Moscowitz, collect yourself man, what da’ fuck is wrong with ya? Get the fuck back on the right track again…I love you. Peace.

  2. Keine Bitternis. Kein alter Mann – besteht da ein innerer Zusammenhang? (Ich vermute: Ja!) Es mag ein Mann sein. Ich habe i h n nie gesehen. Nur s i e – die alte Frau – den Augenverschluss. Keine Bitternis, sondern: Erleichterung. Nicht sehen, nicht gesehen werden. (Wie als Kind, wenn sie die Hände vor die Augen legte, um sich zu verstecken. Das geschlossene Augen-Ikon zitiert diesen Glauben: Wenn ich nicht sehe, sieht mich auch keiner.) Der Balken: Wovon sie sich gelöst hat – die Andere, die sich ausstellt und ausspreizt – darin liegt Hingabe und Aufgabe (dieser Doppelsinn: was sie für sich tut und für den/die Andere/n, der/die s i e h t). Das ist – Vergangenheit.
    Kein Bitternis – Erlösung.
    Bin ich so traurig heute? So traurig, ja. Aber Süße auf der Zunge.

  3. Als Restauratorin sind mir Historien geläufig, ich frage nicht nach den Gebrauchsspuren, denn die gehören dazu, ich frage immer nach neuen Schäden. Können sie mehr als über das Material hinaus sehen? In den Falten, in den schlaffen Partien meint man gerne hineindeuten zu können, und je nach Ausdrucksstärke oder Kunst der Aufnahme, sogar eines gewissen Lesens mächtig zu sein. Es sind Momentaufnahmen, die als Bilder nichts wirklich mehr aussagen als dem Schnappschuss gedient zu haben.

    Hängen die Übereck?

    • @Rinpotsche Die beiden Bilder sind Teil einer Wucherung, die kein Ende findet. Da mein Atelier nicht geheizt ist, wellen sich die Bilder, sie lappen und fallen und werden überklebt mit neuen. Meine Wände sind mein Selbstgespräch, und manchmal teile ich einen Ausschnitt dieses Selbstgesprächs.

    • Ich mag das bildende Leben lieber animalisiert eindringen lassen, deren Sprache wirkt direkter und lehrsamer auf mich. In den menschlichen Antlitzen finde ich weder Anfang noch Ende, weil mir das Individuum und der unbedingte Respekt im Wege stehen. Ein zu großer Spielraum, in dem ich mich verlieren könnte.

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