Die Alten.

Vorgestern in Polylux tv: Ein ironischer Beitrag über „Altershipness“: Leute in Jeans, coolen Sneakers, Laptoptasche über der Schulter. Man geht hinter so einem Kerl her, sagt die flutschige Moderatorenstimme, sieht super aus von hinten, man denkt sich, hm, könnte interessant sein. Dann läuft man an ihm vorbei und – bärg!!! – das Gesicht! Schon Mitte vierzig, oder sogar fünfzig. Altershipness-Alarm. Wenn man sie fragt, was sie machen, heißt es weiter, sind die Altershippen entweder irgendwas mit Werbung, in ein Galerieprojekt verwickelt, oder, zu achzig Prozent, verbringen sie ihre Zeit damit, im Internet ihren Namen zu googeln.
Ups, lustig, erwischt! Mach’ ich alles auch. Und, klar, Polylux hat eine junge Zielgruppe. Abgrenzung ist was feines. Deswegen jetzt auch von Tainted Talents ein offizielles Statement: Ich hab’ nichts gegen junge Leute. Sollen sie jung sein, straffhäutig und unverfroren wie die Könige.
In meinem Revier allerdings stelle ich immer wieder fest, dass es die Älteren sind, die meine Neugier wecken. Was ist schon groß dabei, wenn man zwischen zwanzig und dreißig gute Ideen und einen knackigen Arsch hat? Zwischen dreißig und vierzig kann einem dann eh kaum jemand etwas anhaben, wenn das Psychokorsett nicht allzu löchrig ist. Ab dann? Wird’s spannend.
Bis dahin hat man nämlich gemerkt, was ein Haushalt ist. Und damit meine ich nicht die Wohnung. Ich mag diesen Ausdruck in den Augen, der mir sagt, dass jemand weiß, was scheitern und wieder anfangen bedeutet. Was können mir schon Leute in die Wagschale werfen, die gerade mal den ersten Versuch der Selbst-Positionierung hingemanscht haben?
Also, nichts gegen die Jungen. Aber spannender sind oft die schon lange im Rennen befindlichen. Die dosieren können. Und die einem nicht wegen jeder Hierarchie- und Identitätsklärung gleich wie die Terrier ans Bein gehen. Sorry, Polylux –

5 Gedanken zu „Die Alten.

  1. auf dem punkt. genau das ist es, wieder voll getroffen als wurde man ’n dose fleischtomaten gegen den wand schleuden in der kern… liegt der wahrheit(.)

    • Tita in die KiTa! Sorry, aber diese Sendung ist eh grosser Käse!
      Wenn diese Tita mit ihrem lächerlichen Polylux-Plexiglasschildchen rumfuchtelt
      ist es Zeit zur Fernbedienung zu greifen. Völlig unerträglich wenn sie mit Ihrer „gottseidank haben WIR Abitur“-Tonalität zum Schluss noch den Quoten-Proll und Frührenter zur Wort kommen lässt. Dann fühlt sich Tita (inkl. Ihrer Mainstream-Zuschauer) wieder pudelwohl. Ach wie schön, dass wir so super hipp, clever und sexy sind – und der arme Manfred Dumke so schön doof. Leise legt sie dann ihr Plexiglasschildchen beiseite und fürchtet sich vor 2008. Da wird sie vierzig.

  2. Ich applaudiere und… ….ich glaube zudem, daß die flutschige Moderatorenstimme zu jemandem gehören muß, der ziemlich deppert ist.
    Coolness:Sneaker, Laptoptsche und Jeans?????
    Ich glaube mit bestimmer Sicherheit sagen zu können, daß ich noch nie in meinem Leben aufgrund dieser Attribute auch nur im Geringsten über einen Passanten dachte „Wow, cool! Schau Dir die coole Laptoptasche und diese coole Jeans an! Der Typ muß heiss sein!“
    Zum Glück gibts in jedem Alter tolle Menschen, ich freue mich über die wilden größenwahnsinnigen Großstadtyoungster und gehe dann mit Edith Sitwell oder Quentin Crisp auf einen Tee in den Salon.
    Die flutschige Moderatorenstimme kann gerne versuchen, Kriterien für Ihre Version von Coolness aufzustellen, Alter gehört für mich jedenfalls nicht dazu, und „Hippness“ auch nicht.
    Freue mich schon auf die Alters-WG!
    xxx
    Claude

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