Irgendwann, sehr früh,

haben sich ein paar schnell wachsende, noch fast durchsichtige Fädchen ineinander gewickelt und ein Bild, vielleicht sogar eine Motivation ist aus der Verbindung entstanden. Ich stelle mir das wie Triebe von Kletterpflanzen vor. Die schlängeln sich von Anfang weg vom Muttergewächs und wachsen blindlings ins Freie los, bis die winzige Spitze auf einen Widerstand trifft, an dem sie sich festmachen kann. So sind auch irgendwann Motive in meinem Gehirn entstanden.
Wahrscheinlich völliger Unsinn, der Vergleich.
Ich träume viel, wache morgens auf, alles weg. Fühle mich isoliert, obwohl ich wunderbare Freunde habe, die mich immer wieder einbinden, locken, befragen. Kaum vorstellbar, was aus mir würde, wenn sie es nicht täten.
Sie ist kein Ausdruck von Einsamkeit, diese Isolation. Auch nicht von Missachtung dessen, was mein Leben so reich macht. (Denn das ist es). Eher die Gewissheit, nicht wirklich in der Welt zu sein, nicht verbunden mit etwas lebendigem, das nicht ich selbst bin. Nicht wirklich zugehörig. Dieses Gefühl habe ich, seitdem ich mich erinnern kann. Die Vorstellung, dass aus dem Gebilde all meiner Unternehmungen, den unterschiedlich geladenen Ereignissen meines Lebens immer wieder dieses alte Gefühl hervorgeht, nervt mich zunehmend.
Vor-Weihnachten, eine schwierige Zeit, wie jedes Jahr. Ich hadere mit meinen Prägungen, der Last meiner Festlegungen. Mit einem Körper, der nicht mein Freund ist. Kopfweh entsteht. Ich hatte früher nie welches; nun liege ich inmitten des ungewohnten Phänomens und beobachte distanziert von einem inneren Beobachtungsposten, wie es sich ausbreitet. Seitdem der Kopf schmerzt, habe ich mein Quartier im Bauch aufgeschlagen. Die Eingeweide besitzen eine eigene Art von Gehirn, wie ich kürzlich gelesen habe, auf seine Weise ebenso potent wie das graue; der Gedanke erschien mir sofort nachvollziehbar. Mag gut sein, dass dieses Eingeweidegehirn mit den schwer verdaulichen Brocken eingefleischter Gefühle weit besser umgehen kann als die Analysemaschine da oben.
Es gibt eine einzige Frage, die mich von Beginn an umtreibt: Wo will ich hin? Ich habe den Widerstand noch nicht gefunden, an dem sich meine Spitze festmachen kann, um weiter zu wachsen, Durchmesser zu gewinnen; ich suche blindlings. Im Gegensatz zur Kletterpflanze, die damit ganz gut zurecht kommt, bin ich mit den Ergebnissen nicht zufrieden. Meine Triebe hängen in der Luft, meine Sensoren für ein Gegenüber, mit dem ich mich verbinden könnte, sind nur unzureichend ausgebildet.

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