Zu wenig

„Ich will mich nicht verbiegen“ sagen welche.
Kurt Beck hat es gesagt. Oliver Kahn sagt es. Viele Politiker sagen es und hoffen, dass unverbogen gleichzusetzen sei mit aufrecht und dass sie von uns, dem Volk, als ‚gerade’ Persönlichkeiten wahrgenommen werden.
Die anderen, ihre Wettbewerber, manchmal auch Gegner, schauen sich das eine Weile an und rufen dann: „Verbiegen? Pah. Der will nichts dazulernen, kann sich nicht einstellen auf neue Situationen.“

„Ich will mich nicht verbiegen“ soll heißen: „Ich bin nicht korrumpierbar wie Ihr Anderen, ich mach das verlogene Spielchen nicht mit, handle nach meinem eigenen Kodex.“
In der Hauptstadt gilt das als provinziell.
Bestimmte Selbsteinschätzungen sollten nicht ausgesprochen werden. Man sollte sie in einem Identitäts-Schatzkästchen aufbewahren, das man in diskreten Momenten vielleicht mal einer Vertrauensperson in die Hand gibt, aber sonst niemandem.
Die Verbiegen-Behauptung ist leider lächerlich und hilflos. Indem man sich freiwillig in solcher Weise selbst definiert, outet man sich als Bedürftiger. Betritt den gleichen Club wie die Prinzipientreuen und diejenigen, die meinen, man mache sich sympathisch, wenn man immer schön die Wahrheit sagt.
Beide Seiten – die Harten wie die Elastischen – wollen doch das gleiche. Ihre eigenen Interessen durchsetzen. Mehr steckt nicht dahinter: Es geht immer um irgendwelche völlig banalen Begehrlichkeiten. Nicht um Ideen. Nicht um Persönlichkeitsbildung.
Nicht um eine bestimmte Haltung als solche, sondern darum, ob sie für die Durchsetzung der eigenen Interessen funktionalisierbar, als Waffe verwendbar ist. Es geht um die Praxis. Man will doch etwas erreichen.
Doch das reicht nun mal nicht.

2 Gedanken zu „Zu wenig

  1. Die Konklusion klingt mir zu abgeklärt. Da werd ich sofort hellhörig… Gegen die von Dir gegen Ende gezeigte Skepsis setze ich den 1. Korinther 13, um damit nur eine Tür zu öffnen zu jenen Sphären die Glaubens-, oder Sinn-, nicht aber Interessen orientiert sind.
    Mit dem Zitat ums Verbiegen triffst Du allerdings ganz meine Meinung. Ich finde es eine verlogene Floskel, weil es nur zum überhöhen und kaschieren der privaten Motive verwendet wird. Wirklich antiautoritäre Nichtverbieger würden einfach drauf pfeifen und Montag nicht mehr zum Job erscheinen…

    • @ MFREE Seit meiner Zeit im Institut Sankt Mariae (als ich noch fromm war, so mit zehn) hat mir keiner mehr eine Bibelstelle ans Herz gelegt… : )

      Die Liebe
      (1.Korinther 13 )

      Ohne Liebe bin ich nichts.
      Selbst wenn ich in allen Sprachen der Welt,
      ja mit Engelszungen reden könnte,
      aber ich hätte keine Liebe,
      so wären alle meine Worte hohl und leer,
      ohne jeden Klang,
      wie dröhnendes Eisen oder ein dumpfer Paukenschlag.
      Könnte ich aus göttlicher Eingebung reden,
      wüsste alle Geheimnisse Gottes,
      könnte seine Gedanken erkennen
      und hätte einen Glauben, der Berge versetzt,
      aber mir würde die Liebe fehlen,
      so wäre das alles nichts.
      Selbst wenn ich all meinen Besitz
      an die Armen verschenken
      und für meinen Glauben das Leben opfern würde,
      hätte aber keine Liebe,
      dann wäre alles umsonst.

      Die Liebe ist geduldig und freundlich.
      Sie kennt keinen Neid, keine Selbstsucht,
      sie prahlt nicht und ist nicht überheblich.
      Liebe ist weder verletzend
      noch auf sich selbst bedacht,
      weder reizbar noch nachtragend.
      Sie freut sich nicht am Unrecht,
      sondern freut sich, wenn die Wahrheit siegt.
      Diese Liebe erträgt alles, sie glaubt alles,
      sie hofft alles und hält allem stand.

      Einmal werden keine Propheten mehr zu uns sprechen,
      das Beten in anderen Sprachen wird aufhören,
      die Erkenntnis der Absichten Gottes mit uns
      wird nicht mehr nötig sein.
      Nur eines wird bleiben:
      die Liebe.
      Denn unsere Erkenntnis ist bruchstückhaft
      ebenso wie unser prophetisches Reden.
      Wenn aber das Vollkommene – das Reich Gottes da ist, wird alles Vorläufige vergangen sein.
      Als Kind redete, dachte und urteilte ich wie ein Kind.
      Jetzt bin ich ein Mann und habe das kindliche Wesen abgelegt.
      Noch ist uns bei aller prophetischen Schau vieles unklar und rätselhaft.
      Einmal aber werden wir Gott sehen,
      wie er ist.
      Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke,
      doch einmal werde ich alles klar erkennen,
      so deutlich, wie Gott mich jetzt schon kennt.

      Was bleibt sind:
      Glaube, Hoffnung und Liebe.
      Die Liebe aber ist das Größte.

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