NeoFreud

Ich hatte, schon als Studentin, folgenden Ehrgeiz: Irgendwann mal ein Sofa haben, das schöner ist als Freuds.
Ihr wisst schon, das mit den drüber geworfenen Teppichen.
Inzwischen, nachdem ich ein paar Jahre herumexperimentiert habe, hab’ ich eines, das mir herzlich gut gefällt:

Im Gegensatz zu den Indiskretionen, die Monsieur Sigmund im Namen der Wissenschaft an seinen Clienten (oder, wie man sie damals noch nannte, Patienten) beging, finden auf meinem Sofa die allerheimlichsten Reisen statt.

Niemand dokumentiert, niemand beobachtet, niemand zieht seine Schlüsse über mich, während ich darauf herumliege und meine Bücher lese.

Den ganzen Winter könnte ich so zubringen, scheint mir: Die Phantastereien, Gedanken und Schlußfolgerungen der anderen studierend.

Kommt da nicht noch ein ironischer Schlenker, eine Relativierung, um nicht gar so treuherzig zu wirken?

Nein.

2 Gedanken zu „NeoFreud

  1. über-unter-ich es ist ganz wichtig, daß über dem sofa eine decke liegt, die die füße desselbigen bedeckt, so daß man nicht darunter schauen kann, und damit auch das darunterliegende unbewußte unsichtbar bleiben kann, und damit auch die geister eingesperrt bleiben.

    • Im Ernst? Das klingt eher nach einer schamanistischen Bettstatt : )
      Bei mir zumindest schweifen die Geister frei umher. Ich würde mich schämen, sie unter dem Sofa einzusperren…

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