Schreiben

Am Wochenende hab ich etwas gemacht, wozu ich sonst selten Gelegenheit finde: Nachdem ich meinen Seminarteilnehmern die Übung ausgeteilt hatte und alle Köpfe über die Tastaturen geneigt waren, setzte ich mich dazu und machte die Übung selbst. Es ging darum, eine Zeitungsnotiz in eine von mehreren stilistischen Formen zu überführen, die wir zuvor besprochen hatten. Seltsam, dass mir zu der kargen Meldung ein Gedicht einfiel – ich schreibe sonst nie welche.
Muss am Herbst liegen : )

Der Alte

Der Alte
schweigt seitdem.
Asche
hängt in
weichen, brüchigen Fetzen
von seinen Lippen.

Längst fort, schmeckt er sie noch,
brennende Luft.
Wie sein Heim niederging
im Flammenmeer
im Funkenregen
In der zärtlichen Berührung warmer Asche
auf alter Haut.

Wie sie floh,
die Kleine
wie hell ihr Körper
als die Flammen ihn fraßen.
Den Tod empfing sie
aus seiner Hand.

Wusste es nicht.
Sprang in weiten Sätzen
sprang um ihr Leben
riss seines im Sterben mit sich fort.

Der Alte
schweigt seitdem.
Asche
hängt Asche
hängt

3 Gedanken zu „Schreiben

  1. ashes to ashes, a nice dry anecdote it does no harm to put oneself in the students position once again & to come to terms with that which we trollop out to others : )

    • @ MRP Ein gutes Seminar zeichnet sich dadurch aus, dass man es als Leiter(in) selbst – mit Vergnügen und Gewinn – belegen würde.
      In meinem Fall gibt es nach jeder Unterrichtseinheit detaillierte Fragebögen seitens der Teilnehmer zu beantworten.
      Anonym…
      Das heißt, wenn ich Mist baue oder Langeweile aufkommen lasse, bekomme ich hinterher Schelte. Das motiviert ; )

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